Rüdiger Striemer

Rüdiger Striemer hat die dunkle Medaille des Erfolgs gesehen. (c) Susanne SchleyerRüdiger Striemer war ein erfolgreicher Manager in der IT-Branche – bis eines Tages „eine wachsende Unruhe, Schwindel, Kopfdruck“ und Konzentrations- schwierigkeiten begannen, von ihm Besitz zu ergreifen. Das ist nicht unüblich bei Menschen in seiner Position, denn mit dem Erfolg kommen oft auch der Erfolgsdruck und ein Leistungsanspruch, dem auf Dauer niemand gewachsen ist. „Okay, dachte ich, fahre ich mal für ein paar Tage raus, entspanne, gehe in die Sauna“, erinnert sich Striemer im Interview mit dem Magazin „Focus“. Doch damit war es nicht getan. Das „war natürlich totaler Quatsch, hat überhaupt nicht funktioniert. In der Sekunde, in der ich in den Alltag zurückkehrte, kam alles doppelt so heftig auf mich zu.“

Irgendwann kam dann die Angst hinzu. Eine unbestimmte Angst, die nach und nach seine komplette Wahrnehmung bestimmte und ihn bis zur Panik trieb. Dann kam der Punkt, an dem sich Rüdiger Striemer nicht mehr auf die Straße wagte und spürte, dass er etwas ändern musste. Weil er sich selbst keinen Rat mehr wusste, ließ er sich selbst in eine psychiatrische Klinik einweisen, die seiner Angststörung auf den Grund gehen sollte. Heute weiß Rüdiger Striemer, dass er so manches aus seiner Kindheit und Jugend nicht richtig verarbeitet hatte, was dann in Form einer Angststörung zu ihm zurück kam – allem voran der frühe Tod seiner Mutter. Sie starb, als Striemer 11 Jahre alt war. „Ich war somit schon als Kind auf eigene Beine gestellt. In mir entwickelte sich der unbewusste Gedanke, dass ich für mich selbst sorgen muss. Ich habe mich darauf fokussiert, nur nach vorn zu blicken, immer einen Schritt weiter zu denken und vorbereitet zu sein auf alles, was noch passieren könnte. Scheitern war für mich keine Option.“ (Interview im „Focus“)

Heute weiß Rüdiger Striemer, dass es genau jener Satz war, der ihn zu Fall brachte: „Scheitern ist keine Option.“ Es sei, so Striemer gegenüber dem „Focus“, die „fatalste [Einstellung] überhaupt.“ In der Klinik musste er dann alles hinter sich lassen, was bis dahin zu seinem Alltag gehört hatte: Handy, Mails, Computer und Telefone. An diesen Moment erinnert er sich heute als einen der „spektakulärsten Tage seines Lebens.“ „Dieses Gefühl werde ich nie vergessen. Mir war klar: Jetzt bist du raus. Jetzt bist du im Wald. Die Klinik lag tief in den Brandenburger Kiefernwäldern an einem See. Da war nichts außer Stille, eine fast schon durchdringende Stille.“ Die Kontrolle abzugeben fiel Rüdiger Striemer dann aber wesentlich schwerer als das Abgeben seiner Geräte. Doch dann sei es eine Entlastung gewesen, nicht mehr funktionieren zu müssen.

Was er in der psychiatrischen Klinik erlebte, was er über seine eigene Krankheit im Besonderen und Angststörungen und Depressionen im Allgemeinen erfuhr und wie es ihm gelang, ein neues, gesünderes Verhältnis zu seinem Job zu entwickeln und in die Chefetage zurückzukehren – all das beschreibt Rüdiger Striemer in seinem Buch „Raus! Mein Weg aus der Chefetage in die Psychiatrie und zurück“, das 2015 erschienen ist.

Lesen Sie hier mehr über Stress und das Burn-out-Syndrom.

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