Jeff VanderMeer

Jeff VanderMeer schreibt tolle Fantasy-Romane, die aus der Reihe tanzen. © Verlag Antje KunstmannJeff VanderMeer ist eine literarische Sensation – und ein echtes Geschenk für das Genre der Fantasy-Romane. Seine Werke, die dem Magischen Realismus, wie ihn unter anderem Jorge Luis Borges, Angela Carter und Vladimir Nabokov pflegten, zuzurechnen sind, lassen Wirklichkeit und magische Realität verschmelzen. Sehr schön lässt sich das anhand von „Auslöschung“ erklären, dem ersten Band der Southern-Reach-Trilogie, mit der Jeff VanderMeer in Deutschland bekannt wurde. Der Roman spielt im realen Amerika, doch dort gibt es ein bislang unerforschtes Gebiet: Area X, Southern Reach. Das Areal ist karg und lebensfeindlich. Von den Expeditionen, die ausgeschickt wurden, um es zu erkunden, kehrten nur wenige Teilnehmer zurück. Und die, die zurück kamen, waren verwirrt und schwer verletzt, und starben bald. Sie konnten nichts berichten, was geholfen hätte, zu verstehen, was in Area X vor sich geht. Nun sollen vier Forscherinnen das Geheimnis endlich lüften. In „Auslöschung“ legt Jeff VanderMeer ihren fiktiven Expeditionsbericht vor, der dem Leser zuweilen das Blut in den Adern gefrieren lässt. Denn das Böse, das in Area X lauert, hat nichts mit den Schurken aus sonstigen Fantasy-Romanen gemein. Es verschlingt Menschen.

All das wäre vielleicht nicht ganz so schlimm, wenn sich Area X nicht mit immer größerer Geschwindigkeit ausbreiten würde. Eine Biologin, eine Anthropologin, eine Landvermesserin und eine Psychologin sollen nun dabei helfen, die Ausbreitung zu stoppen und die Geheimnisse der Region zu entschlüsseln. Mehr erfahren wir über sie zunächst nicht. Nur, dass sie nicht unbelastet sind, denn die Psychologin soll die anderen drei bespitzeln. Und so prallen die Probleme von außen auf die Probleme in Area X. Und das wird bei Jeff VanderMeer, bei dem jedes Wort sitzt, kein Satz zu viel ist und jeder Handlungsstrang scharf von den anderen absticht, richtig spannend. Das muss er unter anderem an der Michigan State University gelernt haben, wo VanderMeer Schreibseminare besuchte und sich im Studentenmagazin Merlin's Pen in selbstverfassten Lehrartikeln mit dem Kreativen Schreiben beschäftigte. Ein Journalismus-Studium an der University of Florida hatte er zuvor abgebrochen. Sein bislang wichtigstes Werk war „Stadt der Heiligen und Verrückten“, sein Hauptwerk, an dem er seit Anfang der 90er Jahre schrieb. Es war ständigen Änderungen und Erweiterungen unterworfen und wirkte dadurch selbst wie ein lebender Organismus. Die Kurzgeschichten, die alle in der fiktiven Stadt Ambra spielen, enthalten darüber hinaus verschiedene Geheimbotschaften, die der Leser entschlüsseln kann, wenn er sich die Mühe machen möchte. Dieser Hang zum Mysteriösen und Ungeklärten wohnt nun auch „Ausgelöscht“ inne. Band zwei, „Autorität“, wird Anfang 2015 erscheinen. Band drei, „Akzeptanz“, ist für das Frühjahr 2015 geplant. Die Leser dürfen außerdem darauf hoffen, dass andere, bislang noch nicht übersetzte Werke von Jeff VanderMeer den Weg über den großen Teich schaffen.

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