Der Deutsche Jugendliteraturpreis macht es richtig

 

Deutscher Jugendliteraturpreis Junge beim LesenDer Deutsche Jugendliteraturpreis ist ein Buchpreis, der zeigt, wie man es richtig macht. Während die ganze Branche wegen des Deutschen Buchpreises in Aufruhr ist und sich empört, dass der Börsenverein Deutscher Buchhandel mit der noch recht jungen Preisverleihung nur seine Verkäufe in die Höhe treiben wolle, ist der Deutsche Jugendliteraturpreis bereits seit 1956 fest in staatlicher Hand. Damit hat er eine absolute Ausnahmeposition unter den deutschen Buchpreisen. Geschuldet ist dies nicht zuletzt der großen Verantwortung, die diesem Preis innewohnt. Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Angela Merkel II und Stifterin des Deutschen Jugendliteraturpreises 2013, sieht es in ihrem Vorwort als die wichtigste Aufgabe des Preises „möglichst viele Kinder und Jugendliche für Bücher zu begeistern.“

 

Für die Bundesregierung und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), das den Preis seit dem ersten Jahr auslobt, ist der Deutsche Jugendliteraturpreis ein Herzensprojekt. Dass sich daran bis heute nichts geändert hat und der Preis nicht längst von der Wirtschaft finanziert wird, hebt seine enorme Bedeutung noch einmal hervor. Ähnlich wie bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises kurbelt auch diese Auszeichnung den Verkauf der ausgezeichneten Werke an. Doch während man dem erwachsenen Publikum einerseits die Fähigkeit zugesteht, sich selbst ein Urteil zu bilden und kritisch zu lesen, und andererseits davon ausgeht, dass ein Buch bei erwachsenen Lesern in der Regel recht wenig Schaden anrichten kann, geht mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis große Verantwortung einher. Erklärtes Ziel des Preises ist es, „Kinder und Jugendliche mit Hilfe eines qualitativ überzeugenden und vielfältigen Literaturangebots in ihrer Persönlichkeit zu stärken und ihnen Orientierung zu bieten. Orientierung ist nicht nur hinsichtlich eines schier unüberschaubaren Buchmarktes gefragt, sondern auch bezüglich der zunehmend komplexen Rahmenbedingungen des Aufwachsens in einer medial vernetzten, globalisierten Welt.“ Die Auswahl des richtigen Buches ist also keine rein literarische Entscheidung, es ist auch eine moralische Verpflichtung. Auch deshalb kann und wird man diesen Buchpreis nicht aus der staatlichen Hand geben.

 

Leseförderung und der Deutsche Jugendliteraturpreis


Wie wichtig die Leseförderung ist, wird uns spätestens alle zwei Jahre bewusst, wenn mit den Ergebnissen der PISA-Studie ein Aufschrei durch die Gesellschaft geht. 2008 freute man sich hier zwar, dass die Ergebnisse gegenüber der ersten PISA-Studie sechs Jahre zuvor deutlich besser waren, sah aber noch immer große Lücken in der systematischen Leseförderung. Der „Stern“ zitierte damals den deutschen Pisa-Koordinator Manfred Prenzel, der sagte, der „Glaube, dass man Lesen nur in der Grundschule lerne, sei falsch.“ Dies begründete er damit, dass das Lesen- und Textverständnis die wichtigste Basiskompetenz für das weitere Lernen sei. Doch die Verantwortung der Jugendliteratur geht weit darüber hinaus. Sie öffnet den jungen Menschen die Welt, lässt sie in Kontakt mit anderen Kulturen kommen, erweitert ihren Horizont (von ihrem Wortschatz ganz zu schweigen), bringt sie zum Nachdenken über sich und die Welt und im besten Fall auch zum kritischen Hinterfragen. In Zeiten, in denen Fernsehen und Internet unkritisch und ohne jegliche Grenzen konsumiert werden, erhalten Bücher so eine in jeder Hinsicht wichtige Funktion.

 

Deutscher Jugendliteraturpreis Baby beim LesenZwei Jahre später, wiederum als Konsequenz aus der PISA-Studie, startete die damalige Bildungsministerin – und damalige Stifterin des Deutschen Jugendliteraturpreises – Annette Schavan deshalb ein neues Programm zur Leseförderung. 26 Millionen Euro investierte der Bund in die Aktion „Lesestart“, die Kinder aus sozialen Brennpunkten bereits vor der Einschulung an Bücher heranführen und zum Selberlesen ermuntern sollte. Das mehrstufige Programm gibt Eltern und Kinder Lesestart-Sets mit auf den Weg. So erhalten die Eltern von Einjährigen Vorleseempfehlungen. Später gibt es dann Lesestart-Sets, mit denen die Kinder selbstständig die Welt der Bücher erobern können. Warum das so wichtig ist, zeigte die Vorlesestudie 2011 der Stiftung Lesen. Demnach lesen Kinder und Jugendliche, denen in der Kindheit vorgelesen wurde, nicht nur länger, häufiger und mit mehr Spaß, wenn sie älter werden. Sie sind auch im Durchschnitt um eine drittel Schulnote besser als Gleichaltrige, denen nicht vorgelesen wurde, musischer, kreativer und körperlich aktiver.  Lesen Sie mehr darüber in unserem Topthema Kinderbücher für eine glückliche Kindheit

