Thomas Wolfe

„Da ist Thomas Wolfe, ein Junge von, ich glaube, dreißig Jahren, dessen einziger Roman „Look Homeward, Angel!“ an die Seite unserer besten Literaturwerke gestellt werden kann, eine kolossalische Schöpfung von tiefer Lebenslust.“ So sprach 1930 der Nobelpreisgewinner Sinclair Lewis von seinem jungen Schriftstellerkollegen Thomas Wolfe (Jahrgang 1900). Wolfe studierte an der University of North Carolina at Chapel Hill, versuchte sich danach als Schauspieler und unterrichtete an der Harvard University amerikanische Literatur. Nach seinem ersten Roman, „Schau heimwärts, Engel“ (1929), widmete er sich dann ganz dem Schreiben und veröffentlichte 16 weitere Romane. „Of Time and River“ wurde sein einziger Bestseller in Amerika. Drei von ihnen wurden in den 60er und 70er Jahren verfilmt. Selbst Schriftstellergrößen, wie Hermann Hesse und William Faulkner, zeugten Wolfe größten Respekt für seine Werke und nannten ihn in einem Atemzug mit seinen berühmten Zeitgenossen F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway. Damit stieg Thomas Wolfe schon sehr früh in den Olymp der wichtigsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts auf. Nicht zu früh für ihn jedoch, wie sich bald zeigen sollte: Im Alter von nur 38 Jahren verstarb Wolfe in Baltimore an Tuberkulose. 2009 wurde sein Erstling neu übersetzt, um dieses „packende Sittengemälde Amerikas“ (PLAYBOY) auch einer neuen Generation zugänglich zu machen. Auch sein Bericht vom „Oktoberfest“ erfuhr 2010 eine Neuauflage: Wolfe schildert darin die zunächst befremdliche Erfahrung, die er schließlich als eine der schönsten seines Lebens in Erinnerung behalten sollte. Eines seiner besten Werke aber wurde erst nach dem Tod von Thomas Wolfe überhaupt entdeckt. „Die Party bei den Jacks“ stammt aus dem Nachlass des Schriftstellers und zeigt: „Er wäre ein ganz Großer geworden“ (FAZ). Angesiedelt ist die Gesellschaftssatire in die Zeit kurz vor dem Börsencrash, in den Roaring Twenties. Es ist ein schöner Tag im Frühjahr 1928, an dem in der Wohnung der Jacks in dem imposanten Apartmenthaus an der Park Avenue zusammenkommt, was in New York Rang und Namen hat: Bankiers und Theaterleute, Kritiker, Debütantinnen, Zyniker, Übersättigte, Gierige, Ehebrecher, Geliebte und Unterhaltungskünstler. Sie alle wollen sich hier zu einem letzten rauschenden Fest vor dem drohenden Zusammenbruch treffen und das Leben noch einmal in vollen Zügen genießen. Einmal mehr stellt Thomas Wolfe in „Die Party bei den Jacks“ unter Beweis, dass er ein exzellenter Beobachter und Chronist seiner Zeit war. Als das Manuskript 1995 aus seinem Nachlass gefischt wurde, war es leider unvollendet und harrte noch seiner Bearbeitung. Dass diese nie erfolgte, ist eine der Tragödien der Literaturgeschichte. Denn schon jetzt ist „Die Party bei den Jacks“ von Thomas Wolfe ein sehr guter Roman, der hätte großartig werden können, wenn der Schriftsteller länger gelebt hätte.

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