John Steinbeck

John Steinbeck gehört zu den wichtigsten US-amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts.„Bücher helfen ei'm nich. Jeder Mensch braucht 'n andern - jemand, der in der Nähe is“, schrieb John Steinbeck (1902 – 1968) in seinem Klassiker der Weltliteratur, „Von Mäusen und Menschen“, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Steinbeck mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. Dennoch haben die Bücher ihn sein ganzes Leben lang begleitet und ihn zu einem der erfolgreichsten US-amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts gemacht. Das Nobelpreis-Komitee begründete seine Entscheidung 1962 damit, John Steinbeck würde „für seine einmalige realistische und phantasievolle Erzählkunst, gekennzeichnet durch mitfühlenden Humor und sozialen Scharfsinn“ ausgezeichnet werden – Fähigkeiten, die jeder Leser von „Von Mäusen und Menschen“ unschwer erkennen kann.

Sein naturalistischer, realistischer Stil, dem eine gewisse Poetisierung des Alltags innewohnt, ist dem historischen Hintergrund geschuldet, vor dem seine bekanntesten Werke entstanden sind. Die Weltwirtschaftskrise 1929 hat den Menschen jede Sicherheit genommen und John Steinbeck versetzt sich tief hinein in die Seelen der Verunsicherten, der Heimatlosen, der Entrechteten, Armen und Einsamen. Die herumziehenden Landarbeiter und kleinen Farmer wurden in seinen Büchern zu zweifelhaften Helden, doch das Psychogramm, das Steinbeck von ihnen zeichnet, ist wahrhaft kunstvoll. Einfühlsam und voller Sympathie begibt er sich in ihre Perspektive und gibt denen eine Stimme, die sonst keine mehr hatten: „Huren, Hurensöhne, Kuppler, Stromer und Spieler, mit einem Wort: Menschen. Man könnte mit gleichem Recht auch sagen: Heilige, Engel, Gläubige, Märtyrer – es kommt nur auf den Standpunkt an.“ (John Steinbeck in „Die Straße der Ölsardinen“). Das brachte ihm den Ruf ein, ein dogmatischer Linker zu sein, der in seinen Romanen die Armen idealisiere und die Armut romantisiere. Doch obwohl es unzweifelhaft ist, dass sich John Steinbeck sehr für die die Armen und Entrechteten einsetzte, ist kaum mit Sicherheit zu sagen, wie radikal er in seinen Einstellungen tatsächlich war.

Als Sohn von irisch- und deutschstämmigen Arbeitern und als junger Mann, der bei Nebenjobs auf Farmen, Baustellen und in  Fabriken in das Leben der Arbeiter hatte hinein schnuppern können, wird er aber genug erlebt haben, um hier doch recht feste Standpunkte zu vertreten. Die Jobs dienten eigentlich dem Zweck, John Steinbeck sein Studium zu finanzieren. Er hatte sich für Englische und Klassische Literatur, Alte Geschichte und Journalismus an der Stanford University eingeschrieben, war jedoch bald vom akademischem Leben enttäuscht. Es sollte sich später, nachdem er die Universität ohne Abschluss verlassen hatte, zeigen, dass ihm die Gelegenheitsjobs für seine schriftstellerische Karriere wesentlich nützlicher waren als der Inhalt, der in seinen Kursen vermittelt wurde. Geschichten hatte John Steinbeck schon seit frühester Kindheit geschrieben. Dafür brauchte er keinen akademischen Abschluss. 1925 ging er dann als Journalist und freier Schriftsteller nach New York, konnte sich seine Träume jedoch nicht erfüllen. Desillusioniert kehrte er bald in seine Heimat in Kalifornien – die heute nach ihm „Steinbeck Country“ benannt ist – zurück und nahm wiederum Gelegenheitsjobs an. Parallel dazu schrieb er seinen ersten Roman: „Eine Handvoll Gold“. 1930 heiratete Steinbeck Carol Henning, doch die schwierige finanzielle Situation der kleinen Familie belastete die Ehe sehr.

1935 gelang John Steinbeck mit „Tortilla Flat“, einem „episodischen Roman“ über eine Gruppe von armen, aber lebenslustigen Hispano-Amerikanern, der Durchbruch. Steinbeck orientierte sich hierfür an der Legende um König Artus. Es folgten die Romane „Stürmische Ernte“, „Von Mäusen und Menschen“ und „Früchte des Zorns“. Alle drei zählen zu dem besten, was John Steinbeck geschrieben hat. Vor allem „Von Mäusen und Menschen“ beeindruckte das Publikum damals wie heute. Der Roman wurde kurz darauf von John Ford verfilmt und sorgte wegen seiner kämpferischen Ansätze für Skandale und Empörung. 1940 erhielt John Steinbeck für seinen sozialdemokratischen Roman „Früchte des Zorns“ den Pulitzer-Preis, den angesehensten Literaturpreis des Landes.

Besondere Beachtung fanden die realistischen Schilderungen des Elends der Wanderarbeiter, die das Buch nicht nur zu einem literarischen Ereignis, sondern auch zu einer historischen Quelle machen. Auch er wurde Anfang der 1940er Jahre verfilmt. Während des Zweiten Weltkriegs betätigte sich John Steinbeck in der Propaganda gegen das nationalsozialistische Deutschland und ging dann als Kriegsreporter für den New York Herald Tribune nach Europa. Seine Reportagen und Tagebuchnotizen wurden später unter dem Titel „Once there was a War“ veröffentlicht und gelten ebenfalls als wichtige zeithistorische Dokumente. Seine Schilderungen des Alltagslebens der Soldaten reichen in ihrer Qualität an die Schilderungen aus dem Arbeitermilieu heran. In den Jahren nach dem Krieg beschäftigte sich John Steinbeck, inspiriert von dem Meeresbiologen Ed Ricketts, dem er mit dem „Doc“ in „Die Straße der Ölsardinen“ und „Wonniger Donnerstag“ ein Denkmal setzte, mit den ökologischen Zusammenhänge des Lebens, bereiste die Welt und schuf mit „Jenseits von Eden“ einen letzten großen Roman. Drei Jahre später sollte das Buch mit James Dean in der Hauptrolle verfilmt werden. In den letzten Jahren seines Lebens reiste John Steinbeck viel und unternahm zum Beispiel mit einem zum Wohnmobil umgebauten Kleinlaster und seinem Pudel Charley eine Rundreise durch die Vereinigten Staaten, über die er in „Reise mit Charley“ berichtete. 1968 starb John Steinbeck in New York. Seine Bücher aber gehören heute zum Kanon der Weltliteratur und sind unvergessen.

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