Ewig siegt die Liebe: Geschichte der Liebesromane

 

Herz in einem LiebesromanLiebesromane sind wohl eine der umstrittensten Gattungen der Literatur: Von den Einen voller Begierde verschlungen und zu Bestsellern erkoren – von den Anderen als Trivialliteratur verachtet. Doch wirklich wegzudenken sind die Liebesromane aus der Literatur nicht. Die Gattung ist dabei fast so alt wie das geschriebene Wort selbst. Kein anderes Gefühl ist so übermächtig wie die Liebe, kein anderes ergreift in diesem Maße, bricht sich seinen Weg und will so ungestüm in die Welt hinaus geschrien werden wie die Liebe. Natürlich sprechen wir bei den ersten Stücken der Liebesliteratur noch nicht von Liebesromanen in dem Sinne, wie sie heute unter den Bestsellern zu finden sind.

 

Unsere heutigen Liebesromane haben ihren Ursprung in den romantischen Romanen der griechischen und römischen Antike, in den Tragödien über Chaireas und Kallirhoe, über Daphnis und Chloe, Theagenes und Charikleia. Dass diese Werke heute – nach beinahe 2.000 Jahren - aber nur noch wenige Leserherzen zum Schmelzen bringen, ist nicht weiter verwunderlich. Am bekanntesten ist dabei wohl der Liebesroman „Daphnis und Chloe“ des sophistischen Rhetors Longos, den er im 3. Jahrhundert auf der Insel Lesbos schrieb. Die Geschichte handelt – wie dem Titel schon zu entnehmen ist – von zwei Findelkindern, die in der ländlichen Idylle der Insel Lesbos aufwachsen, dann schmerzhaft voneinander getrennt werden und schließlich wieder zueinander gelangen und glücklich zusammen sein dürfen.

 

Liebesromane zwischen Mittelalter und Romantik

 

Schon hier zeigt sich, dass ein wichtiges Gattungsmerkmal der Liebesromane der Fakt ist, dass die Liebenden am Ende zusammen sein können. Das Buch endet im schönsten Glück und blendet aus, dass eine Liebe aus Höhen und Tiefen besteht und die Harmonie nicht ewig anhalten wird. Im Mittelalter gab es zusätzlich zu den Geschichten von großer Liebe die sogenannte Minne, die höfische Liebe, in der es nicht wirklich um Leidenschaft und Begehren ging, sondern in der die Dichter formvollendet einer adligen Dame huldigten. Es ist die platonische Liebe, die ein tugendhafter Ritter für eine adlige Dame empfindet, mit der er sich ihr unterwirft und um ihre Gunst wirbt. Im starken Gegensatz dazu stehen dann die Werke von William Shakespeare. Hier kennt die Liebe keine Grenzen – weder Standesgrenzen noch Grenzen der Vernunft. Nicht einmal der Tod stellt ein Hindernis für die große Liebe zwischen Romeo und Julia dar. In seinen Tragödien schuf Shakespeare das Sinnbild der Liebe und noch heute nehmen Liebesromane nur zu gern Bezug auf die Texte des großen Dichters. Im 17. und 18. Jahrhundert dann, zur Zeit der Romantik, erlebte der Liebesroman seine Blütezeit. „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang von Goethe, ein romantischer Briefroman, wurde zum Inbegriff dessen, was Liebe für die Romantiker bedeutete: eine Liebe, für die es sich zu sterben lohnte. Kurz nach dem Erscheinen des Liebesromans stürzten sich dann auch viele unglücklich verliebte junge Menschen in den Tod.

 

Die modernen Liebesromane von Austen bis Ahern

 

 

Happy End in einem LiebesromanEine ganz neue Generation von Liebesromanen begründete dann die englische Autorin Jane Austen. Sie schrieb aus der Sicht einer Frau – damals ein relativ neues Phänomen – und brache einen spöttischen Humor in das Genre, der sich bis heute in Liebesromanen großer Beliebtheit erfreut. „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ ist ein gutes Beispiel dafür. Neben Austens Romanen „Verstand und Gefühl“ und „Stolz und Vorurteil“ waren es im 19. Jahrhundert auch die Romane von Emily und Charlotte Brontë, die den Liebesroman prägten: „Jane Eyre“ und „Sturmhöhe“ sind Klassiker der Weltliteratur und noch heute sehr beliebte Liebesromane. Im 20. Jahrhundert dann setzte eine starke Trivialisierung des Genres ein, die sich schon in den vergangenen Jahrhunderten angekündigt hatte, sich jedoch erst mit der Massenproduktion von Büchern und der Digitalisierung im 21. Jahrhundert voll entfalten konnte. Bis dahin waren triviale Liebesromane als Flugzettel oder lose Heftchen im Umlauf gewesen. Doch seitdem es für die Reproduktion von Büchern kaum noch Grenzen gibt, erleben vor allem die Liebesromane eine Hochzeit. Sie erfüllen die geheimsten Sehnsüchte ihrer Leserinnen (und Leser), bringen eben jenen Zauber in den Alltag zurück, der in realen Beziehungen oft nach einigen Jahren verfliegt und wirken so wie eine Droge, von der man einfach nicht genug bekommen kann.

 

Neben Liebesromanen, die noch immer der Hochliteratur zuzuordnen sind – wie Georgette Heyers „Der schwarze Falter“ (1921), Margaret Mitchells „Vom Winde verweht“ (1936), Anne Golons „Angelique“ und Haruki Murakamis „Sputnik Sweetheart“ (1999) – sind es heute Autoren wie Sophie Kinsella, Kerstin Gier, Nora Roberts, Nicholas Sparks, Daniel Glattauer, Stephenie Meyer, Susan Elizabeth Phillips, Marc Levy und Cecelia Ahern, die das Genre des Liebesromans vorantreiben und dabei immer wieder Bestseller hervorbringen. Hinzu kommt seit 2012 ein neues Phänomen: Mit „Shades of Grey“ hat E.L. James eine ganz neue Generation der Liebesromane erschaffen. Hier trifft Liebe auf Tabus, Romantik auf knallharte Erotik.

 

Über das literarische Niveau von „Shades of Grey“ kann man streiten, aber dass die Erotik die Liebesromane zu dominieren beginnt, ist nicht zu leugnen. Darüber hinaus tummeln sich Vampire und andere Fantasy-Gestalten in den neusten Bestsellern unter den Liebesromanen. Geheimste Phantasien und große Sehnsüchte werden so in Büchern erfahrbar, die man dann kaum noch aus der Hand legen mag. So ist eines auf jeden Fall sicher: Liebesromane werden nicht aussterben. Nicht so lange es noch immer Frauen (und Männer) gibt, die sich nach der ganz großen Liebe sehnen und ihre Phantasien wenigstens in Buchform ausleben wollen. Wie auch immer diese Phantasie dann eben aussieht...

 

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