Das Leben genießen: Midlife-Crisis überwinden

 

Geburtstagskind vor der Midlife-CrisisMan kann es Midlife-Crisis nennen, diese Talsohle des Lebens, die so viele Menschen durchlaufen. Von 40 an scheint es nur noch abwärts zu gehen – bis zu jenem Tiefpunkt, an dem alles in Frage steht. Soll das alles schon gewesen sein? Was kommt jetzt noch? Zweifel kommen hinzu: Ich hätte mein Leben anders leben sollen. Ich will endlich fühlen, dass ich noch lebe. Ich ersticke in Zwängen und Routinen. Dabei wollte ich doch frei sein, anders leben, alles anders machen (als meine Eltern). Wie konnte aus mir dieser alte Mensch werden? Und ganz am Schluss: Wer bin ich eigentlich? Bin ich der Mensch geworden, der ich werden wollte? Und wenn nicht, was kann ich in der mir verbleibenden Zeit noch ändern? Die Zeit, die vor uns liegt, wird kürzer als die Zeit, die hinter uns liegt. Wir haben den Zenit überschritten – und nun nicht mehr unbeschränkte Möglichkeiten, das Leben zu leben, das wir leben woll(t)en. Glauben wir.

 

Die Midlife-Krise ist ein allgemein bekanntes Phänomen: Wann immer ein älterer Herr in Lederjacke und mit jüngerer Frau an seiner Seite aus einem Sportwagen steigt, meinen wir zu wissen, was hier passiert. Midlife-Crisis (oft auch Midlife Crisis) ist ein Modewort geworden. Ein Modewort für etwas, das wir für eine Mode-Erscheinung halten. So wie Schlankheits- und Jugendwahn ein modernes Phänomen zu sein scheinen, stufen wir auch die Midlife-Crisis als Zivilisationssymptom ein. Lange Zeit ging man davon aus, dass sie vor allem Menschen treffe, die in ihrem Leben schon alles erreicht hätten und nun nicht mehr wüssten, wonach es sich zu streben lohnte. Die Midlife-Krise war etwas für Manager, erfolgreiche Unternehmer, alternde Rock-Stars. Wissenschaftlich belegt war sie nicht, aber die bunten Klatschblätter waren voll davon. Doch nun endlich schaltet sich die Wissenschaft ein. Und tatsächlich: Sie ist wissenschaftlich nachweisbar – die U-Kurve des Glücks. Und zwar nicht nur in unserer Wohlstandsgesellschaft und in der westlichen Zivilisation, sondern in fast allen Kulturen.

 

Midlife-Crisis als Talsohle der U-Kurve des Glücks



Die Ökonomen David Blanchflower und Andrew Oswald haben die Datensätze zur Lebenszufriedenheit von mehr als einer Million Personen aus über 70 Ländern untersucht. Deutlich zeichnete sich darin ab, dass die Menschen mit zunehmendem Alter zunächst unzufriedener würden, bis sie mit 46 Jahren (in Europa) und 43 Jahren (in Schwellenländern) die Talsohle erreichten (siehe hierzu ihre Arbeit „Is Well-being U-Shaped over the Life Circle?“). Zu keinem anderen Zeitpunkt in ihrem Leben sind so viele Menschen dermaßen unzufrieden und unglücklich, wie mit Anfang, Mitte 40. Doch nun die gute Nachricht: Danach geht es wieder bergauf. Die Midlife-Crisis ist keine Einbahnstraße, keine Endhaltestelle. Sie ist eben genau das, was ihr Name schon sagt: eine Krise. Eine Krise, die irgendwann ausgestanden ist und überwunden wird. Womöglich deshalb, weil man irgendwann aufhört, gegen das anzukämpfen, was sich nicht aufhalten lässt: die Wechseljahre, das Absinken des Testosteronspiegels bei Männern, das Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit, der Potenz und der geistigen Fähigkeiten. Plötzlich fühlt man sich alt und sieht auch so aus. Die Muskeln schwinden, dafür nehmen Fett, graue Haare und Falten zu. Dagegen kann man eine Zeit lang ankämpfen – mit Cremes, Sport, Haarfärbemitteln, coolen Klamotten, schnellen Autos und neuen Partnern. Doch irgendwann muss sich jeder vernünftige Mensch eingestehen, dass all das das Unausweichliche nicht verhindern wird. Man wird alt. Und irgendwann hat auch dieses Leben ein Ende.

