Götz W. Werner

Götz W. Werner hat mit seinem neuen Managementstil dm zum Erfolg geführt. (c) dm Drogerie MarktGötz W. Werner (Jahrgang 1944) ist der Gründer der Drogeriemarktkette „dm“, der sich gern selbst überraschend bescheiden als „Zahnpasta-Verkäufer“ bezeichnet. Doch Werner ist auch das, was er selbst einen „Realträumer“ nennt: ein Mann mit Visionen, Ideen und Moral – Dinge, die sich vereinbaren lassen, wenn man, wie Werner, davon überzeugt ist, dass Integrität zum Erfolg führt. Götz W. Werner lebt mit „dm“ den Traum eines Unternehmens, das auf das Gemeinwohl ausgerichtet ist. Und fährt gut damit: Heute hat „dm“ 50.000 Mitarbeiter und ist ein Beispiel dafür, dass es nicht allein Profit-Denken ist, das ein Unternehmen zum Erfolg führen kann. Im Mittelpunkt der Arbeit von Werner steht stattdessen immer das ganzheitliche unternehmerische und soziale Denken. Im Einzelnen heißt das: Respekt vor der Individualität der Mitarbeiter und vor dem regionalen Umfeld der Märkte.

Dieser Respekt drückt sich auch im außerbetrieblichen Engagement Werners aus: Er ist ein ruheloser Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens. In seinem Buch „1.000 Euro für jeden“ beschreibt er, unterstützt von Adrienne Goehler, wie das bahnbrechende ökonomische Konzept umgesetzt werden kann. Für Götz W. Werner ist das bedingungslose Grundeinkommen der einzige Weg, um dem grundlegenden Wandel von Leben und Arbeit zu begegnen und die Menschen von ihrer Existenzangst zu befreien. Er ist überzeugt davon, dass es Sicherheit und Freiraum für Kreativität und Eigeninitiative schaffen würde, wenn jeder ein Grundeinkommen von 1.000 Euro erhielte. Sein Ansatz gibt der Arbeit ihren Sinn und den Menschen ihre Würde zurück. Es sind solche Ideen der modernen Unternehmensethik, für die Götz W. Werner bekannt ist und die er schon pflegte, lange bevor moderne Managementmethoden en vogue waren.  

Das ist das Geheimnis seines Erfolgs und die „dm“-Märkte sind gelebte Beweise dafür, dass das Konzept der dialogischen Unternehmensführung aufgeht. Konkret heißt das: Hierarchien werden abgebaut und Mitarbeiter handeln weitgehend eigenverantwortlich. Werner setzt auf Vertrauen und Wertschätzung, statt auf Kontrolle und Strafe. Wie richtig der von ihm eingeschlagene Weg ist, zeigte zuletzt das Scheitern des Konkurrenten Schlecker. Für Werner ist das Unternehmen als „kreatives Feld“ zu verstehen, in das Mitarbeiter Ideen und Eigenengagement einbringen können. Das beginnt schon bei der Ausbildung der sogenannten „Lernlinge“, die im Sinne einer Positiven Pädagogik ihre Persönlichkeit entwickeln und dann einen erfüllten Arbeitsplatz erfahren sollen. Dazu gehören neben den normalen Ausbildungsinhalten auch Theaterkurse und kulturelle Weiterbildungen.

All das und noch viel mehr erfahren interessierte Lehrer in Werners Autobiografie „Womit ich nie gerechnet habe“, die er 40 Jahre nach der Eröffnung des ersten „dm“-Marktes und anlässlich seines 70. Geburtstags veröffentlichte. Darin erzählt der Milliardär viele kleine Anekdoten und Situationen aus seinem Leben und erlaubt es uns, ihm im Verlauf seiner Karriere immer wieder über die Schulter zu blicken. Das macht auch deshalb Spaß, weil Götz W. Werner eine sehr ehrliche, glaubwürdige, flüssige Art zu schreiben hat, die sich sehr einfach wegliest, ohne dabei oberflächlich oder beliebig zu sein. Was Götz W. Werner schreibt, kommt von Herzen. Das glaubt man ihm. Nur so funktioniert auch die Geschichte vom Sitzenbleiber und Schulabbrecher, der über den ruderbegeisterten Zahnpasta-Verkäufer zum Milliardär wurde. Die Rückschläge und Niederlagen, die Götz W. Werner dabei erfuhr, nutzte er stets als Anlass sich selbst zu hinterfragen und einen neuen Kurs einzuschlagen. Radikales Umdenken und konsequentes Handeln sind das Erfolgsrezept des erfolgreichen Managers, der inzwischen von der Geschäftsführung in den Aufsichtsrat von „dm“ gewechselt ist. Doch vieles davon muss er im Blut gehabt haben: Werner entstammt einer Drogistenfamilie in dritter Generation und absolvierte folgerichtig selbst eine Drogistenlehre. 1968 trat er in das elterliche Drogeriegeschäft in Heidelberg ein, wechselte aber kurz darauf zur Karlsruher Großdrogerie Idro der Firma Carl Roth. Für deren Reorganisation des Vertriebs schlug er die Einführung des Discounter-Prinzips vor, fand damit aber keinen Anklang. Für Werner Grund genug, das Unternehmen zu verlassen und sich selbstständig zu machen. 1973 gründete er so den ersten Drogeriemarkt „dm“ in Karlsruhe.

Solche und andere Geschichten aus dem Leben von Götz W. Werner machen sein Buch „Womit ich nie gerechnet habe“ zur Pflichtlektüre für alle, die in Unternehmen tätig sind und für Manager und Führungskräfte, die nach einer Quelle der Inspiration suchen. Werner zeigt, dass Karriere und Effizienz nicht alles sind, lockt die Führungskräfte aus ihrer Ich-Bezogenheit und rückt die Mitarbeiter in den Fokus. Hier sehen wir: Auch mit einem positiven Menschenbild, das nicht ausnutzt und manipuliert, lässt sich sehr gut wirtschaften. Interessant ist das Buch aber auch für alle, die mit Drogeriemärkten und Führungsstilen sonst recht wenig am Hut haben und nur für den gelegentlichen Kosmetik-Kauf bei „dm“ reinschauen. Sie sehen so, wessen Ziele sie mit ihren Einkäufen unterstützen. Und wer könnte da „Nein“ sagen, wenn Werner „dm“ inzwischen in eine Stiftung überführt hat, die nachhaltigen Zielen verpflichtet ist und ihre Überschüsse in Kulturprojekte investiert? Und das Beste daran: Man glaubt Götz W. Werner jedes Wort davon, denn „dm“ ist dieser wahrgewordene Traum von Unternehmensethik.

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