J.D. Salinger

Jerome David Salinger (1919 – 2010), kurz J.D. Salinger, war ein US-amerikanischer Schriftsteller, der durch seinen Adolezenzroman „Der Fänger im Roggen“ berühmt geworden ist. Sein Roman galt als „Ausgangspunkt der endlosen Jugendrebellionen gegen Establishment und Erwachsenenwelt, die seither regelmäßig den Westen erschüttern“, so der FOCUS 2015. Seit Jahrzehnten umgab Salinger eine Aura des Geheimnisvollen, ein regelrechter Kult. Auch nach seinem Tod riss er nicht ab und führte zu immer neuen Veröffentlichungen über den rätselhaften Autor.

J.D. Salinger, Sohn eines polnisch-jüdischen Vaters und einer schottisch-irischen Mutter, wuchs in Manhattan auf, wo er die private McBurney School besuchte. Hier erlebte er jenes Milieu wohlhabender Bürger, gegen deren Heuchelei er in seinem Klassiker der Weltliteratur antobt und wütet. Anschließend wurde er an der Vallery Forge Military Academy in Wayne, Pennsylvania ausgebildet. Seine ersten publizistischen Schritte unternahm er in der Kadettenzeitschrift „Crossed Sabres“, in der er u.a. Filmkritiken veröffentlichte. Nach einem fünfmonatigen Aufenthalt in Europa studierte Salinger am Ursinus College in Collegeville, Pennsylvania und arbeitete nebenbei weiterhin als Kritiker.

1940 veröffentlichte er im angesehenen Story-Magazin seine erste Kurzgeschichte. Zu jener Zeit führte Salinger eine kurze, aber folgenreiche Beziehung mit dem It-Girl Oona O‘Neill, Tochter von Literaturnobelpreisträger Eugene O’Neill, die später Charlie Chaplin heiratete. Dieser Affäre widmete Frédéric Beigbeder 2015 den Roman „Oona & Salinger“, der jedoch recht oberflächlich und dürftig bleibt, wie der FOCUS urteilt. Drei Kurzgeschichten aus dieser Zeit wurden, ebenfalls 2015, in dem Band „Die jungen Leute“ veröffentlicht. Sie zeigen schon das handwerkliche Geschick Salingers, reichen aber noch nicht an seine spätere Größe heran.

1942 trat J.D. Salinger der US-Armee bei und verließ das College ohne Abschluss. Er nahm am D-Day und an mehreren Feldzügen in Frankreich teil, wo er auch Ernest Hemingway traf. Als einer der ersten US-Soldaten kam er ins gerade erst befreite KZ Kaufering IV und erlitt beim Anblick der Leichenberge ein lebenslanges Trauma. Aus diesem Grund ließ er sich in eine Nürnberger Klinik einweisen und blieb auch nach Kriegsende noch in Europa, arbeitete in Deutschland für eine Abteilung des Nachrichtendienstes und heiratete eine deutsche Ärztin, die er jedoch wieder verließ, als er erfuhr, dass sie für die Gestapo gearbeitet hatte. Das Buch „Heimat“ von Thomas Medicus forscht diesen deutschen Spuren Salingers nach.

1951 veröffentlichte J.D. Salinger seinen Erfolgsroman „Der Fänger im Roggen“, der bis heute als Kultroman der Jugend gilt. Seine literarische Arbeit und seine intensive Gottsuche halfen ihm dabei, über die Depressionen und Traumata aus dem Krieg hinweg zu kommen. Eine Antwort auf seine Fragen fand Salinger in der hinduistischen Lehre des Vedanta, die ihm einen radikalen Rückzug aus dem öffentlichen Leben befahl. Er siedelte daraufhin nach New Hampshire um, reiste viel und „achtete darauf, die Welt nie vergessen zu lassen, dass er sich von ihr zurückgezogen hatte“ (FOCUS). In dieser Zeit entstand der Mythos um Salinger, der sich damit dem Idealbild seines Helden Holden Caulfield annäherte, der sich von der Verlogenheit der Gesellschaft abwandte.

Mit seinen folgenden Werken, „Neun Erzählungen“ und „Franny und Zooey“, gelang es ihm nicht, an den Erfolg anzuknüpfen und so geriet Salinger bald ins Abseits. Nicht so jedoch sein Roman „Der Fänger im Roggen“, der bis heute für ungebrochene Begeisterung sorgt.  2010 starb J.D. Salinger in Cornish eines natürlichen Todes.

 

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