Die Geheimformel für Bestseller

 

Wer viel liest, kennt das: Überall prangt das Prädikat „Bestseller“, doch tief in einem da brodelt diese Sehnsucht nach dem einen Buch, das so sehr packt, dass man es nicht aus der Hand legen kann, das Buch, das einen die ganze Nacht wach hält und dass im tiefsten Inneren Gefühle auslöst, an einem Ort, der von anderen Büchern unberührt bleibt. Wenn man sich ein Buch wünschen dürfte, das perfekte Buch, den Bestseller schlechthin, dann wäre es doch genau so ein Buch. Ein Buch, das die Leser kalt lässt, kann kein Bestseller sein. Auch wenn der Verlag es noch so sehr hyped, auch wenn die Presse es noch so sehr lobt.

 

Es gibt eine Stelle im Herzen der Leser, die das Buch erreichen muss. Die mag bei jedem ein bisschen anders aussehen, sich anders anfühlen und anders reagieren, doch sie ist da. Der eine spürt, wie ein Liebesroman zu dieser Stelle vordringt, für den anderen ist es ein Psychothriller, der ihn vor Angst schüttelt, für den Dritten ist es ein Fantasy-Roman, der wie kein anderer das ewig Gleiche des Alltags verblassen lässt. Wir haben uns einmal die Bestseller der vergangenen Jahre angesehen und versucht, aus Ihnen eine Art Formel für Bestseller abzuleiten. Eine Formel, die allgemeine Gültigkeit besitzt und sich nicht durch Genres verwässern lässt. Eine Formel, die man einem Schriftsteller seiner Wahl in die Hand drücken könnte, mit sehnendem Herzen, auf dass er genau das Buch schreibt, das bislang gefehlt hat, den Bestseller, der diesen Namen auch wirklich verdient hat.

 

Ab wann ist ein Buch eigentlich ein Bestseller?

 

Bevor wir damit beginnen, jedoch kurz ein allgemeiner Hinweis zum Verständnis des Begriffs Bestseller: Ein Bestseller ist ein Buch dann, wenn es sich häufiger als 100.000 Mal verkauft hat. 100.000 Leser, das sind so viele Menschen, wie eine kleine Großstadt – wie Salzgitter, Cottbus oder Hildesheim – an Einwohnern hat. Nicht so wahnsinnig viel eigentlich, denkt man im ersten Moment. Doch stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten für etwas, das Sie gesagt haben, 100.000 Mal Zustimmung finden, 100.000 Menschen, die Ihre Aussage unterschreiben würden, die Sie vielleicht sogar weitertragen würden. Dann wird es schon schwierig und man empfindet Respekt vor dem Konzept des Bestsellers. Man darf zwar nicht unterschätzen, dass auch der Verlag mit seinen gewaltigen Marketing-Apparaten, mit seinen Kontakten und Strategien, enormen Einfluss darauf nehmen kann, welches Buch ein Bestseller wird und welches nicht, doch es muss letztendlich doch etwas am Buch sein, das die Menschen dazu anhält, es weiterzuempfehlen. In Zeiten des Internets kann eine Buchhandlung noch so viel Werbung für ein bestimmtes Buch machen, können die Zeitschriften und Zeitungen noch so viele Werbeseiten und gute Rezensionen drucken – wenn die Kritik der Leser bei Amazon und anderen Online-Portalen schlecht ausfällt, fällt das Buch unten durch und schafft es niemals auf die SPIEGEL Bestseller Liste. Eine Katastrophe für die Verlage, die einen Großteil ihres Umsatzes mit einigen wenigen Spitzentiteln verdienen. Unterschätzen Sie also niemals die Macht der Mundpropaganda. Wie also schafft man es auf die Bestsellerlisten?

