BookCrossing – Vom Glück, ein Buch freizulassen

 

BookCrossing auf einer ParkbankBookCrossing ist der recht unscheinbare Name für die wundervolle Idee, gebrauchten Büchern ein neues Leben zu schenken. Bei den meisten Büchern ist es doch viel zu schade, sie nach dem Lesen ins Bücherregal zu stellen und sie nie wieder anzusehen oder sich mit anderen darüber auszutauschen. BookCrossing ist von dem Gedanken beseelt, dass Bücher nicht dafür gemacht sind, irgendwo zu stehen und gut auszusehen. Nein, Bücher müssen gelesen werden, müssen Gespräche anregen, müssen geliebt und dann weitergegeben werden, um ihren Zweck zu erfüllen. Und zwar immer und immer wieder. So unternehmen die Bücher dann eine Reise von Leser zu Leser und verbreiten Lesefreude und das Glück, einen literarischen Schatz gefunden zu haben.

 

Wie funktioniert das BookCrossing?


Wer beim BookCrossing mitmacht, gibt seinem Buch also eine Bestimmung. Anstatt es in einem Bücherregal gefangen zu halten, lässt man es frei. Dieses Freilassen ist der zentrale Gedanke des BookCrossings: „Das Freilassen von Büchern, die andere finden, lesen und darüber erzählen.“ Ron Hornbaker, der Erfinder des BookCrossings, beschrieb es so: „Jeder hat ein Regal voller Bücher zu Hause, von denen er genau weiß, dass er sie kein zweites Mal lesen wird. Schenken wir ihnen die Freiheit!“ Zugleich verspricht das BookCrossing eine abenteuerliche Schatzsuche – ganz ähnlich des Vergnügens, das man bei der Trendaktivität Geocaching empfindet. Die Idee ist ganz einfach: Wer ein Buch ausgelesen hat und es auf die Reise schicken möchte, registriert es auf der BookCrossing-Website. Dadurch erhält das Buch eine BookCrossingIDnumber, kurz BCID, unter der es nachverfolgt werden kann. BookCrossing legt dann eine eigene Unterseite für dieses spezielle Buch an, auf der sich alle BookCrosser, die dieses Buch anschließend in die Hände bekommen, eintragen und austauschen können.

 

Freilassen können die BookCrosser ihre Bücher an jedem nur erdenklichen öffentlichen Ort: in der Umkleidekabine im Schwimmbad, auf dem Tisch im Café, am Packtisch im Supermarkt, auf einer Parkbank, in der U-Bahn oder im Wartezimmer beim Arzt. Geschützte Orte eignen sich hierfür natürlich besser als solche, die den Naturgewalten ausgeliefert sind, denn manche Bücher werden erst nach Tagen oder Wochen gefunden. Der nächste Finder kann das Buch dann über die BookCrossingIDnumber, die irgendwo auf dem Buch vermerkt ist, identifizieren und im Internet danach suchen und die vorherigen Leser wissen lassen, wo er das Buch entdeckt hat, was er davon hält und ob es ihm noch gut geht. Was für eine wunderschöne Möglichkeit, Büchern neues Leben einzuhauchen.

 

Die Idee des BookCrossings geht um die Welt


Kein Wunder, dass die BookCrosser immer zahlreicher werden. Inzwischen gibt es sie in 130 Ländern überall auf der Welt. Schon zwei Jahre, nachdem Ron Hornbaker das BookCrossing 2001 ins Leben gerufen hatte, gab es 125.000 Mitglieder, die 397.000 Titel auf die Reise geschickt hatten. Bis November 2012 war ihre Zahl auf 1.473.000 BookCrosser angewachsen, die 9.411.000 Bücher registriert und bewusst „verloren“ hatten. Dabei gibt es keine typischen BookCrosser: Die Mitglieder kommen aus allen Bevölkerungsteilen und allen Altersklassen. Sie alle vereint die wunderbare Idee, mehr aus ihren Büchern zu machen und sie nicht ungenutzt und ungelesen in der Ecke stehen zu lassen.

