Ein Hoch auf den Welttag des Buches

 

Jedes Jahr am 23. April wird der Welttag des Buches gefeiert, ein Tag, der offiziell und allgemein anerkannt nur einem gewidmet ist: dem Buch und dem geschriebenen Wort. Es ist der Tag, an dem man Literatur feiert, sich bewusst wird, welchen Stellenwert sie hat und auch jene zum Lesen auffordert, die bislang um Bücher eher einen großen Bogen gemacht haben. Und davon gibt es erstaunlich viele Menschen! 2009 schrieb das Magazin „Focus“: „Jeder Vierte in Deutschland nimmt nie ein Buch zur Hand.“ Doch das soll sich ändern, wenn es nach den Initiatoren des Welttags des Buches geht. Denn noch mehr als für die ohnehin lesebegeisterten Menschen ist dieser offizielle Feiertag für das Buch ein Tag, an dem aus Nichtlesern Leser werden sollen.

 

Die schöne Idee hinter dem Welttag des Buches

 

Die Grundidee hinter dem Welttag des Buches ist deshalb eine denkbar einfache: Verschenke ein Buch. Denn wie ließe sich Literatur besser feiern, als sie mit anderen zu teilen, als dafür zu sorgen, dass sie von möglichst vielen Menschen gelesen wird? In Katalonien gibt es schon seit Jahrhunderten den Brauch, am 23. April, dem Georgstag, Rosen und Bücher zu verschenken. An Sant Jordi, dem 23. April, feiern die Katalanen nämlich den Tag der Verliebten und den Tag der Bücher. Liebe und Bücher hängen hier eng zusammen:  Als Zeichen der Zuneigung schenkt man entweder eine Rose oder ein Buch. Auf literaturtipps.de sind wir uns einig, dass das Buch das definitiv bessere Geschenk ist: Man hat einfach viel länger etwas davon. Bücher sind perfekte Geschenkideen, zeigen sie doch, dass man den Anderen wertschätzt und ihm etwas für das Leben mitgeben möchte.

 

Diese Idee greift auch der Welttag des Buches auf und macht sie zum globalen Erlebnis. In Deutschland sind es vor allem der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Stiftung Lesen, die sich an jedem 23. April darum bemühen, das Lesen noch populärer zu machen. Die Stiftung Lesen gilt als Vorreiter in Sachen Lesebildung und ermittelt alljährlich in der Vorlesestudie, wie wichtig schon das Lernen mit dem Bilderbuch ist, um den Boden für die spätere Freude am Lesen zu bereiten. Anlässlich des Welttags des Buches erhalten Schulklassen der Klassenstufen 4 und 5 spezielle Buch-Gutscheine. Jedes Jahr wird eigens dafür dann ein Buch geschrieben. 2013 war es zum Beispiel der Kurzroman „Der Wald der Abenteuer“, der dann an Tausende von Schülern in Deutschland kostenlos vergeben wurde.

 

Zum Welttag des Buches Leseglück verschenken

 

Im Jahr 2013 erreichte die Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ zum Welttag des Buches eine absolute Rekordbeteiligung: 32.000 Schulklassen mit insgesamt 1,1 Millionen Schülern nahmen an der Aktion teil. 2014 durften sich die Schüler dann auf „Die Jagd nach dem Leuchtkristall“ freuen. In dem Fantasy-Abenteuer spielen ein rätselhafter Brief und ein gestohlener Leuchtkristall eine Rolle. Ein herrlicher Abenteuerroman, ganz im Stile der Indianer Jones-Filme, in dem die Zwillinge Anne und Christian die Welt retten müssen. Zusätzlich zu den Büchern gibt es für die Lehrer begleitendes Unterrichtsmaterial mit Ideen, Arbeitsblättern und Lesetipps rund um das Welttags-Thema. Ausdrücklicher Wunsch des Börsenvereins und der Stiftung Lesen ist es dabei jedoch, dass nicht die Lehrer ganze Klassensätze aus der Buchhandlung abholen, sondern dass die Schüler selbst den Buchladen besuchen und beim Stöbern auf den Geschmack kommen.

 

Hier finden Sie die Bücher der Reihe „Ich schenk dir eine Geschichte“ zum Welttag des Buches:

 

Doch nicht nur die Viert- und Fünftklässler profitieren vom Welttag des Buches. Seit 2012 ist „Vorsicht Buch!“ ein Kooperationspartner des Welttages. In der Aktion „Lesefreunde“ schenken Bücherfans ihren Freunden und Bekannten Bücher und „infizieren“ sie so ebenfalls mit dem Lesefieber. Jährlich werden so bis zu 40.000 Menschen erreicht. Mitmachen ist ganz einfach: Lese-Fans registrieren sich auf www.welttag-des-buches.de für eines der Bücher, die dort zur Auswahl stehen. Die Gewinner der Aktion erhalten dann je zehn Exemplare ihres Wunschbuches, die sie an Freunde und Familie verschenken dürfen. 2014 standen dort folgende Bücher zur Auswahl:

 

 

Diese Bücher können Sie natürlich nicht nur zum Welttag des Buches verschenken, sondern auch dann, wenn Sie während der restlichen 364 Tage im Jahr andere Menschen für das Lesen begeistern wollen.

