Judith Schalansky

Die deutsche Kommunikationsdesignerin und Kunstgeschichtlerin Judith Schalansky wurde 1980 in Greifswald geboren. Heute lebt sie als freischaffende Gestalterin und Autorin in der Hauptstadt Berlin. Sie lehrt an der Potsdamer Fachhochschule typographische Grundlagen und ihr Kompendium „Fraktur Mon Amour“ wurde mit verschiedensten Designpreisen ausgezeichnet. Inzwischen gestaltet und setzt Judith Schalansky ihre Bücher auch selbst. Gegenüber der FAZ erklärte sie: „Ich möchte am liebsten bei Büchern alles allein machen. Alles sonst empfinde ich als Vergewaltigung. Ich lebe unter dem Zwang, das perfekte Buch zu machen, aber das gibt es natürlich nie.“ Ein gutes Beispiel dafür ist „Der Hals der Giraffe“, ein Buch, in dem äußere Form und Inhalt Hand in Hand gehen. Die Geschichte einer Biolehrerin vom alten Schlag, die mit eisernem Starrsin am Darwinismus festhält, als gebe es auf der Welt nichts anderes, kommt im Gewand eines alten DDR-Biobuchs im Leineneinband daher, wie es viele Leser aus den Neuen Bundesländern noch aus ihrer Schulzeit kennen. So werden Schalanskys Bücher zum Gesamtkunstwerk und „Der Hals der Giraffe“ schaffte es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Im selben Jahr erhielt es den Preis für das schönste deutsche Buch auf der Frankfurter Buchmesse. Inzwischen Judith Schalansky auch für andere Autoren des Suhrkamp-Verlages Bücher gestaltet, darunter „Indigo“ von Clemens Setz. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte sie: „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen Inhalt ohne Form gesehen. Das Allerwichtigste am Buch ist doch sein Format: Wie viel sagt das schon aus!“ Schalanskys Debütroman, „Blau steht dir nicht“, wurde 2008 mit Begeisterung zur Kenntnis genommen. Im Jahr 2009 erhielt sie das "Villa Aurora" Stipendium der Stadt Los Angeles und veröffentlichte zwei Jahre später den Bildungsroman „Der Hals der Giraffe“. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bemerkt dazu treffend: „Es ist ein umgekehrter Bildungsroman, den Judith Schalansky hier präsentiert, ein kleines antidarwinistisches Manifest. Es sind brennende Themen, die sie mit Eleganz und Leichtigkeit anklingen lässt: Überalterung, Klimawandel, Landflucht, das Versagen der Wissensgesellschaft.“ Doch auch wenn die Presse Schalanskys Roman bejubelt, so darf man nicht die Ambivalenz außer Acht lassen. Schön ist das, was die Autorin darin beschreibt, wahrlich nicht. Vielmehr zeigt sie einen ungewöhnlichen Mut zum Hässlichen und zu einer Heldin, die eigentlich alles andere als sympathisch ist. In „Die Tageszeitung“ bringt es Ulrich Rüdenauer mit der Bezeichnung „die wunderbar-grausamste Romanfigur der Saison“ auf den Punkt. Ähnlich wie ihrer Romanfigur hat die Natur es auch der Autorin angetan: Judith Schalansky wird nun auch Herausgeberin im Verlag Matthes & Seitz und arbeitet dort an „Naturkunden“, einer Reihe über Natur und Tiere – und kommt damit vielleicht ihrem Wunsch doch näher, das perfekte Buch zu machen. Lesenswert ist außerdem ihr "Atlas der abgelegenen Inseln".

"Es gibt heute genug Möglichkeiten, Inhalte einfach abzuspeichern. Deshalb kann sich das Buch wieder auf sein Buchsein besinnen, auf seine Sinnlichkeit und Funktion als Träger gut kuratierter Inhalte. Denn ein schönes Buch ist der Ort einer Verabredung. Es fordert dazu auf, sich Zeit und Muße für die Lektüre zu nehmen." (Schalansky im Interview mit dem Stern)

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