Timur Vermes

Mit seinem Buch Er ist wieder da spaltete Timur Vermes Deutschland.Timur Vermes (Jahrgang 1967) ist ein deutscher Journalist und Buchautor, dessen Roman-Satire „Er ist wieder da“ 2012 für Aufsehen sorgte. Vermes studierte in Erlangen Geschichte und Politik und arbeitete nach dem Studium als Journalist. So schrieb er unter anderem für die „Abendzeitung“ und den „Express“ in Köln. 2010 gab Timur Vermes das Buch „München für Verliebte“ heraus. In dieser Zeit betätigte er sich aber vor allem als Ghostwriter. Seit 2007 veröffentlichte er so vier Bücher. 2012 dann erschien mit „Er ist wieder da“der erste Roman unter seinem Namen, Timur Vermes. Es ist eine pechschwarze politische Satire, die dem Leser erschreckend vor Augen führt, wie leicht es einem Adolf Hitler noch heute wäre, das deutsche Volk mit seinen Ideologien zu verführen. Das Buch wurde ein voller Erfolg und in 27 Sprachen übersetzt, darunter auch ins Chinesische, Arabische und Japanische. Dafür war ein viertägiges Werkstattgespräch notwendig, in dem Timur Vermes die Übersetzer seines Buches aus aller Herren Länder traf und mit ihnen diese Hitler-typischen Formulierungen durchsprach, die sich nur ganz schwer in andere Sprachen übersetzen lassen. Vor allem aber geht es darum, das Buch so zu adaptieren, dass man auch in anderen Ländern wirklich begreift, worüber hier gelacht wird. In Deutschland hielt sich Timur Vermes‘ Roman 2013 mehrere Monate lang unantastbar auf dem ersten Platz der Spiegel-Bestsellerlisten und soll nun auch verfilmt werden. Für Timur Vermes kam der Erfolg vielleicht überraschend, doch für den Hitler in seinem Buch nicht, denn für ihn ist die eigene Fähigkeit, die Massen zu faszinieren, natürlich ganz selbstverständlich. Dass man heute über Hitler lacht, erklärt sich die Süddeutsche Zeitung in ihrem Bericht zum Bestseller folgendermaßen: „Hitler trifft auf eine Gesellschaft, die das Lachen über ihn längst als Zeichen der eigenen Aufgeklärtheit definiert hat - und wohl auch als notwendigen Schritt, um die lästige Vergangenheit zu entsorgen. Zudem scheint Konsens zu sein, dass ein Lachen, das einem im Halse stecken bleibt, das mit leichtem Gruseln oder sogar einem kleinen Schuldgefühl einhergeht, als anspruchsvoller, komplexer, vielschichtiger gilt.“ Zugleich aber warnt die Zeitung vor einer „Banalisierung des Bösen“. Doch Timur Vermes scheint seinem Publikum – im Gegensatz zu den Feuilletons der großen Zeitungen – die  Fähigkeit zuzusprechen, hinter der verharmlosten Figur seines Comedy-Hitlers, gewissenhaft und verantwortungsbewusst zu reflektieren und die Gefahr zu erkennen, die sich dahinter verbirgt. Man kann nur hoffen, dass er damit recht behält, denn so sehr die großen Zeitungen das Buch auch als „verharmlosend“ (Süddeutsche Zeitung) und „geschmacklos“ (Stern) abtun wollten, die Leser hat es nicht daran gehindert, die Bücherläden zu stürmen. Diese Kritiken kamen jedoch mehr als zögerlich und erst Monate, nachdem das Buch auf dem Markt war. Das irritierte Timur Vermes: „Ich hätte mir schon etwas früher auf die Finger geschaut“, erklärte er der „Abendzeitung München“. „Wir reden hier ja nicht von einem Krimi, mein Buch hat Hitler und das Dritte Reich zum Thema. Wenn ich da mit einer Warnung warte, bis sich so ein Werk 400.000 mal verkauft hat, kommt die Kontrolle ein bisschen spät.“ Irgendwie lag es dann letztendlich nahe, mit dem Hörbuch noch einmal eins drauf zu legen: Die Wahl fiel auf Christoph Maria Herbst, der in der Titelrolle der Serie „Stromberg“ für politisch unkorrekte Bemerkungen bekannt geworden ist. All das lässt sehr neugierig darauf werden, womit Timur Vermes sein Publikum als nächstes überraschen wird.

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