Irina Werning

Irina Werning hat eine besondere Schwäche für alte Fotos. Wenn sie bei anderen Menschen zu Besuch ist, schaut sich die argentinische Künstlerin zuerst nach alten Aufnahmen um, die eingefangen haben, was für ein Kind dieser Erwachsene einst war. Ihre Begeisterung geht sogar soweit, dass sie berühmt damit wurde, Kinderfotos mit den erwachsen gewordenen Protagonisten nachzustellen. Und zwar eins zu eins und mit einer Liebe zum Detail, die jede Aufnahme zu einem eigenständigen Kunstwerk macht. So entstand der Bildband „Back to the Future“, in dem Irina Werning alte Kinderfotos neben die mit großer Hingabe und Sorgfalt nachgestellten Fotos der Erwachsenen setzt.

Da liegt ein erwachsener Mann auf einer Babydecke und ahmt eine Pose nach, die er zuletzt vor 42 Jahren als fröhlicher Säugling für die Kamera eingenommen hat. Da sitzt ein lachendes Mädchen in einem Wäschekorb und daneben sehen wir die Frau, zu der dieses Mädchen geworden ist, in der gleichen Pose. Ein Mann post in einer bunten Badehose auf einem Alstersteg in Hamburg und lässt damit einen Moment wiederauferstehen, der bereits 30 Jahre in der Vergangenheit liegt. Hinter jedem einzelnen Bild steckt ein unfassbarer Aufwand: So hat Irina Werning Licht und Schatten genau analysiert, versucht, die Tageszeit zu treffen, falls möglich die gleiche Location aufgesucht, nach alter Kleidung fahndet, Frisuren kopiert und Gesichtsausdrücke bis zur Perfektion nachstellen lassen. Hat sich im Originalfoto eine Haarsträhne verirrt, tut sie das auch auf dem Foto von Irina Werning. Hat der Schnappschuss von einst rote Augen, fehlt auch dieses Detail in den Bildern in „Back to the Future“ nicht.

Bekannt wurden die Bilder der in Buenos Aires geborenen Künstlerin in Deutschland zuerst durch eine Plakatkampagne der Deutschen Bahn. Zwei Motive aus ihrem Bildband zierten Plakatflächen in ganz Deutschland. Im Mai 2014 erschien dann das Buch im Verlag teNeues. Irina Werning hat an der Universidad de San Andres in ihrer Heimatstadt Economics studiert und ihren Master-Abschluss in Geschichte gemacht. Es folgte ein Studium an der Westminster University in London, wo sie Photographic Journalism belegte. Seitdem wurde Werning für ihre Arbeit immer wieder mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet.

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