Michele Serra

Michele Serra ist ein bekannter italienischer Journalist und Kolumnist. (c) Archiv Diogenes VerlagMichele Serra (Jahrgang 1954) ist ein italienischer Autor und Kolumnist, der sich in Deutschland mit seinem Buch „Die Liegenden“ einen Namen gemacht hat. So kurz das 150 Seiten umfassende Büchlein auch sein mag, so aussagekräftig ist es auch. Mit seinem Generationenkonflikt – der Vater arbeitet hart in den Weinbergen, der Sohn liegt zu Hause auf der Couch, liebt den „tagesfüllenden Schlaf“ und ist über das Internet mit der ganzen Welt verbunden; außer mit seinem Vater, denn Vater und Sohn scheinen auf unterschiedlichen Planeten zu leben und fragen sich unaufhörlich, wer der jeweils andere ist, der ihm selbst so fremd ist – hat Michele Serra den Nagel auf den Kopf getroffen. Zeitgemäßer könnte ein Buch kaum sein. Der Vater träumt davon, einmal mit dem Sohn auf den Colle della Nasca zu steigen, den er mit seinem eigenen Vater so oft bestiegen hat, doch der Sohn gehört zur Generation der Liegenden, jener Heranwachsenden, die am liebsten eins tut: liegen.

Michele Serra selbst gehört der Generation des Vaters an. Er ist verheiratet und hat vier Kinder, eine Tochter und drei Söhne. Es scheint also, als schöpfe er aus einem großen Vorrat eigener Erfahrung, wenn er diesen Vater-Sohn-Konflikt so zu Papier bringt, dass sich jeder, der Kinder in einem Alter hat, in dem sie noch zu Hause wohnen, sich aber schon längst nichts mehr sagen lassen, wiederfinden können. Wenn Michele Serra schildert, wie er seinen Sohn über alles liebt, aber einfach nicht mehr an ihn rankommt, wird jeder, der Kinder in diesem Alter hat, nicken und irgendwie froh sein, nicht ganz allein damit zu sein. In seiner Heimat, Italien, weiß man schon längst um die hohen journalistischen Qualitäten von Michele Serra, der im ganzen Land für seine Kolumnen in „La Repubblica“ und „L’Espresso“ bekannt ist. Er schreibt außerdem Theaterstücke und Drehbücher für das Fernsehen, hat bereits Gedichte und Kurzgeschichten und sogar einige Romane veröffentlicht. Davon haben wir in Deutschland bislang nichts mitbekommen, aber nach dem Überraschungserfolg von „Die Liegenden“ wird der Name Michele Serra sicher auch hierzulande häufiger zu lesen sein.

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