 

Geburtstagskind in der Midlife-CrisisWer das akzeptiert hat, gewinnt eine neue Gelassenheit. Und diese Gelassenheit ist der erste Anstoß, die Talsohle zu verlassen und sich an den Aufstieg zu machen. Das Schöne ist: Nun kann es nur noch besser werden. Dann erkennt man, dass es neben Schönheit und Jugend noch andere Dinge gibt, für die es sich zu leben lohnt. Dinge, die wirklich wichtig sind. Oftmals sind das kleine Dinge, die man im Rausch der Jugend gar nicht beachtet hat. Nun gewinnen sie an Bedeutung. Wir lernen, die neuen Möglichkeiten des Alters zu erkennen und setzen alles daran, die verbleibende Zeit so schön wie möglich zu gestalten. Und können es auch. Im Gegensatz zu den heute 70- bis 80-Jährigen haben wir nämlich schier unendliche Möglichkeiten. Nach einem Leben voller Entbehrungen und harter Arbeit schleppten sich unsere Großeltern ins Rentenalter und fanden sich hier kaum noch zurecht. Doch wir altern anders. Wenn die Kinder – so sie denn vorhanden sind – aus dem Haus sind, beginnt ein zweites Leben. Dann haben wir das Geld, uns das zu leisten, was wir schon immer machen wollten. Hobbies, Reisen und Wünsche erfüllen. Wir verbringen Zeit mit den Menschen, die wir lieben, leben uns aus, verwirklichen uns. Und all das ohne den Stress, noch unbedingt etwas erreichen zu müssen. Karriere, Familie, Hausbau – das hat man in dieser Phase des Lebens bereits hinter sich. Jetzt kann man sich auf sich selbst konzentrieren. Ganz plötzlich sieht die Midlife-Crisis dann gar nicht mehr so düster aus. Sie ist ein Neuanfang, ein Wendepunkt, aus dem man neu und gestärkt hervor gehen kann.

 

Die Midlife-Crisis als Chance verstehen – und durchstarten

Tipps, um diesen Prozess zu beschleunigen, oder die Midlife-Crisis gar nicht erst richtig ausbrechen zu lassen, gibt es viele. Und die Ratgeber zur Lebenshilfe sind voll davon. Vieles liegt jedoch auf der Hand: Zielen Sie Bilanz und freuen Sie sich über die Ziele, die Sie bereits erreicht haben. Und vergessen Sie vor allem nicht, sich neue zu stecken, auf die Sie sich freuen können. Lauschen Sie in sich hinein und lernen Sie zu erkennen, was Sie brauchen, um glücklich und zufrieden zu sein. Gönnen Sie sich genau das. So beginnen Sie direkt und unmittelbar, etwas zu Ihrem Glück beizutragen und Ihre Lebenszufriedenheit zu steigern. Wenn Sie mehr reisen wollen, buchen Sie einen Urlaub. Wenn Sie eine Sprache lernen wollen, fangen Sie gleich heute damit an. Wenn Sie ein Buch schreiben wollen, nehmen Sie den Stift in die Hand und legen Sie los.

 

Sie werden sehen, dass das oftmals viel leichter ist, als sie immer geglaubt haben. Jetzt, in dieser Krise, ist genau der richtige Zeitpunkt gekommen, um an sich zu denken – und auch das abzustreifen, was Ihnen nicht gut tut. Kontakte, die Sie nur auslaugen, dürfen eingestellt werden. Routinen, die Sie unglücklich machen, dürfen aufgebrochen werden. Sehen Sie die Midlife-Krise als Chance, Sie selbst zu werden, der Mensch, der Sie immer sein wollten. Als Chance, glücklich zu werden. Sprechen Sie mit anderen Menschen über ihre Gefühle, mit Freunden oder mit ihrem Partner in der gleichen Situation. Oder schreiben Sie Tagebuch. Viele Menschen in der Midlife-Crisis haben das Bedürfnis, der Nachwelt etwas zu hinterlassen. Warum also nicht zum Ausdruck bringen, wie Sie denken und fühlen – und so unsterblich werden?

 

Bei all dem zählt nur: Es ist Ihr Leben und Sie haben es in der Hand. Stürzen Sie sich hinein und genießen Sie jeden einzelnen Tag!

 

Diese Buchtipps beschäftigen sich mit dem Thema Midlife-Crisis und können Ihnen eine Hilfe sein:

 

 

Bücher zum Thema Midlife-Crisis speziell für Frauen

 

Bücher zum Thema Midlife-Crisis speziell für Männer

 

Speziell für Männer empfehlen wir das Buch "Männer wachsen im Garten" von Jürgen Fliege, Deutschlands berühmtesten Pfarrer.

 

Lassen Sie sich außerdem von Hajo Schumacher und seinen Büchern "Restlaufzeit: Wie ein gutes, lustiges und bezahlbares Leben im Alter gelingen kann" und "Gammeln oder reifen?: Zehn todsichere Regeln für ein freudloses Alter" die Angst vor dem Alter nehmen. Oder nehmen Sie es mit Humor und lesen Sie Jan Weilers "Kühn hat zu tun".

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