Christiane zu Salm

Christiane zu Salm hat sich vom Medienrummel abgewandt und begleitet heute Sterbende. © Susie KnollDie Biografie von Christiane zu Salm (Jahrgang 1966) zeigt deutlich, wie gravierend die Auswirkungen haben können, die Erfahrungen mit dem Tod auf Menschen haben können. Christiane zu Salm lebte ein Leben auf der Überholspur, war eine erfolgreiche Managerin, eine Karrierefrau, energisch, zielstrebig, selbstbewusst und voller Leidenschaft bei der Sache. Doch von heute auf morgen wurde alles anders: Christiane zu Salm, die als Kronprinzessin des Hubert Burda-Imperiums galt, kehrte der Medienbranche, die sie jahrelang erfolgreich mitgeprägt hatte – unter anderem als Leiterin des Kinderprogramms der UFA Fernsehproduktion GmbH, Geschäftsführerin von MTV, Gründerin von 9Live und Vorstandsmitglied bei Hubert Burda Media – abrupt den Rücken zu. Heute hat sie einen ganz anderen Fokus im Leben und konzentriert sich auf das, was wirklich wichtig ist. Christiane zu Salm begleitet Sterbende und sagt heute: „Der Tod gehört zu meinem Leben“ (Spiegel-Interview). Als sie sechs Jahre alt war, starb ihr kleiner Bruder bei einem Unfall vor ihren Augen. Damals wurde dem Mädchen zum ersten Mal bewusst, dass es Probleme gibt, für die es keine Lösung gibt – und dass alles jederzeit vorbei sein kann. Aus dieser Erfahrung lernte Christiane zu Salm aber auch, dass es für die Angehörigen kaum etwas Schlimmeres gibt, als sich nicht verabschieden zu können. Als zu Salm selbst dann beim Skifahren von einer Lawine mitgerissen und 250 Meter weiter getragen wurde, erlebte sie am eigenen Leib, was es bedeutet, dem Tod ganz nah zu kommen. Anschließend sah Christiane zu Salm das Leben mit neuen Augen und empfand es als Geschenk. Sie zog sich aus der Medienbranche zurück und absolvierte eine Ausbildung in einem Berliner Hospiz. Die Frau, die in der Branche als besonders quirlig und rastlos galt, lernte dort, den Sterbenden „Raum zu geben, um zu sich selbst und mit sich ins Reine zu kommen, manchmal auch dadurch, dass man selbst einfach nur schweigend bei ihm sitzt“, wie sie im Interview mit dem Magazin Spiegel erklärte. Dabei hat zu Salm einen anderen Ansatz gewählt als die australische Krankenschwester Bronnie Ware, die in dem Buch "5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ die Gedanken Sterbender aufgezeichnet hat. Christiane zu Salm hingegen gibt den Menschen die Möglichkeit, ihren eigenen Nachruf zu schreiben, etwas, das wirklich etwas aussagt über den Menschen, der sie gewesen sind oder der sie sein wollten. Die meisten der Menschen, die in ihrem Buch „Dieser Mensch war ich“ mit einem der 100 Nachrufe vertreten sind, freuten sich, dass sich jemand für ihr Leben interessierte – und sei es von außen betrachtet vielleicht noch so banal gewesen – und dass ihnen so ein Denkmal gesetzt würde. Was den Sterbenden wichtig erschien, erschien auch Christiane zu Salm wichtig. Es stünde ihr nicht zu, zu bewerten, was banal sei und was nicht, sagte sie gegenüber dem Spiegel. Für sie selbst sei der Umgang mit den Sterbenden ein Anlass gewesen, „Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, mich nicht von Kleinigkeiten des Alltags gefangen nehmen zu lassen, so wenig Konjunktive in meinem Leben zu benutzen wie möglich.“ Und noch eine wichtige Lektion hat sie daraus gelernt: „Was man aus diesen Texten ziehen kann, ist die Erkenntnis, dass wir alle keine Experten sind. Eigentlich wissen wir doch alle nicht, wie es denn geht, das gute, richtige Leben. Welches Leben sollen wir leben, um am Ende sagen zu können, so war es richtig? Das hat für mich etwas Beruhigendes. Unter dem Strich macht es mich gelassen, auch als Mutter.“ Von diesen Erkenntnissen dürfen auch die Leser von Christiane zu Salms Buch „Dieser Mensch war ich“ zehren.

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