Die Geschichte der Graphic Novels

 

Zielgruppe des Genres sind ganz eindeutig Erwachsene. Im Gegensatz zu normalen Comics, die sich vorwiegend an Kinder und Jugendliche richten, nehmen sie kaum Rücksicht auf Aspekte des Jugendschutzes, sondern greifen in Inhalt und Bildern Themen aus der Erwachsenenwelt auf. Bestes Beispiel dafür sind die japanischen Manga, in denen Sex und Gewalt den Inhalt den Inhalt der meisten Geschichten dominieren. Damit stehen die modernen Comics in guter Tradition: Gerade in den 60er Jahren, als die ersten Comics, die sich ausschließlich an ein erwachsenes Publikum richteten, auf den Markt kamen (unter dem Begriff „Underground Comix“) lag der inhaltliche Schwerpunkt auf erotischen und pornographischen Darstellungen. Im Sinne der 68-Generation revoltierten sie gegen das Establishment, propagierten die freie Liebe und brachen mit sexuellen Tabus. Erst nachdem diese Phase des Aufbegehrens überstanden war, begannen die Comics für Erwachsene auch, ernsthafte Themen aufzugreifen und Lebenserfahrungen zu reflektieren. Waren zuvor Fantasy- und Science-Fiction-Elemente ein Muss für jeden guten Comic, wurden nun verstärkt auch alltägliche Themen und Sorgen sowie eigene Erlebnisse in den Vordergrund gerückt.

 

Bild schlägt Text: Der Reiz der Graphic Novels

Dies tun ja auch normale Romane. Warum dann also Graphic Novels? Ihr besonderer Reiz liegt in ihren erzählerischen Möglichkeiten. Ein Comic funktioniert wie ein Film: Während bei diesem aber die einzelnen Bilder in so schneller Reihenfolge abgespielt werden, dass sie vom Zuschauer als ein bewegtes Bild wahrgenommen werden, werden die Comic-Panels nur in der Phantasie des Lesers zusammengefügt. Auch das geschieht – in etwas anderer Form – beim Lesen eines reinen Textromans. Hier aber wird das visuelle Element stärker betont. So wendet der Comiczeichner dramaturgische Elemente an, wie sie auch aus dem Film bekannt sind. Er kann zum Beispiel durch unterschiedliche Einstellungsgrößen (Totale, Halbtotale, Nahe) einzelne Aspekte betonen oder die Perspektive wechseln, um damit einen Subkontext hervorzuheben.

 

Andy Warhol & Co.: Comics als Form der modernen Kunst

Kein Wunder also, dass bestimmte Comics sogar als eigenständige Kunstform akzeptiert werden. So taten sich zum Beispiel schon herausragende Künstler der Pop-Art – Roy Lichtenstein und Andy Warhol –als Comic-Künstler hervor. Natürlich sind Comics Massenware und unterscheiden sich allein schon dadurch von klassischen Kunstwerken, die in der Regel einzigartig sind. Doch auch hier entsteht mitunter mit viel Kreativität und Individualität Kunst. Anke Feuchtenberger beispielsweise zeichnete phantastisch-surreale Szenarien, die sich mit Lebenszyklen, Entfremdung oder Prostitution befassen. Und Thomas Ott wendete eine düstere Schabkartontechnik an, bei der die Linien mit einer Nadel aus einem schwarz beschichteten, ursprünglich weißen Karton herausgekratzt wurden. Beide Comics haben einen extrem hohen Wiedererkennungswert – und sind damit Kunst.

 

Es ist also endgültig Zeit, den Comic aus seiner Nische als triviale Kinderunterhaltung, als Schundblatt oder billige Massenware herauszuholen! Wir stellen Ihnen einige der besten Comics für Erwachsene vor.

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