 

Ein Buch, das es zum Beispiel auf die SPIEGEL Bestseller Liste schafft, ist vor allem eines nicht: langweilig. Langeweile ist – kurz und knapp gesagt – der größte Feind des Buches, denn neben allem anderen, was ein gutes Buch leisten kann, steht doch die Unterhaltung ganz weit vorne. Der Leser will unterhalten werden, in die Geschichte hineingezogen werden, gebannt, gefesselt und manchmal vor Spannung gefoltert werden. Es ist eine süße Marter, an einem sogenannten Cliffhanger zu baumeln, jenem offenen Ende eines Kapitels (oder gar Buches), bevor sich der Autor mit schelmischem Grinsen einer anderen Szenerie zuwendet. Dann nämlich wird das Buch im wahrsten Sinne zu Pageturner – vielleicht auch deshalb, weil der Leser die Füße nicht stillhalten kann und schon mal durch die Seiten nach vorne blättert, um die Spannung, die ihn beinahe um den Verstand bringt, zu lindern. Der genussvolle Leser aber weiß diese Spannung zu schätzen. Er weiß, der Autor will nur das Beste für ihn. Er will ihn unterhalten.

 

Wie schreibt man denn nun Bestseller-Bücher?

 

Dass das natürlich nicht mit Geschichten geht, die man schon 100 Mal in dieser oder jener Form gelesen, gehört und gesehen hat, sollte jedem klar sein. Natürlich sind alle Bücher auf ihre Weise Variationen eines Archetypen-Buches. Es gibt so etwas wie literarische, dramaturgische Schablonen, die schon seit der Antike bekannt waren, und die dem Leser vertraut sind. Er weiß also, was er von bestimmten Genres zu erwarten hat. Wird es ein Happy End geben oder nicht? Werden sich die Liebenden bekommen oder nicht? Wird der Held gewinnen oder nicht? Doch die ewig gleiche Geschichte wird niemals zum Bestseller werden. Auf die Bestsellerlisten kommen Bücher, die innovativ sind, die etwas Neues wagen, überraschen. Mitten in solch einem Buch mag man aufblicken und denken: Warum ist da bislang noch niemand drauf gekommen? Warum hat es so lange gedauert, bis so eine Geschichte erzählt wurde? Oder bis diese Geschichte SO erzählt wurde? Schon Blaire Pascal hat gesagt: „Die besten Bücher sind die, von denen jeder Leser meint, er hätte sie selbst machen können.“ Sie fügen sich so harmonisch ineinander, sind überraschend neu, aber doch so stimmig in sich. So ein Buch empfiehlt man doch gerne weiter.

 

Es reicht also nicht, auf einen aktuellen Trend aufzuspringen und die gleiche Geschichte noch einmal zu erzählen. Nur wenige Vampirromane werden es schaffen, an den Erfolg von „Twilight“ anzuknüpfen – was nicht heißt, dass es nicht bereits zahllose Male versucht worden ist – und auch im breiten Feld der Erotikromane gibt es eben nur ein „Shades of Grey“, das zum weltweiten Bestseller wird. Im Genre der Fantasyromane reicht es nicht, einen Zauberlehrling auszubuddeln, um mit dem Erfolg von Harry Potter mithalten zu können, und nicht jede Geschichte um ein uraltes Geheimnis der Bibelgeschichte kann mit den Bestseller-Büchern von Dan Brown mithalten. Ken Follett wurde übrigens von der Zeitung „Die Welt“ gefragt, wie man einen Bestseller schreibt – mit zahllosen Bestsellern in der eigenen Vita muss er es ja wissen – konnte Brown einige nützliche Tipps geben. Natürlich erwähnt auch er, dass es für ein erfolgreiches Buch eine sympathische Hauptfigur braucht, einen spannenden Charakter, dem man durch die Geschichte folgen will, einen zentralen Konflikt, der für den Leser relevant ist und mit dem er sich identifizieren kann.

