Alice Walker

Alice Walker, geboren 1944 im ländlichen Georgia, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin, Dichterin und politische Aktivistin. Ihr bekanntestes Werk, der Briefroman „Die Farbe Lila“ von 1983, wurde mit dem Pulitzer-Preis und dem American Book Award ausgezeichnet. Die Verfilmung durch Steven Spielberg mit Whoopie Goldberg und Oprah Winfrey wurde für elf Oscars nominiert. Wegen seiner expliziten Darstellung von Gewalt gab es in den vergangenen Jahrzehnten häufig Diskussionen über eine mögliche Zensur und über die Verbannung des Buchs vom Schulunterricht.

Alice Walker ist die jüngste Tochter von armen Landarbeitern in Georgia, im tiefen Süden der USA. Gemeinsam mit sieben Geschwistern verbrachte sie ihre Kindheit in der ländlichen Region, in der auch einige Jahrzehnte nach dem Ende der Sklaverei noch eine rigorose Rassentrennung herrschte. Als Kind erblindete Alice Walker auf einem Auge. Da sie deswegen von anderen Kindern aufgezogen wurde, zog sie sich zurück und verbrachte viele Stunden alleine mit Büchern. So begann sie früh, erste Geschichten und Gedichte zu schreiben. Ihr Leben veränderte sich drastisch als sie mit Vierzehn durch eine Augen-OP ihr Augenlicht zurückerlangte. Sie wurde extrovertierter, nahm aktiv am Schulleben teil und war am Ende nicht nur Klassenbeste sondern wurde auch zur beliebtesten Schülerin des Jahrgangs gewählt. Ihre guten Noten bescherten ihr ein Stipendium für den Besuch eines Colleges für afroamerikanische Mädchen in Atlanta. Nach zwei Jahren wechselte sie zum Sarah Lawrence College in New York, wo sie 1965 ihren Abschluss in Geisteswissenschaften machte.

Während ihrer Kindheit, Jugend und Studienzeit wurde Alice Walker immer wieder mit offenem Rassismus konfrontiert. Das Unrecht der rassistischen Gesetze der Jim-Crow-Ära, die bis 1964 die Segregation von Schwarz und Weiß regelten, führte bei Alice Walker zu einem ausgeprägten politischen Bewusstsein. Sie engagierte sich in der Bürgerrechtsbewegung und nahm 1963 am „Marsch auf Washington“ teil, wo sie Zeugin der berühmten „I Have a Dream“-Rede von Dr. Martin Luther King Jr. wurde. 1967 heiratete sie den jüdischen Bürgerrechtsanwalt Melvyn Leventhal, mit dem sie nach Mississippi zog, um sich als Sozialarbeiterin für benachteiligte Kinder und Sozialhilfeempfänger einzusetzen. Das Ehepaar war das erste „gemischtrassige“ Paar, das in Mississippi getraut wurde; ein Umstand, der zu vielen Anfeindungen und Drohungen seitens der weißen Bevölkerung, u.a. dem Ku Klux Klan, führte. Bald zog es das Ehepaar mit ihrer kleinen Tochter Rebecca zurück nach New York, wo Alice Walker als Redakteurin beim „Ms. Magazine“ arbeitete. Zeitgleich veröffentlichte sie ihre ersten Gedichtbände und Romane. 1976 wurde die Ehe geschieden und Alice Walker zog nach San Francisco, wo sie noch heute lebt. Bis heute engagiert sie sich für verschiedene politische Belange, nimmt an Demonstrationen und Protestmärschen teil und setzt sich gegen Krieg, Armut, Rassismus, Sexismus und Ungerechtigkeit ein.

Alice Walkers politischer Aktivismus in der Bürgerrechtsbewegung und später in der Frauenbewegung hat einen enormen Einfluss auf ihr literarisches Schaffen. Von 1968 bis 2011 veröffentlichte sie dutzende Gedichtbände, Sachbücher, Romane und Erzählbände. In ihren Büchern verarbeitet sie ihre Eindrücke als Aktivistin, Frauenrechtlerin und Afroamerikanerin. Ihr erster Roman „Das Dritte Leben des Grange Copeland“ wurde 1970 veröffentlicht und handelt von einer armen Landarbeiterfamilie in Georgia. Das Buch beschreibt die schlechten Bedingungen unter denen schwarze Arbeiter von weißen Plantagenbesitzern ausgebeutet werden. Zugleich ist es ein schmerzhaftes Porträt über die Gewalt, die in der schwarzen Community ausbricht, unter der vor allen Dingen Frauen und Kinder zu leiden haben. In ihrem zweiten Roman, „Meridian“ von 1976, verarbeitet Alice Walker ihre Erfahrungen in der Bürgerrechtsbewegung. Die Protagonistin Meridian ist eine junge Studentin, die sich für die Gleichberechtigung der Schwarzen einsetzt und eine Beziehung mit einem Mitaktivisten eingeht. Wie man sieht, beeinflussen sowohl Alice Walkers eigene Biografie als auch ihre politischen Überzeugungen ihr Oeuvre.

Der Briefroman „Die Farbe Lila“, der 1983 veröffentlicht wurde, ist Alice Walkers bisher erfolgreichstes Werk. In Briefen an Gott und ihre Schwester klagt die Protagonistin Celie über ein Leben in Angst und Verzweiflung. Angst – vor dem Vater, der sie sexuell missbraucht. Verzweiflung – als ihre beiden Kinder direkt nach der Geburt verschwinden, damit niemand vom Inzest erfährt. Später wird Celie an den verwitweten und namenlosen „Mr.“ verkauft, der eher eine Haushaltshilfe und Kinderfrau benötigt als eine Ehefrau. Häusliche Gewalt und psychischer Terror sind auch in ihrem neuen Heim allgegenwärtig. Doch alles soll sich ändern als die Geliebte des Ehemanns einzieht. Sie ist Blues-Sängerin mit künstlerischem Freigeist. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine intime Freundschaft, die sich als zentraler Motor des Romans entpuppt. Endlich erhält Celie die Unterstützung, die sie braucht, um sich ihrer Selbst bewusst zu werden und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Ob der grausamen Gewalt, die der Roman schonungslos wiedergibt, erweckt das Lesen des Romans zunächst ein flaues Gefühl im Magen. Doch letzten Endes ist dieser Klassiker der Frauenliteratur ein Tribut an die Kraft von Freundschaft, Liebe und Mut. Am Ende obsiegt die Willensstärke einer einzelnen Frau entgegen aller Hürden, die ihr das Leben in den Weg stellt.

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