Ferdinand von Schirach

Ferdinand von Schirach schreibt auf Basis seiner juristischen Erfahrung Krimis. © Paul PonziakFerdinand von Schirach (Jahrgang 1964) ist ein durch den Erzählband „Verbrechen“ (2009) berühmt gewordener deutscher Strafverteidiger. Er studierte in Bonn Jura und absolvierte in Köln und Berlin sein Referendariat. Seit 1994 arbeitet er als Rechtsanwalt, wobei er sich auf das Strafrecht spezialisiert hat. Als Anwalt von Günter Schabowski und Klaus Kinski erwarb er den Ruf des „Promi-Anwalts“. 2009 machte er sich einen Namen als Autor des Buchs „Verbrechen“, einem Erzählband mit Kurzgeschichten, die auf Fällen aus seiner Kanzlei beruhten und sich 45 Wochen in den Bestsellerlisten des Spiegels hielten. Es wurde in viele Sprachen übersetzt und wird demnächst verfilmt. Mit „Schuld“ schaffte von Schirach 2010 eine erstklassige Fortsetzung, die nahtlos an den Erfolg des Debüts anknüpfen kann. Für den Spiegel schreibt er außerdem seit Juni 2010 die Kolumne „Einspruch“.

2013 sorgte ein weiteres Buch von Ferdinand von Schirach für viel Aufsehen: „Tabu“ hielt sich monatelang in den Bestsellerlisten und wurde von der Presse hoch gelobt. Vielen Lesern war jedoch vollkommen unverständlich, warum. Jubelte die Presse: „Wie wundervoll, so ein Buch, das aus lauter klaren Sätzen besteht, die schlank sind und klug, die nachschwingen und in ihrem Schönheitssog den Leser mitziehen“ (Der Spiegel) und „poetisch wie nie“ (Brigitte), waren viele Leser einfach nur ratlos, was von Schirach ihnen mit diesem Buch sagen wollte. Von Schirach habe die Geschichte seines Lebens geschrieben, liest man. Doch warum er sich für den Künstler Sebastian von Eschburg entschieden hat, der als Kind seinen Vater durch einen Selbstmord verloren hat und später angeklagt wird, eine junge Frau ermordet zu haben, bleibt dem Leser unklar. Ferdinand von Schirach bedient sich dann des Anwalts Konrad Biegler, der alles daran setzt, die Unschuld des Künstlers zu beweisen. All das erscheint etwas zusammengestückelt, zusammenhangslos, wahllos und etwas zu zufällig. Darüber hinaus bedient sich Ferdinand von Schirach eines kühlen, abgehackten Sprachstils, der bei weitem nicht so poetisch ist, wie man in der Presse vielfach liest.

Das mag Geschmackssache sein, veranlasst uns aber, einer Leser-Rezension bei Amazon zuzustimmen: Das kann Ferdinand von Schirach besser. Und tatsächlich: Mit seinem Essayband „Die Würde ist antastbar“ gelang es ihm, an den Erfolg von „Schuld“ anzuknüpfen und auch seine Leser zu begeistern. Von Schirach widmet sich darin den großen Themen unserer Zeit, biegt aber auch immer mal wieder launig ab, um zum Beispiel über die Literatur und das Rauchen zu philosophieren. Müssen Kinderschänder nach dem Absitzen ihrer Strafe wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden? Darf man ein Passagierflugzeug abschießen, wenn es zu einem Terroranschlag benutzt werden könnte? Und ist ein generelles Rauchverbot nicht eine Diskriminierung? Solche und ähnliche Gedankengänge prägen das Buch. Gut und Böse, Moral und Ethik, Schuld und Unschuld – sie alle stehen sich in „Die Würde ist antastbar“ von Ferdinand von Schirach gegenüber und vereinen sich zu einem überaus klugen Buch, das man auch als kurzweilige, einsichtsvolle Momentaufnahme unserer Zeit verstehen kann.

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