Asterix und Obelix lassen sich nie unterkriegen

 

Asterix und Obelix im French-Park AsterixJedes Kind kennt die ersten Zeilen einer jeden Ausgabe von „Asterix und Obelix“: „Wir befinden uns im Jahre 50 v.Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.“ Seit mehr als 50 Jahren verheißen diese Worte den Fans abenteuerliche Comic-Unterhaltung mit den zwei sympathischen Helden aus Gallien. Wer mit ihnen aufgewachsen ist, liebt die Comics und Filme sein ganzes Leben lang. Der Zeichentrickfilm „Asterix erobert Rom“ aus dem Jahr 1976 ist den heute Mitte/Ende Zwanzigjährigen noch immer sehr gut im Gedächtnis: Der Passierschein A38 zum Beispiel, dem die beiden Helden in einem Irrenhaus nachjagen müssen, wobei sie die sonst apathischen Mitarbeiter in den Wahnsinn treiben, ist unter ihnen zum geflügelten Wort geworden. Wann immer das Thema auf übermäßige Bürokratie kommt, wenn es zu viele Anträge auszufüllen, zu vielen Entscheidungsträgern nachzutelefonieren gilt, sorgt der Begriff „Passierschein A38“ für Gelächter.

 

Die Dauerbrenner: Die Comics um Asterix und Obelix

 

„Asterix und Obelix“ sind so beliebt, dass sie sogar Eingang in den Schulunterricht gefunden haben und dort genutzt werden, um den Schülern den Stoff etwas zu versüßen. Ursprünglich wurden die Comics von René Goscinny und Albert Uderzo für ein französisches Jugendmagazin kreiert und in französischer Sprache veröffentlicht. Weil die beiden Gallier aber schnell eine eigene Fangemeinde gewannen, übersetzte man die Kultcomics in mehr als 100 Sprachen, darunter sogar Latein. Das liegt nahe, spielen die Abenteuer von „Asterix und Obelix“ doch vor dem Hintergrund der römischen Eroberung des heutigen Frankreichs. Immer wieder führen ihre Wege die Helden deshalb auch nach Rom und Julius Caesar höchstpersönlich hat einen festen Platz in den Comics. Da liegt es nahe, die Texte in die lateinische Sprache zu übertragen und die Schüler auf spielerische Art und Weise zur Beschäftigung mit der Sprache und den geschichtlichen Hintergründen zu bewegen. Über den Grad der historischen Authentizität in den Comics kann man natürlich streiten, doch viele Lehrer nutzen die Begeisterung ihrer Schüler für „Asterix und Obelix“, um sie an die historischen Fakten heranzuführen. In einem Lehrerforum im Internet berichtete ein Geschichtslehrer 2009 zum Beispiel, er würde Asterix immer am Rande als schmückendes Beiwerk auf Arbeitsblättern oder für den Stundeneinstieg wählen. Dabei sei ihm jedoch aufgefallen, dass die Comics bei den Sechstklässlern schon nicht mehr ganz so bekannt sind, wie das vor einigen Jahren noch der Fall war.

 

Neue Comic-Hefte und –Verfilmungen sollen das ändern. 2006 brachten sich die beiden Gallier mit dem Zeichentrickfilm „Asterix und die Wikinger“ wieder ins Gespräch. 2008 folgte der Realfilm „Asterix bei den Olympischen Spielen“ und 2012 – mit Bezug auf die Olympischen Spiele in London – der Spielfilm „Asterix & Obelix – Im Auftrag Ihrer Majestät“. Die feste Konstante aller bisherigen Spielfilme ist der französische Schauspieler Gérard Depardieu in der Rolle des Obelix. War Asterix in den ersten beiden Filmen durch Christian Clavier verkörpert worden, wurden in den letzten beiden Clovis Cornillac und Édouard Baer besetzt. Wie es scheint, ist es wesentlich schwieriger, einen Schauspieler zu finden, der Asterix angemessen verkörpert. Wie perfekt Depardieu dazu geeignet ist, Obelix zum Leben zu erwecken, dürfte hingegen jedem Fan auf den ersten Blick klar sein. 2013 dann der nächste Coup: Nach vierjähriger Pause erschien im Oktober 2013 mit großem Medienrummel der 35. Band der Comic-Serie rund um Asterix und Obelix: „Asterix bei den Pikten“. Die neuste Ausgabe wurde von Fans jeder Altersgruppe mit Spannung erwartet, war es doch der erste Comic, der nicht mehr von Miterfinder Albert Uderzo gezeichnet wurde. Uderzo hatte die Reihe 1961 mit dem Autor René Goscinny, der auch die Geschichten vom Kleinen Nick erdachte, geschaffen und weit über den Tod von Goscinny im Jahr 1977 hinaus weitergeführt. Nun hat er seine Nachfolger ernannt: Didier Conrad wird die Geschichten von Jean-Yves Ferri in Bilder verwandeln. In „Asterix bei den Pikten“ gelangen die beiden gallischen Helden nach Schottland, wo sie den wilden, bemalten Ureinwohnern, den Pikten, begegnen.

