Schlecky Silberstein

Christian Brandes ist Schlecky Silberstein. (c) privatHinter dem Namen Schlecky Silberstein verbirgt sich der Blogger Christian Brandes (Jahrgang 1981), der als eines der bizarrsten, lustigsten, kreativsten und manchmal auch verstörendsten Phänomene des Internets gilt. Jemand, der von sich selbst sagt, er habe das „Prokrastinieren zum Beruf“ gemacht und der einen Großteil seiner Zeit damit verbringt, die seltsamen Spleens und Macken anderer Menschen zu sammeln, ist auf jeden Fall mehr als nur einen Blick wert. Auf Spleen24 hat Schlecky Silberstein mehr 10.000 bizarren Eigenarten zusammengetragen – und daraus ein Buch mit dem Namen „Ich kann keine Wurst-Zipfel essen“ gemacht. Es ist mit Sicherheit das größte Macken-Archiv der Welt. Darunter sind so Eigenarten, wie „Manchmal rasiere ich mir nur ein Bein, damit es sich im Bett so anfühlt, als läge ein Mann neben mir.“ Das macht beim Lesen viel Spaß und lässt die eigenen Spleens und Macken in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Angefangen hat Schlecky Silberstein jedoch ein bisschen anders: Hinter der Website stand der Gedanke einer Seite, die den bizarrsten Irrsinn sammelt. In Brandes Worten: der „Anlaufpunkt für alle, die zwischen Meeting A und Abfuck B noch schnell einen Lacher oder einen Moment der Inspiration mitnehmen“ wollten. Heute ist Schlecky Silberstein eine Institution im Internet und wird von „Ultra-Nerd bis zu unseren Müttern“ gelesen, so Christian Brandes. Besonders schön sei es für ihn, Mails von Leuten zu bekommen, „denen ein Beitrag ein kleines bisschen den Tag gerettet hat. Das ist ein wahnsinnig tolles Gefühl und so wurde The Very Best of What The Fuck vom Hobby zur Herzensangelegenheit.“ 2012 holte Brandes sich dann Verstärkung ins Boot und erweiterte das Team von Schlecky Silberstein um Tobias Deitert. Genau wie Brandes ist auch Deitert hauptberuflich Werbetexter und hilft dabei, nicht nur Kurioses zusammenzutragen, sondern auch immer mehr Eigenproduktionen ins Netz zu schieben.

Und so macht Schlecky Silberstein immer wieder mit absurden und irrwitzigen Aktionen von sich Reden. So zum Beispiel mit einer Stellenanzeige, in der Brandes im Juni 2015 nach jemandem suchte, der für den Mindestlohnt von 8,50 € in 20 Stunden 30 von 83 Level bei GTA durch zockt. Er habe das Spiel schon einmal bis Level 30 gespielt und dann sei seine Festplatte abgestürzt und er habe alles verloren. Jetzt sei er zu sehr Ökonom, um sich noch einmal die Zeit dafür zu nehmen, schließlich sei er 33 und habe ein Kind. Stattdessen wolle er jemanden dafür bezahlen. Er selbst spiele nämlich wie ein alter Mann und brauche Stunden für jeden Level. Hintergrund der Aktion sei der Plan, das erste Musikvideo zu drehen, das in der Welt von GTA spielt. „Aber dafür müssen wir alle Charaktere freispielen - und das ist Arbeit“, erklärte er der Süddeutschen Zeitung.

Wenn er nicht GTA zockt, scannt Christian Brandes für Schlecky Silberstein morgens zunächst die amerikanischen Blogs auf Fundstücke für seine Seite und dann den Tag über die deutschen Kanäle. Dass sein Blog so erfolgreich ist, erklärt er sich so: „Als mündiger Bürger will man politisch interessiert und engagiert wirken, und gibt es gerne vor. Aber der Mensch hat eben auch oft das Bedürfnis, sich einfach nur glücklich zu zerstreuen. Speziell in unserem heutigen Arbeitsumfeld, in dem wir diesem permanenten Informationsfluss ausgesetzt sind. Im Leben meiner Eltern gab es noch regelmäßig Momente, in denen einfach mal gar nichts los war. Null. Da brauchte man keine Zerstreuung, weil der Kopf von selbst runtergekommen ist. Unter dem Informationsdauerfeuer, dem wir uns heute aussetzen, ist Prokrastination die kleine Flucht des Körpers. Die große Flucht wäre dann der Burnout“ (Cicero Online).

Und weil die Autoren von Schlecky Silberstein erkannt haben, wie groß das Bedürfnis nach „klassischen Bullshit-Themen“ ist, geben sie dem Affen gerne Futter – ungeachtet des volkswirtschaftlichen Schadens, der womöglich dadurch entsteht, dass 60.000 Menschen täglich lieber bei Schlecky Silberstein surfen als zu arbeiten.

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