Martin Walser

Martin Johannes Walser (Jahrgang 1927) gilt als einer der großen deutschen Schriftsteller der Gegenwart. Den Zweiten Weltkrieg erlebte Walser beim Reichsarbeitsdienst und als Soldat der Wehrmacht. Anschließend studierte er in Regensburg und Tübingen Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie. Schon während des Studiums war Walser als Reporter für den Süddeutschen Rundfunk tätig und dort eines der Kernmitglieder der sogenannten „Genietruppe“ . Seit 1953 war er als Autor auch regelmäßiger Gast auf den Tagungen der Schriftstellervereinigung Gruppe 47. Sein erster Roman erschien 1957 unter dem Titel „Ehen in Philippsburg“ und wurde sofort ein großer Erfolg. In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte Walser eine Vielzahl von Romanen, Aufsätzen, Dramen und Tagebüchern und engagierte sich auch immer wieder politisch. Wie viele andere Linksintellektuelle – darunter auch Günther Grass – unterstützte Walser die Wahl von Willy Brand zum Bundeskanzler und setzte sich für ein Ende des Vietnamkrieges ein. In den 1960er und 1970er Jahren galt Martin Walser als Sympathisant der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), gehörte ihr aber niemals an. Bekannt wurde seine Reihe „Reden über das eigene Land“, in der er deutlich machte, wie sehr ihn die deutsche Teilung schmerzte. Auch in seiner Erzählung „Dorle und der Wolf“ greift Martin Walser das Thema der Teilung Deutschlands auf.

Er galt vielen als „Chronist des Bürgertums“. Deutlich wird dies in Büchern wie „Tod eines Kritikers“, einer höchst kontrovers diskutierten Satire auf den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Walser macht Reich-Ranicki darin zum Symbol einer unredlichen Kulturszene und dafür wurde postwendend als Antisemit bezeichnet. Auch seine Rede in der Frankfurter Paulskirche, anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1998, erregte die Gemüter. Darin sprach sich Walser dagegen aus, den Holocaust zu instrumentalisieren, um den Deutschen ein anhaltendes Gefühl von Schande zu vermitteln. Wiederkehrendes Motiv der Romane von Martin Walser ist das Scheitern seiner Helden am Leben, an den eigenen und fremden Anforderungen. Die Kämpfe werden dabei nicht auf der Bühne des Lebens ausgetragen, sondern sie brodeln im Inneren des Helden. Damit wird Martin Walser zu einem typischen Vertreter der deutschen Nachkriegsliteratur. Auch Heinrich Böll und Siegfried Lenz wählten diesen Stil, um der inneren Zerrissenheit der Figuren Ausdruck verleihen zu können.

Das Scheitern ist auch das große Thema in Walsers wohl erfolgreichstem Werk „Ein fliehendes Pferd“ (1978), in dem der Studienrat Halm am Druck der Leistungsgesellschaft zu zerbrechen droht. Und in „Ein liebender Mann“ lässt Walser Goethe an seiner Liebe zu Ulrike von Levetzow ebenfalls scheitern. Scheiternde Liebe ist das wiederkehrende Motiv. In „Das dreizehnte Kapitel“ (2012) greift Martin Walser das Element des Briefromans aus der Romantik wieder auf und lässt einen innigen Briefwechsel zwischen einem Schriftsteller und einer Theologin entstehen. Beide sind vermeintlich glücklich verheiratet, doch in dieser aussichtslosen Hingabe, die nur auf dem Papier besteht, finden sie Erfüllung. Doch die Unmöglichkeit dieser Liebe holt sie irgendwann ein und stürzt ihrer beider Leben in Abgründe. Der Künstler Dieter Meier schreibt über die Texte von Martin Walser entzückt: "Seine Poesie schwebt über der Realität, ist wie Musik, eine eigene Welt. Seine Sätze sind hingetupft, sein Duktus ist der des Zweiflers, der sein Schreiben als Ganz durch seine Tage betreibt und dabei als Ausdruck seines Lebens eine Fußspur hinterlässt."

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Die Tagebücher von Martin Walser wurden unter dem Titel "Schreiben und Leben: Tagebücher 1979-1981" veröffentlicht.

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