Christine Westermann

Christine Westermann kennt sich mit 'lesbarer Literatur' aus. © Bettina Fürst-FastréNormalerweise ist es Christine Westermann (Jahrgang 1948), die auf WDR2 Buchtipps gibt und die von ihr sogenannte „lesbare Literatur“ empfiehlt. 2014 aber drehte sie den Spieß um und veröffentlichte selbst ein Buch. „Da geht noch was“ ist Westermanns persönliche Auseinandersetzung mit dem Älterwerden, mit der Frage „Wo will ich noch hin mit meinem Leben? Wo will das Leben noch mit mir hin?“ Natürlich kann eine angesehene Buchkritikerin – auch wenn sie das Wort „Kritikerin“ im Interview mit der „Zeit“ weit von sich schob – kein Buch veröffentlichen, ohne dass sich die anderen Kritiker darauf stürzen. Und das nicht immer sanft. Barbara Möller von der Zeitung „Die Welt“ nennt es ein „höchst überflüssiges“ Buch, das nur deshalb in die Ränge der Bestseller aufgestiegen sei, weil es eben von der "Zimmer frei!"-Westermann geschrieben worden und weil gerade kein schreibender Schauspieler in der Nähe gewesen sei. Auch Moritz von Uslar geht nicht sehr gnädig mit Christine Westermann ins Gericht, kritisiert sie in der „Zeit“ aber vor allem als oberflächliche Buchautorin und wenig intellektuelle Buchempfehlerin. Er spricht ihr aber gleichzeitig zu, „die Bestsellermacherin der Nation“ zu sein, eine Kritikerin mit Wirkung, die Auflage machen könne. Das gilt nicht nur für fremde Bücher: Auch ihr eigenes machte Auflage und wurde zum Bestseller.

Barbara Möller beendet ihre Kritik mit den Worten: „Und vermutlich wird sie die Welt bis dahin [bis sie 68 ist] mit weiteren völlig überflüssigen Sammelsurium-Büchern beglücken. In der festen Überzeugung, dass es irgendwo da draußen Menschen gibt, die sich dafür interessieren, warum Christine Westermann mit dem Meditieren angefangen hat. Oder warum sie im Urlaub Steine sammelt.“ Jetzt kann man sich natürlich fragen, warum wir uns dafür entschieden haben, „Da geht noch was“ von Christine Westermann als Buchtipp auf literaturtipps.de aufzunehmen. Da liegt ganz einfach daran, dass es Menschen gibt, die sich dafür interessieren, weil sie sich von Christine Westermann verstanden fühlen. Westermann kann das. Sie macht es seit Jahr und Tag in ihrer Talkshow „Zimmer frei!“. Ihre Gäste fühlen sich bei ihr verstanden. Auch und vielleicht gerade weil Christine Westermann ein „unendlich trauriges und zugleich freundliches Gesicht“ machen kann, wie Moritz von Uslar ihr in der „Zeit“ attestiert. Und weil sie nicht die ganze Zeit lächelt, lacht und grinst, sondern oft ein ernstes, abwartendes Gesicht macht, sich überraschen und erstaunen lässt. Sie sei eben mehr „Herz als Hirn“, sagte sie selbst im Interview mit Herrn von Uslar.

Doch das muss nichts schlechtes sein. Vor allem dann nicht, wenn man Menschen in einer schwierigen Lebensphase suggerieren möchte, dass sie nicht alleine sind, dass es andere Menschen gibt, die das Gleiche durchmachen und die einem Kraft geben können. Und nichts anderes tut „Da geht noch was: Mit 65 in die Kurve“ von Christine Westermann. Auf eine sehr sympathische Weise. Da kann man über Floskeln hinweg sehen und auch pseudopsychologische Ansätze einfach passieren lassen, ohne sich daran aufzuhängen. Christine Westermann wollte keinen Ratgeber schreiben und das hat sie nicht. Und sie wollte auch keine große Literatur schreiben. Das hat sie ebenfalls nicht. Sie hat ein ehrliches Buch geschrieben und damit viele Menschen offen und ehrlich erreicht. Das ist Fakt und das macht sie für uns zum Buchtipp. Eine Empfehlung aber gibt Christine Westermann ihren Lesern dann aber doch noch mit auf den Weg und auch die wollen wir ebenfalls nicht verschweigen: „Leben. Nicht warten, dass sich eine Richtung auftut. Einfach leben."

Unsere Buchtipps - Diese Bücher von Christine Westermann empfehlen wir Ihnen:

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