Katja Wüstenhöfer

Katja Wüstenhöfer schreibt sehr berührende Gedichte. Katja Wüstenhöfer (Jahrgang 1968) ist eine wahre Wortakrobatin, die sich nicht scheut, Worte aus ihrem gewohnten Kontext zu reißen und ihnen in einem neuen Raum eine andere, tiefergehende Bedeutung zu verleihen. Wüstenhöfer spielt mit Worten, als wäre es das leichteste der Welt; sie jongliert sie durch die Finger, dreht sie, betrachtet sie von allen Seiten, kombiniert sie neu und wagt sogar mutig neue Schöpfungen. In ihren Gedichten sind die Worte getränkt in Liebe, Leidenschaft, Sehnsucht, Schmerz und Trauer, aber auch in Glück und haltlose Freude. Kein Gefühl ist Wüstenhöfer fremd – und auch der Leser findet sich in ihren Texten immer wieder, wenn er bereit ist, sich auf ihr Debüt, den Gedichtband „Meine Stille ist laut“, einzulassen. Ihr Stil ist minimalistisch, sie reimt nicht, verzichtet gerne auf Satzzeichen und zwängt ihre Gedichte nie in ein Korsett, das ihnen nicht passt. Die äußere Form ist Mittel zum Zweck, der Inhalt ist, was zählt. In ihren Gedichten setzt sich Katja Wüstenhöfer mit den ureigensten Wünschen und Fehlern auseinander. Die Wahl des Titels ist denn auch nicht unbegründet: Ihre Gedichte sind ein Rückzug in sich selbst, ein Hineinhorchen, ein Besinnen. Das, was sie dort in sich gefunden hat - Zärtlichkeit, Sehnsucht und Hingabe, die sich schnell auch ins Gegenteil verkehren und eine zerstörerische Kraft entfalten können  - hat sie in Worte verwandelt, die noch lange tief im Leser nachklingen. Katja Wüstenhöfer lädt zum Innehalten ein, erlaubt dem Leser, alles andere hinten an zu stellen und sich nur dem zu widmen, was in ihm ist. Deshalb ist es auch kaum zu glauben, dass „Meine Stille ist laut“ der erste Gedichtband von Katja Wüstenhöfer ist. Seit mehr als 20 Jahren liest sie, die Germanistik und Geschichtswissenschaft studiert hat, ihre Lyrik und Prosa vor. Seit 1996 ist sie Stammgast des Poetry Slams im Hamburger Literaturhaus. Doch es dauerte bis 2013, bis Katja Wüstenhöfer ihre Gedichte endlich in gedruckter Form veröffentlichen konnte. Für Freunde von spielerisch leichten Wortschöpfungen und emotionalen Satzknoten ist das ein enormer Gewinn.

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