 

Für 2015 verkündete der Börsenverein des Deutschen Buchhandels jedoch: "Die Aktion „Lesefreunde“, die 2012 und 2014 Hunderttausende begeistert hat, wird leider nicht zu den diesjährigen Welttags-Aktionen gehören, denn eine solche große und aufwändige Initiative ist nicht jedes Jahr umsetzbar."

 

Was der Welttag des Buches leisten kann

 

Warum man mit der Leseförderung oder - um diesen trockenen Begriff durch einen schöneren zu ersetzen - mit dem Wecken der Begeisterung für das Lesen gar nicht früh genug anfangen kann, ist offensichtlich und die Frage, warum wir Bücher lesen, stellt sich den meisten Lesefreunden eigentlich gar nicht. Da ist zum einen die viel beschworene Bildung, die im Lesen praktisch nebenbei geschieht. Wer viel liest, erweitert seinen Horizont ungemein. Er verlässt die Welt des Alltäglichen, dessen, was er jeden Tag sieht und erlebt, hört, riecht und erfährt, und taucht an Orte ab, die er vielleicht niemals sehen wird, die es vielleicht überhaupt gar nicht gibt. Das regt die Fantasie an, inspiriert zum Schaffen eigener Traumwelten, fordert die eigene Vorstellung und macht das Lesen zu einem eigenständigen kreativen Prozess.

 

Kann man einem Kind in Zeiten ununterbrochener medialer Berieselung etwas Schöneres schenken als die Fähigkeit, die eigene Vorstellungskraft zu verwenden, Fantasiewelten zu erschaffen und zu träumen? Die Antwort ist nein – und dafür gibt es den Welttag des Buches. Für all die Dinge, die Spaß machen am Lesen und die aus Nicht- und Gelegenheitslesern schnell einmal Bücherwürmer werden lassen. Dass sich ganz nebenbei die eigene Ausdrucksfähigkeit verbessert, der Wortschatz ungemein erweitert und die Grammatik aufpoliert wird, das braucht man ja keinem Kind zu sagen, wenn man ihm ein Buch in die Hand drückt. Das würde den jungen Leser wahrscheinlich nur abschrecken, wenn er zum ersten Mal erleben soll, welcher Zauber sich zwischen zwei Buchdeckeln verstecken kann.

 

Doch der Welttag des Buches ist nicht nur für das individuelle Leseglück des Einzelnen geschaffen worden. Auch gesamtgesellschaftlich profitieren wir davon, wenn es mehr Leser als Nichtleser gibt, wenn die Literatur ein fester Bestandteil der Gesellschaft ist und wenn sie sich nicht von schlechten TV-Formaten verdrängen lässt. Literatur stiftet Identität – und zwar über die Grenzen von Zeit und Raum hinweg. Wir können heute Bücher, Texte und Gedichte lesen, die vor mehr als 600 Jahren verfasst worden sind, und so einen Eindruck davon bekommen, woher wir kommen. Wer wir sind, erfahren wir, wenn wir uns im Kontext der Gegenwartsliteratur betrachten. Literatur als Ganzes gibt uns Halt, erklärt uns die Welt, schafft ein Gebilde aus Werten und Normen, das uns Sicherheit gibt.

 

Das war schon immer so – sogar noch vor der Erfindung der Schrift. Das Geschichtenerzählen und –hören ist ein fester Bestandteil der menschlichen Kultur, sogar ein elementares Bedürfnis, ähnlich dem Essen und Trinken. Rein physisch scheint es zum Überleben nicht notwendig zu sein, doch psychisch ist es unverzichtbar. Ohne Geschichten können Menschen nicht überleben, kann es keine zivilisierte Gesellschaft geben. Geschichten vermitteln vorgefertigte Identitätspakete, an denen wir uns bei der Bewältigung des Lebens immer wieder orientieren können. Ohne Geschichten würden wir uns kaum von den Tieren unterscheiden. Auch dafür gibt es den Welttag des Buches: Um dafür zu sorgen, dass es immer Geschichten geben wird, Menschen, die sie schreiben und Menschen, die sie lesen werden. Ein Hoch auf die Literatur am Welttag des Buches!

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