 

Wie Conrad und Ferri Asterix und Obelix neu erfinden

 

Show im French-Park Asterix und ObelixInteressant ist, dass dieser Generationenwechsel unter den Autoren und Künstlern der Serie dieser kaum geschadet hat. Anstatt darauf zu beharren, dass Asterix und Obelix nur unter Uderzos Führung weiterexistieren können, begrüßten die Fans die Veränderung. Weil die einzige Alternative wäre, nie wieder eine neue Ausgabe der Comic-Serie in die Hände zu bekommen, freuen sie sich über den frischen Wind, der mit Conrad und Ferri in die Reihe kommt. Immer wieder hört man darüber hinaus auch, „Asterix und Obelix“ hätte nach dem Tod von Goscinny deutlich an Charme verloren, weil Uderzo sowohl für die Zeichnungen als auch für die Story verantwortlich zeichnete und sich dabei als wenig einfallsreich erwies. Didier Conrad und Jean-Yves Ferri haben es sich nun zum Ziel gesetzt, die einstige Größe der Goscinny-Ära wieder aufleben zu lassen und zu den Wurzeln der Serie zurückzukehren. Das erkennt man daran, dass es die beiden Helden wieder einmal in ferne Länder verschlägt und dass der ganze Band voller kleiner und feinsinniger Anspielungen ist. Hinzu kommt etwas, was auch René Goscinny immer sehr am Herzen lag: Die Autoren haben aktuelle Geschehnisse und Themen in die Geschichte verwoben. Die frühen Ausgaben von „Asterix und Obelix“ strotzten nur so vor Anspielungen auf das politische Tagesgeschehen Frankreichs in der Entstehungszeit der Geschichten. Das ist für die deutschen Leser zwar in der Regel kaum zu identifizieren, doch die Tendenzen der Serie zur politischen Satire sind nicht zu übersehen.

 

Vielleicht ist das auch der Grund, warum „Asterix und Obelix“ seit 50 Jahren und bei Lesern aus jeder Altersgruppe funktionieren: Weil sie einfach für jeden etwas zu bieten haben. Die Kinder erfreuen sich an dem Klamauk, an den herrlich naiven Scherzen und Streichen, und die Erwachsenen genießen die Anspielungen, die Vielschichtig- und Feinsinnigkeit der Comics. Jedes einzelne Abenteuer erhält zahlreiche Anspielungen auf bekannte Kunstwerke und Sehenswürdigkeiten aus neuerer Zeit, Karikaturen bekannter Persönlichkeiten der heutigen Zeit („Asterix bei den Briten“ gewährt den „Beatles“ einen Auftritt, Laurel und Hardy, alias „Dick und Doof“, geben sich in „Obelix GmbH & Co. KG“ ein Stelldichein, der damalige französischen Premierminister und spätere Präsidenten Jacques Chirac taucht in der Figur des Technokratus auf und Arnold Schwarzenegger hat in „Gallien in Gefahr“ als Kampfroboter Schworzi einen Gastauftritt) und historischen und literarischen Anspielungen. Natürlich erkennt nicht jeder Leser jede Anspielung und versteht jeden Witz, doch wann immer eine solche Pointe saß, wurde aus einem Leser ein Fan. Didier Conrad und Jean-Yves Ferri wissen das und wollen an diese gute Tradition anknüpfen. Glaubt man den Fans im Internet, gelingt ihnen das schon sehr gut.

 

Natürlich bedarf es einer kleinen Eingewöhnungsphase, in der sich die neuen Autoren und die Fans aneinander gewöhnen, doch die Tendenz für „Asterix und Obelix“ ist nach einheitlicher Meinung genau die Richtige. So freuen sich die Anhänger über stimmige Zeichnungen, die vielen kleinen, versteckten Gags und die konservative Grundstruktur der Geschichte, die sehr an die alten Hefte erinnert. Da kann man es Conrad und Ferri durchgehen lassen, dass der Stil der Kolorierungen zum Teil sehr an Hollywood erinnert und dass es hier und da an den liebevollen Details der frühen Ausgaben mangelt. Gerne gewährt man dem neuen Autorengespann aber einen Vertrauensvorschuss – wenn es sich darum bemüht, dieser neuen Tendenz weiter zu folgen. Dann werden auch die Sechstklässler von heute mit den Comic-Heften über „Asterix und Obelix“ unter dem Arm durch die Schule laufen, so wie schon ihre Eltern und Großeltern.

 

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