Stefan Zweig

Stefan Zweig (1881 – 1942) war ein österreichischer Schriftsteller, ein Kosmopolit, ein ewig Reisender, der niemals müde wurde, die Wunder der Welt zu erkunden. Berühmtheit erlangte er zwar vor allem durch seine Novellen, doch das Gesamtwerk von Stefan Zweig ist wesentlich komplexer und vielschichtiger. Er wuchs als „Jude aus Zufall“, wie er es selbst nannte, in guten Verhältnissen in Wien auf und studierte in seiner Heimatstadt Philosophie. „Aus Zufall“ deshalb, weil die Familie Zweig nicht religiös war. Dennoch sollte es die Religion sein, die Stefan Zweig schließlich zum Verhängnis wurde. Neben dem Studium publizierte Zweig bereits im Feuilleton der Neuen Freien Presse und veröffentlichte erste Gedichte. Sein erster Gedichtband, „Silberne Saiten“, erschien 1901; 1904 folgte seine erste Novelle: „Die Liebe der Erika Ewald“. Schon bald kristallisierte sich seine markante Schreibweise, die behutsame psychologische Deutung mit fesselnder Erzählkraft und brillanter Stilistik verband, heraus, für die er heute so verehrt wird. Berühmtheit erlangte Zweig unter anderem für seine Novellenbände „Brennendes Geheimnis“, „Amok“ und „Sternstunden der Menschheit“ (1927), sowie für seine großen Biografien über Maria Stuart, Magellan, Balzac und seinen Freund Romain Rolland. Er besaß ein ungeheures Gespür für Dinge und Menschen und sah sich selbst als „Psychologen aus Leidenschaft“. Seinen Texten merkt man einen besonderen Instinkt für Befindlichkeiten, Situationen und Gefühle an, für die er weit unterhalb der Oberfläche nach Ursachen suchte. Doch ein überempfindlicher Mensch, wie Stefan Zweig, hatte es nicht leicht in einer Welt, die gerade aus den Fugen geriet. Vehement trat er gegen Nationalismus und Revanchismus ein, hielt sich im Ersten Weltkrieg bedeckt und musste 1933 seiner jüdischen Abstammung wegen nach London emigrieren. 1940 gelangte er über New York, Argentinien und Paraguay schließlich nach Brasilien, wo er bis zu seinem Tod 1942 lebte und arbeitete. Seine Begeisterung für Brasilien und seine genauen Studien des exotischen Landes veröffentlichte er in „Brasilien: Ein Land der Zukunft“. Schon damals sah Zweig in dem mit Naturschönheiten gesegneten, friedlichen Land das Potenzial, das sich erst jetzt so richtig entfaltet. Er wusste, dass Brasilien einmal zu einer großen Macht aufsteigen würde – und er sollte Recht behalten. Sein Buch ist aber keine nüchterne Bestandsaufnahme, sondern vielmehr eine jener Liebeserklärungen an die Welt und an das Leben, für die Stefan Zweig bekannt war. Hier entstand auch sein berühmtestes Werk „Schachnovelle“, der Kampf der bürgerlichen Humanität gegen die Brutalität einer entfremdeten Welt, sowie seine Autobiographie „Die Welt von gestern“. Diese Werke sind der Exilliteratur zuzuordnen. Das Exil bereitete Stefan Zweig starke seelische Schmerzen. In seinen „Erinnerungen“ schrieb er: „Am Tage, da ich meinen Pass verlor, entdeckte ich mit achtundfünfzig Jahren, dass man mit seiner Heimat mehr verliert, als einen Flecken umgrenzter Erde.“ Voller Trauer und Wehmut beschwor Stefan Zweig in seinen letzten Texten, die erst in seinem Nachlass gefunden wurden, die Welt von gestern herauf, eine Welt, die unwiederbringlich verloren war. An dieser Trauer, an der Schwermut über die Zerstörung seiner „geistigen Heimat Europa“, an seiner Verzweiflung über das NS-Regime und die Perspektivlosigkeit des Exils sollte Stefan Zweig schließlich verzweifeln: Im Februar 1942 beging er gemeinsam mit seiner Frau, Charlotte Altmann, im brasilianischen Petrópolis Selbstmord. Die Hausangestellten fanden das Ehepaar auf dem Bett liegend, er auf dem Rücken mit gefalteten Händen, sie von der Seite an ihn geschmiegt. Es war das beinah literarisch anmutende Ende eines großen deutschsprachigen Schriftstellers, dem wir heute viel zu verdanken haben.

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