 

So bestimmt der Deutsche Jugendliteraturpreis seine Sieger


Genau dieser Verantwortung für die Zukunft der jungen Leser versucht der Deutsche Jugendliteraturpreis Jahr für Jahr gerecht zu werden. Bücher, die mit der begehrten Auszeichnung – einer Bronzeskulptur, die Michael Endes Romanfigur Momo nachempfunden ist – gewürdigt worden sind, sind immer tolle Geschenkideen für kleine Bücherwürmer. Und wer sich für ein Kinderbuch als Geschenk entscheidet, der möchte etwas verschenken, was nicht nur Spaß macht, unterhält und fesselt, er möchte vielleicht auch, dass das Kind lange etwas von dem Buch hat, ihm etwas wichtiges entnimmt, aus ihm etwas über das Leben lernt. Die Jury für den Deutschen Jugendliteraturpreis setzt sich deshalb zur einen Hälfte aus jungen Lesern zusammen und zur anderen aus erwachsenen Kritikern. Die Jugendjury zum Deutschen Jugendliteraturpreis besteht aus ca. 100 Jugendlichen, die in Leseclubs in ihrer Heimat organisiert sind. Alle zwei Jahre werden sechs Leseclubs aus allen Teilen Deutschlands ausgewählt, deren Mitglieder dann die Jugendjury stellen. Die Kritikerjury wird vom Vorstand des Arbeitskreises für Jugendliteratur gewählt. Die acht Juroren und der Vorsitzende sind alles ausgewählte Fachleute der Sparten Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch. Beide Jurys arbeiten vollkommen unabhängig voneinander, treten aber immer wieder in Austausch miteinander, um wirklich die besten Kinder- und Jugendbücher zu finden. So befruchten das unmittelbare Leseerlebnis der jungen Zielgruppe und ihre Begeisterung für einzelne Bücher die Expertenauswahl der Kritikerjury – und umgekehrt. Von allen Buchpreisen Deutschlands ist dies wohl der Demokratischste. Eben ein Buchpreis, der zeigt, wie es richtig geht.

 

Auswahl der Preisträger des Deutschen Jugendliteraturpreises


Deutscher Jugendliteraturpreis Mädchen mit BuchDer Deutsche Jugendliteraturpreis wird in verschiedenen Kategorien vergeben, die sich seit 1956 immer wieder geändert haben. Derzeit werden Preise für das beste Bilderbuch, das beste Kinderbuch, das beste Jugendbuch, das beste Sachbuch, der Preis der Jugendjury und ein Sonderpreis vergeben. Nominiert werden nationale und internationale Bücher, aktuelle und klassische Bücher. So standen zum Beispiel 2005 sowohl Anna Gavalda (für „35 Kilo Hoffnung“) als auch Johann Wolfgang von Goethe (für „Meeres Stille und Glückliche Fahrt“) auf der Nominierungsliste. Weitere Nominierte der vergangenen Jahre waren Jonathan Stroud (für „Das Amulett von Samarkand. Bartimäus 01“), Kate DiCamillo (für „Despereaux. Von einem, der auszog das Fürchten zu verlernen“), John Green (für „Eine wie Alaska“ und "Margos Spuren"), Reif Larsen (für „Die Karte meiner Träume“), Mirjam Pressler (für „Nathan und seine Kinder“), Paolo Giordano (für „Die Einsamkeit der Primzahlen“), Janne Teller (für „Nichts“), Lauren Oliver (für „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“), Stein Erik Lunde (für „Papas Arme sind ein Boot“) und Finn-Ole Heinrich (für „Frerk, du Zwerg!“). Preisträger, die in den vergangenen Jahren den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten haben, waren Wolfgang Herrndorf (für „Tschick“, 2011), Jean Regnaud (für „Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen“, 2010), Suzanne Collins (für „Die Tribute von Panem“, 2010), Markus Zusak (für „Die Bücherdiebin“, 2009 und „Der Joker“, 2007) und Holly-Jane Rahlens (für „Prinz William, Maximilian Minsky und ich“, 2003).

2013 wurden wurden Jon Klassens „Wo ist mein Hut?“ (Sparte Bilderbuch), Frank Cottrell Boyce' „Der unvergessene Mantel“ (Sparte Kinderbuch), Tamta Melaschwilis „Abzählen“ (Sparte Jugendbuch), Reinhard Kleists „Der Boxer. Die wahre Geschichte des Hertzko Haft“ (Sparte Sachbuch) und John Greens „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (Preis der Jugendjury) mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Andreas Steinhöfel erhielt den Sonderpreis für sein Gesamtwerk.

 

Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2015

Jugendbuch:

Bilderbuch

Kinderbuch

Sachbuch

 

Preisträger Jugendliteraturpreis 2015


Wir gratulieren den Gewinnern!

 

Ein weiterer relevanter Jugendliteraturpreis ist übrigens der LUCHS. Jeden Monat zeichnen die ZEIT und Radio Bremen ein Kinder- oder Jugendbuch mit dem LUCHS-Preis aus. Aus diesen zwölf Büchern wird dann am Ende des Jahres der LUCHS des Jahres ausgewählt. 2014 wurden folgende Bücher mit dem LUCHS ausgezeichnet:

 

 

Den LUCHS des Jahres 2014 erhielt "Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt" von Finn-Ole Heinrich.

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