 

BookCrossing im CaféDie Erfinder bezeichnen die Welt des BookCrossing auch gerne als eine weltweite, große, offene Bibliothek. Das Tolle daran ist, dass sie vollkommen kostenfrei und nur von guten Gedanken und Intentionen betrieben wird. Wer ein Buch auf die Reise schickt, der wünscht ihm und allen, die es finden, nur Gutes, möchte ein Leseerlebnis mit ihnen teilen und anderen eine Freude machen. So wurde aus einer tollen Idee ein durch und durch positiver, liebenswerter Selbstläufer, der sich wie ein Lauffeuer verbreitete. „Abenteuer, Uneigennützigkeit und Literatur in einer einmaligen Mischung“ – das ist es, was für die Erfinder des BookCrossings den Spaß an ihrem Hobby ausmacht. Für nicht wenige von ihnen ist das BookCrossing inzwischen zu einer Art Leidenschaft und Lebenseinstellung geworden. So sollen einige von ihnen sogar gewisse Bücher doppelt kaufen: eins für die Sammlung und eins zum Freilassen.

 

Werden Sie BookCrosser und schenken Sie Freude


Soweit muss die Begeisterung fürs BookCrossing aber gar nicht gehen. Man kann ja erst einmal mit einem gebrauchten Buch anfangen. Wenn Sie dafür durch Ihre gebrauchten Bücher stöbern, nehmen Sie für den Anfang vielleicht eins, das Ihnen zwar sehr gefallen hat, von dem Sie aber sicher wissen, dass Sie es nicht noch einmal lesen werden. BookCrossing ist nicht als Entsorgungsmöglichkeit für schlechte Bücher gedacht. Wählen Sie eins, bei dem es Ihnen schon ein bisschen wehtut, sich von ihm trennen zu müssen, denn die Idee hinter dem BookCrossing ist ja, anderen eine Freude zu machen, die Lust und das Glück am Lesen mit fremden Menschen in aller Welt zu teilen. Gemeint sind aber auch nicht Ihre Lieblingsbücher, die Schätze, die Sie nicht mal Freunden und Verwandten ausleihen. Gemeint sind Bücher, die Sie glücklich gemacht haben und von denen Sie glauben, dass Sie auch andere glücklich machen könnten. Dann überlegen Sie, wo Sie sich freuen würden, zufällig ein Buch zu finden. Dort vergessen Sie das mit der ID versehene Buch dann ganz aus Versehen und warten ab, ob sich jemand meldet, der Ihren Schatz gefunden hat. Sofort stellt sich das Glücksgefühl ein, nach dem die BookCrosser irgendwann regelrecht süchtig werden.

 

Wenn Sie lieber erst mal ein Buch finden wollen, gibt es auf bookcrossing.com die Möglichkeit, zu schauen, wo in letzter Zeit Bücher freigelassen wurden. Dort sind alle 130 teilnehmenden Länder aufgelistet, ergänzt durch die Angaben, wie viele Bücher in den letzten 30 Tagen dort freigelassen worden sind. Als dieser Artikel im Dezember 2013 entstand, lag Deutschland mit 7.037 Büchern in den letzten 30 Tagen unangefochten an der Spitze der BookCrossing-Nationen, gefolgt von den USA, wo 3.872 Bücher freigelassen worden sind, Österreich, Australien, den Niederlanden und Großbritannien mit jeweils 1.000 bis 2.000 Büchern. In Deutschland lohnt es sich also ganz besonders, auf die Suche nach freigelassenen Büchern zu gehen und Mitglied der BookCrossing-Community zu werden. Mit einem Klick auf Ihre Stadt und Ihren Stadtteil erfahren Sie dann, wo Bücher verborgen sind, die es kaum erwarten können, von einem neuen Leser gefunden zu werden. Wenn Sie dann das erste Buch aus seinem Versteck ziehen, spüren Sie ganz schnell, wie das BookCrossing-Fieber auch von Ihnen Besitz ergreift. Ein Buchgeschenk von einem Fremden – wie aufregend! Aufregend für Sie, den BookCrosser, der das Buch freigelassen hat und für das Buch, das ein neues Leben dazu gewonnen hat, die Chance, noch einmal jemanden in seinen Bann zu ziehen. Das ist die Magie des BookCrossings!

 

BookCrosserin Debbie Robson hat übrigens einen inspirierenden englischsprachigen BookCrossing-Roman geschrieben: "Crossing Paths: the BookCrossing Novel". Außerdem wird BookCrossing in "102 Free Things To Do" (englisch!) und "Viel Welt für wenig Geld" als eines jener schönen Erlebnisse empfohlen, für die man kein Geld ausgeben muss.

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