Guido Westerwelle

Guido Westerwelle nach der Veröffentlichung seines Buches. © Gene GloverGuido Westerwelle (Jahrgang 1961) war ein deutscher Spitzenpolitiker, der von 2001bis 2011 Bundesvorsitzender der FDP und von 2009 bis 2013 Außenminister im Kabinett Merkel II. war. Als die FDP 2013 an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und aus dem Bundestag ausschied, verlor auch Westerwelle seine Position. In der Folge gründete er die gemeinnützige Westerwelle Foundation, eine Stiftung für internationale Verständigung. 2014 wurde bekannt, dass Guido Westerwelle an akuter Leukämie erkrankt war. Nach einer Chemotherapie und einer Knochenmarktransplantation wurde er im November 2014 aus dem Krankenhaus entlassen. Über den Kampf um das Überleben veröffentlichte er 2015 ein Buch mit dem sehr treffenden Titel „Zwischen zwei Leben – Von Liebe, Tod und Zuversicht“, das in Zusammenarbeit mit Dominik Wichmann entstanden ist. Darin spricht er nicht nur offen über die schwärzesten Stunden seines Lebens, sondern auch über seine Kindheit im Rheinland, die Faszination, die die Politik zeitlebens auf ihn ausübte und über seine große Liebe zu seinem Lebenspartner Michael Mronz, dem er das Buch gewidmet hat und mit dem er seit 2010 verheiratet ist.

Der Werdegang von Guido Westerwelle

Guido Westerwelle stammt aus Bad Honnef am südlichen Rand von Nordrhein-Westfalen. Nach der Mittleren Reife an der Freiherr-vom-Stein-Realschule in Bonn wechselte er 1978 ans Gymnasium und machte hier 1980 sein Abitur. Im gleichen Jahr noch trat er in die Freie Demokratische Partei (FDP) ein. Er ging als einer der Mitbegründer der Jungen Liberalen in die Parteigeschichte ein. Vom Wehrdienst wurde Westerwelle wegen seiner gleichgeschlechtlichen Orientierung ausgemustert. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität von Bonn, legte nach einem Referendariat am Amts- und Landgericht Bonn 1991 das Zweite Staatsexamen ab und wurde noch im gleichen Jahr als Rechtsanwalt zugelassen. 1994 folgte seine Promotion an der Fernuniversität Hagen. Zu dieser Zeit war er bereits seit drei Jahren Mitglied des FDP-Bundesvorstandes, bevor er 1994 Generalsekretär der FDP wurde. Damals arbeitete Guido Westerwelle maßgeblich an der Neuformulierung des aktuellen Parteiprogramms, den sogenannten Wiesbadener Grundsätzen, mit. 1996 zog Westerwelle erstmals in den Bundestag ein, damals als Nachrücker für den ausgeschiedenen Abgeordneten Heinz Lanfermann. 2005 wurde er mit 48 von 49 abgegebenen Stimmen zum FDP-Kandidaten des Wahlkreises Bonn gewählt. Im gleichen Jahr wurde er Vorsitzender der Bundestagsfraktion der FDP, ein Amt, das er von 2006 bis 2009 innehatte.

Am 04. Mai 2001 wurde Guido Westerwelle auf dem Bundesparteitag der FDP zum bis dahin jüngsten Bundesvorsitzenden der FDP gewählt. Unter ihm etablierte sich die Partei als „unabhängige Alternative zu CDU/CSU und Rot-Grün“, wobei der Schwerpunkt deutlich auf der Bildungs- und Wirtschaftspolitik lag. 2002 kandidierte Westerwelle als erster FDP-Politiker für die Kanzlerschaft. Zwar unterlag er Gerhard Schröder, ein Jahr später wurde er jedoch mit überragender Mehrheit als Parteivorsitzender  bestätigt, ebenso 2009. In jenem Jahr erreichte die FDP mit 14,6 Prozent der Stimmen ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl und wurde schließlich Koalitionspartner der CDU im Kabinett Merkel II. Guido Westerwelle wurde Bundesaußenminister und damit Vizekanzler von Angela Merkel. Nachdem die Partei 2011 bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg massiv an Stimmen verloren hatte und er mit seiner Position über die Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrates, die eine militärische Beteiligung Deutschlands in Libyen ausschloss, sowohl inner- als auch überparteilich unter Druck geriet, kandidierte er 2011 kein weiteres Mal für das Amt des Parteivorsitzenden. Sein Nachfolger wurde Philipp Rösler. Im Amt des Außenministers folgte ihm Frank-Walter Steinmeier, der den von Westerwelle eingeschlagenen nicht-militärischen Kurs bestätigte und weiterverfolgte.

Die Erkrankung von Gudio Westerwelle

Nur zwei Wochen, nachdem Guido Westerwelle aus dem Amt geschieden war, erhielt er im Rahmen einer Behandlung am Knie die Schock-Diagnose akute Leukämie. Gleich am ersten Tag im Krankenhaus begann er mit dem Schreiben, erzählte er am 12. November 2015 bei Markus Lanz, nachdem das Buch „Zwischen zwei Leben“ erschienen war. Dieses Aufschreiben habe ihm selber Kraft gegeben, war aber zugleich auch eine Möglichkeit für ihn, etwas zurückzugeben, an die vielen Menschen, die ihn unterstützt hätten. „Mir ist so viel Mut zugesprochen worden von Menschen, die ich nie vorher kannte, und von Weggefährten, auch von Konkurrenten, und da möchte ich ein Stückchen auch zurückgeben. Und ich weiß, dass es kein Buch geworden ist, das Krankheit und Tod in den Vordergrund stellt – sondern das Leben.“ Es habe Momente gegeben, in denen er glaubte, dass er sterben würde, doch sein Lebenspartner und seine Familie hätten ihm Kraft gegeben. Seine Botschaft: „Niemand kann sagen, ob man es packt, […] aber ich kann nur an alle appellieren, niemals aufzugeben.“

Dies ist auch die Botschaft seines Buches, das zu einem der meistdiskutierten Bücher im Herbst 2015 gehörte. Bei vielen TV-Auftritten erfuhr Guido Westerwelle Zuwendung und Unterstützung aus dem Publikum – Augenblicke, die ihn, wie zum Beispiel bei Markus Lanz, zu Tränen rührten. Seine Offenheit und Ehrlichkeit zu diesem doch sehr privaten Thema ist unter deutschen Spitzenpolitikern bislang einzigartig und hat eine große Welle der Anteilnahme ausgelöst und das Buch zum Bestseller gemacht.

Guido Westerwelle verstarb am 18. März 2016.

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