Erwin Strittmatter

Erwin Strittmatter (1912 – 1994) war einer der bekanntesten Schriftsteller der DDR. Als einer von wenigen Schriftstellern der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik schaffte Strittmatter die Aufnahme in den gesamtdeutschen Lesekanon. Strittmatter wuchs in der Niederlausitz auf und absolvierte eine Bäckerlehre, arbeitete aber später auch als Kellner, Hilfsarbeiter und Tierpfleger. Er wuchs in sozialdemokratischen Verhältnissen auf und schloss sich schon vor dem Aufstieg der Nationalsozialisten der SPD an. 1940 bewarb sich Erwin Strittmatter erfolglos bei der Waffen-SS, wurde dann aber der Ordnungspolizei zugeteilt, die später im SS-Polizei-Gebirgsjägerregiment 18 aufging. Zeit seines Lebens verschwieg Stittmatter die Zugehörigkeit zur Waffen-SS, gab an, lediglich als Kompanieschreiber tätig gewesen zu sein. Posthume Nachforschungen zu seiner Biographie deckten jedoch auf, dass er sich freiwillig sowohl zur SS als auch zur Wehrmacht und zur Polizei gemeldet habe – aber nicht etwa, weil er ein glühender Anhänger der Nationalsozialisten war, sondern weil er sich von seinem Vater emanzipieren wollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Erwin Strittmatter wiederum als Bäcker und schrieb für die Märkische Volksstimme in Senftenberg. Nach 1947 hatte er, der innig an den Sozialismus glaubte, den Posten als Amtsvorsteher für sieben kleine Gemeinden in der Niederlausitz inne. Seine große Leidenschaft jedoch war das Schreiben. Jeder Tag, an dem Erwin Strittmatter nichts geschrieben hatte, war für ihn ein verlorener Tag, ein Tag, an dem er nicht gelebt hatte. Das wird auch in seinen Tagebuchaufzeichnungen ersichtlich, die unter dem Titel „Nachrichten aus meinem Leben“ veröffentlicht wurden. Seit 1954 lebte er in Schulzenhof im Ruppiner Land und betrieb hier neben der Schriftstellerei auch eine Pferdezucht. Zwischen 1958 und 1964 war Erwin Strittmatter geheimer Informant des Ministeriums für Staatssicherheit. Als Strittmatter 1994 starb, war er eine viel diskutierte Figur der deutschen Nachkriegsliteratur, zu dessen bekanntesten Werken „Ochsenkutscher“, „Ole Bienkop“ und „Der Laden“ gehörten. „Der Laden“ wurde 1992 als Trilogie veröffentlicht und machte ihn auch in der BRD bekannt. Der autobiografische Roman setzt er der deutsch-sorbischen Mischkultur ein Denkmal und wurde 1998, wenige Jahre nach Strittmatters Tod, von Jo Baier verfilmt.

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