 

Unsere Formel für den absoluten Bestseller

 

Doch darüber hinaus sagt Follett hier etwas, was wohl direkt mit dem eingangs thematisierten Gefühl des Berührtseins korrespondiert: „So sind tatsächlich viele meiner Entscheidungen, was das Personal und das Setting meiner Figuren angeht, der Tatsache geschuldet, dass ich eine riesige Leserschaft unterhalten will. [...] es liegt eine ungeheure Befriedigung darin, Menschen Freude zu bereiten. Vielleicht ist es mit dem Schreiben etwas Ähnliches: Ich setzte mir ein Ziel, ich stelle die Zutaten zusammen, ich muss dafür sorgen, dass alles ein gutes Ganzes ergibt, und dafür gibt es Anerkennung.“ Es braucht einen Autor, der auch unterhalten will, dem es nicht nur um das Geld geht, das man mit einem Bestseller zweifelsohne verdienen kann. Einen Autor, der Spaß am Schreiben hat, der sich selbst treu bleibt und das tut, was er kann und mag. Kommen all diese Faktoren zusammen, dann kann man wohl von der Bestseller-Formel sprechen. Man nehme:

 

Einen Autor mit dem Wunsch zu unterhalten + eine innovative Idee + einen (oder mehrere) sympathische(n) Helden + einen Konflikt, der den Leser in den Bann zieht + eine geballte Ladung Spannung + X


Wobei X jene kleine Variable ist, die man wohl niemals beeinflussen kann. Sei es Glück, sei es Timing, sei es ein besonders guter Verlag, ein besonders einflussreicher Fürsprecher, eine glückliche Fügung von Ereignissen oder einfach Schicksal oder Genie. Dann schon steht dem Bestseller nichts mehr im Wege.

 

Die SPIEGEL-Bestsellerliste – Das Maß aller Dinge

 

Und dann schafft das Buch es auch sicher auf die begehrte Bestsellerliste des SPIEGELs. Sie ist, wie die Bestsellerliste der New York Times in den USA, das Maß aller Dinge für Bestseller in Deutschland. Seit 1972 ermittelt der „buchreport“, eine Fachzeitschrift für den deutschen Buchhandel, die Bestsellerlisten für das Magazin SPIEGEL, in dem sie dann veröffentlicht werden. Berücksichtigt werden dabei die tatsächlichen Verkaufszahlen von Hardcover- und Taschenbüchern, basierend auf den Zahlen von 400 als repräsentativ geltenden Buchhandlungen überall in Deutschland. Hierfür überträgt das Warenwirtschaftssystem der Buchhandlungen die Informationen direkt auf den Server der Bestsellerliste von SPIEGEL, wo die Verkaufszahlen direkt den Titeln zugeordnet werden. Die SPIEGEL Bestseller Liste gilt deshalb als sehr präzise und hat in Deutschland nur eine Konkurrentin: die Liste der Zeitschrift „Focus“, die wiederum von Media Control erstellt wird.

 

Diese Bücher haben es zum Beispiel in den letzten Jahren auf die Bestsellerlisten (darunter auch auf die wichtige SPIEGEL Bestseller Liste) gebracht:


Bestseller Kategorie Belletristik

 

Bestseller Thriller und Krimis

 

Bestseller Jugendbuch

 

Bestseller zum Thema Reisen

 

Bestseller Fantasy-Romane

 

Bestseller Gegenwartsliteratur

 

Bestseller historische Romane

 

Bestseller Frauenromane und Liebesromane

 

Lustige Bestseller und Satire

 

 

Bestseller Kategorie Sachbuch


Bestseller über Politik und Wirtschaft

 

Bestseller Biographien

 

Bestseller über Geschichte

 

Weitere interessante Sachbuch-Bestseller

 


Das Best-of der Bestseller sind übrigens die meistgelesenen Bücher der vergangenen Jahrzehnte.

DuMont Reiseverlag, Reiseführer, DuMont Reise, Kunst-Reiseführer

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