Lea Singer

Lea Singer schreibt sprachliche Glanzstücke auf höchstem Niveau. (c) MEINENLea Singer ist das Pseudonym, unter dem die deutsche Kulturhistorikerin Eva Gesine Bauer (Jahrgang 1960) ihre Romane veröffentlicht. Während sich Bauer seit ihrem Studium der Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften, Musikwissenschaft und des Gesangs und ihrer Promotion zum Thema des französischen und englischen Kinderbildes im 18. Jahrhundert unter anderem mit der kulturwissenschaftlichen Erforschung von Ernährung und Gesellschaft, der sogenannten Gastrosophie, beschäftigt und sich dafür gedanklich zu Guiseppe Verdi, Mozart und Antonio Vivaldi nach Hause einlud, darf sich Lea Singer in biografischen Romanen austoben. Unter ihrem bürgerlichen Namen veröffentlichte sie außerdem Reisebücher mit kulturgeschichtlichem Hintergrund und Sachbiografien, wobei ihr Fokus deutlich auf musikhistorischen Themen liegt.

Nach der Schule absolvierte die Autorin, die heute unter dem Namen Lea Singer erfolgreiche historische Romane schreibt, zunächst eine Kochausbildung. Anschließend studierte sie Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften, Musikwissenschaft und Gesang in München, wo sie noch heute lebt. Nach dem Studium widmete sie sich der Publizistik und war stellvertretende Chefredakteurin und Chefredakteurin verschiedener Zeitschriften. Ihren Debütroman veröffentlichte Lea Singer im Jahr 2000. Damals erschien „Die Zunge“, ein sinnlicher Entwicklungsroman aus dem revolutionären Frankreich, in dem sich die Autorin dem Feinschmecker Alexandre Grimod de La Reynière widmet.

La Reynière, der mit verkrüppelten Händen auf die Welt kam, wurde mit seinen lukullischen Talenten zum Star der Pariser Gesellschaft. Doch seine Zunge setzte er nicht nur zum Essen ein und so ist Lea Singers Roman, der auf einer wahren Geschichte basiert, ein großartiges Beispiel dafür, dass auch die deutsche Sprache sinnlich und erotisierend sein kann, ohne plump und obszön zu erscheinen. Die Süddeutsche Zeitung war voll des Lobes und überschlug sich förmlich in ihrer Rezension von Lea Singers Debütroman: „Fabelhaft, möchte ich sagen. Aber das reicht nicht. Umwerfend, könnte ich sagen. Aber das reicht auch nicht. Besterdings grandios, wäre in diesem absonderlichen Fall das passende Flickwort.“ Der Vergleich mit Süskinds „Das Parfüm“ ist hier nur zu angemessen.

Es folgten im Abstand weniger Jahre die Romane „Wahnsinns Liebe“, „Die österreichische Hure“, „Vier Farben der Treue“ und „Das nackte Leben“. Singers Roman „Mandelkern“, der 2007 erschien, erhielt viel Beachtung für seine Darstellung der Neurowissenschaftlerin Grace Eder in der Sinnkrise. Die Art, wie Lea Singer ihre Suche nach Liebe und Erfüllung schildert und dabei den Faust‘schen Erkenntnisdrang einfließen lässt, ist einzigartig und sorgt dafür, dass auch „Mandelkern“ zum sinnlichen Lesevergnügen wird, das frau kaum noch aus der Hand legen kann. Für die Zeitung Die Welt war das Buch ein Must-read: „Wie sinnlich, wie appetitlich, wie erotisch die deutsche Sprache sein kann! Lea Singer gelingen sprachliche Glanzstücke auf höchstem Niveau.“ Diese Art im Genre des historischen Romans etabliert, schrieb Lea Singer in der Folge „Konzert für die linke Hand“, „Der Opernheld“, „Verdis letzte Versuchung“ und „Anatomie der Wolken“.

Während sich die drei erstgenannten Bücher Musikern zuwenden – „Konzert für die linke Hand“ handelt von dem Virtuosen Paul Wittgenstein, für den Maurice Ravel das ›Konzert in D-Dur für die linke Hand‹ schrieb, in „Der Opernheld“ geht es um Maurizio Salvatore, dessen Liebe zur Oper und zu den Sängerinnen zur Obsession wird, und „Verdis letzte Versuchung“ erzählt natürlich von Giuseppe Verdis Leidenschaft für die junge Operndiva Teresa Stolz – wendet sich Lea Singer in „Anatomie der Wolken“ den anderen Künsten zu.

In diesem brillanten, honigsüßen historischen Roman lässt Lea Singer das Universalgenie Johann Wolfgang von Goethe und den romantischen Wolkenmaler Caspar David Friedrich aufeinander treffen. Unterschiedlicher könnten die beiden Männer kaum sein, doch für ein gemeinsames Werk müssen sie notgedrungen zueinander finden - und für eine Frau, die sie beide gleichermaßen fasziniert. Wie Lea Singer in feinen Nuancen die Ambivalenzen dieser Beziehung herausarbeitet und dem alternden Genie und seinem jungen Widersacher mit feinen Strichen ein lebensnahes Bildnis erschafft, ist schon ganz große Literatur. Wer Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“ (über Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß) mochte, wird Lea Singers „Anatomie der Wolken“ ebenfalls lieben.

Unsere Buchtipps - Diese Bücher von Lea Singer empfehlen wir Ihnen:

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