Jean Ziegler

Jean Ziegler ist berühmt für seine klaren Worte der Globalisierungskritik. © C. Bertelsmann VerlagJean Ziegler (Jahrgang 1934) ist ein international bekannter Globalisierungskritiker, eine starke Stimme gegen Machtmissbrauch und die heutige Weltordnung, das „helvetische enfant terrible“ (ZDF, Blaues Sofa). Geprägt durch seine Freundschaft zu Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir in jungen Jahren und die zwei Jahre, die Ziegler in Afrika verbrachte, entwickelte der Soziologieprofessor aus Thun in der Schweiz eine stete Kritik am westlichen Wirtschaftssystem, an Korruption und Unterdrückung. Wann immer es darum geht, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, scheut sich Jean Ziegler nicht davor, sich auch mit den Mächtigsten anzulegen und seine Meinung offen kund zu tun. Bis 1999 saß Ziegler als Genfer Abgeordneter im Nationalrat der Schweiz und vertrat dort die Sozialdemokratische Partei.

Doch auch im Anschluss konnte und wollte er sich aus der großen Politik nicht zurückziehen. Er ging sogar noch einen Schritt weiter: Von 2000 bis 2008 war er UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, arbeitete hier zunächst für die Menschenrechtskommission und dann für den Menschenrechtsrat, engagierte sich in der UN-Task Force für humanitäre Hilfe im Irak und ließ sich 2008 in den Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats der UN wählen. Nach vier Jahren in diesem Gremium folgte dann 2013 die Wiederwahl. Zu diesem Zeitpunkt war Jean Ziegler bereits 79 Jahre alt, doch – wie es in der Sendung „Das!“ im NDR so schön hieß – er hatte noch immer nicht „die Hoffnung und den Glauben daran verloren hat, dass die Welt sich ändern lässt."

Dieser Wunsch kommt auch in den Sachbüchern und Romanen zum Ausdruck, die Jean Ziegler nach wie vor regelmäßig veröffentlicht. Sein erstes Buch erschien bereits Ende der 70er Jahre und trug den Titel „Eine Schweiz, über jeden Verdacht erhaben“, in dem er mit der Finanzelite seines Landes äußerst kritisch ins Gericht ging. Seine Untersuchungen zum Einfluss der Finanzwelt auf die Schweizer Innen- und Außenpolitik waren mehr als beunruhigend. Seine Bücher „Das Schweizer Imperium“ und „Die Schweiz wäscht weißer“ schlagen in eine ähnliche Richtung und sind unbequem zu lesen, aber gerade deshalb so wichtig. Berüchtigt für seine Kompromisslosigkeit scheut sich Jean Ziegler nicht, das auszusprechen, was Tatsache ist und doch weh tut.

Titel wie „Der Sieg der Besiegten. Unterdrückung und kultureller Widerstand“, „Die Schweiz, das Gold und die Toten“, „Die Barbaren kommen. Kapitalismus und organisiertes Verbrechen“ und „Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung“ zeigen ganz deutlich, dass harte, klare Worte für Jean Ziegler kein Problem sind, auch wenn seine Kritiker immer wieder betonen, dass seine „ideologische Polemik“ (DIE ZEIT) letztlich ungeeignet sei, das Problem des Hungers zu lösen. In Anbetracht von tausenden Menschen, die jeden Tag an den direkten und indirekten Folgen des Hungers sterben, während sich in anderen Teilen der Welt die Tische biegen und Unmengen Lebensmittel weggeworfen werden, braucht es aber jemanden, der den Mut zu solchen Worten hat. Für Ziegler ist das ganz klar Mord, Mord, an dem wir eine Mitschuld tragen, solange wir uns nicht dagegen wehren.

Seine Eindrücke von seinem zweijährigen Aufenthalt in Afrika, der ihn damals nach eigenen Worten zu einer radikalen Änderung seiner Grundauffassung bewegte, verarbeitete er 1996 in seinem Roman „Das Gold von Maniema“. Romane schrieb Ziegler zuletzt jedoch eher selten. Stattdessen veröffentlichte er Sachbücher wie „Der Hass auf den Westen. Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren“, „Der Aufstand des Gewissens: Die nicht-gehaltene Festspielrede“, „Wir lassen sie verhungern: Die Massenvernichtung der Dritten Welt“ und „Ändere die Welt! Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen.“

Unsere Buchtipps – Diese Bücher von Jean Ziegler empfehlen wir Ihnen:

Lesen Sie auch die Biographie „Jean Ziegler: Das Leben eines Rebellen“, die Jürg Wegelin über Jean Ziegler geschrieben hat.

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