Hundeerziehung: Führerschein für die Hundehaltung

 

Frau kuschelt mit Hund bei HundeerziehungEs ist ein Phänomen, das sich nur sehr schwer erklären lässt, wenn man sich noch nie näher mit dem Thema Hundeerziehung auseinander gesetzt hat: Seit Jahren schon füllt Hundecoach Martin Rütter mit seinen Solo-Programmen Stadthallen und Arenen überall in Deutschland. Seine Bücher zum Thema Hundeerziehung erreichen regelmäßig Bestseller-Status und seine Fernsehsendung „Der Hundeprofi“ auf VOX erfreut sich seit 2008 ordentlicher Einschaltquoten. Rütter weiß, warum, und erklärte im Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ): „Die gesellschaftliche Rolle des Hundes hat sich einfach sehr stark verändert, er besitzt heute einen viel facettenreicheren Stellenwert. Der Hund erfüllt nicht mehr nur Aufgaben als Helfer bei der Arbeit, wie zum Beispiel der Hütehund der Schäfer. Er ist heutzutage häufig ein vollwertiges Familienmitglied, fungiert als Sozialpartner, Spielgefährte, Seelentröster, Alltagshilfe oder Türöffner in die Gesellschaft.“ Das macht die Hundeerziehung wesentlich schwieriger, als sie es noch vor 50 Jahren war. Damals lebten mehr Menschen auf dem Land; die Hunde liefen weitgehend frei herum. Heute müssen sie sich in dicht besiedelten Gegenden, auf engstem Raum mit vielen Menschen und anderen Hunden zurechtfinden. Das stellt nicht nur an den Hund große Anforderungen, sondern auch an sein Herrchen oder Frauchen.

 

Es scheint inzwischen sogar so, als könnte längst nicht mehr jeder Mensch einfach so irgendeinen Hund halten, ohne genau zu wissen, wie er ihn zu erziehen habe. Und sollte es vielleicht auch nicht. Rütter vergleicht das gerne mit dem Autoführerschein: „Mein Vater hatte drei Fahrstunden und hat den Lappen in die Hand gedrückt bekommen. Heute, im Großstadtdschungel, müssen die jungen Leute 20 Fahrstunden absolvieren, bevor sie das erste Mal überhaupt auf die Autobahn dürfen. Die Bedingungen sind heute einfach vielschichtiger und komplizierter.“ Erschwert würde die Situation dadurch, „dass sich viele Menschen immer noch total naiv und unüberlegt einen Hund aussuchen“ würden, wie Rütter der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung erklärte. „Die Auswahl geschieht überwiegend nach optischen oder emotionalen Kriterien. Aber passt der Hund überhaupt zu mir? Sind seine Charaktereigenschaften und Bedürfnisse mit meinem Leben überhaupt vereinbar? Diese Fragen kommen häufig erst dann auf, wenn die Messe schon gelesen ist.“ Dann kommen Hundetrainer wie Rütter selbst zum Einsatz. Hoffnungslose Fälle in der Hundeerziehung habe er aber bislang nur äußerst selten erlebt. Für die meisten Fälle gebe es eine vernünftige, artgerechte Lösung sagt Rütter. Das Komplizierte seien Kommunikationsmissverständnisse zwischen Halter und Hund – und die gelte es, abzubauen.

 

Schwerpunkt in der Hundeerziehung: Kommunikation

 

 

Auch der GU-Ratgeber „300 Fragen zum Hundeverhalten“ sieht in der Kommunikation zwischen Mensch und Hund die meisten Probleme und hat deshalb eine Übersicht der klassischen Fehler in der Mensch-Hund-Kommunikation erstellt. „Der Mensch wirkt häufig durch Mimik, Gestik, Körperhaltung, Lautstärke und andere Signale aus Hundesicht bedrohlich“, heißt es dort. „Aus diesem Gefühl heraus wissen manche Hunde oft keinen anderen Ausweg, als dem Menschen über aggressives Verhalten zu sagen: ‚Geh weg!‘“ Viele dieser Signale würden jedoch missverstanden. So glauben viele Menschen, dass der Hund nach Aufmerksamkeit und menschlicher Nähe sucht, wenn er sich auf den Rücken legt. Dann will er gestreichelt werden, nimmt der Mensch an. Ein gefährlicher Irrtum, wie wir in diesem Ratgeber zur Hundeerziehung nachlesen können, denn Hunde, die auf dem Rücken liegen, wollen nicht immer gestreichelt werden. Genauso wahrscheinlich ist es, dass das Tier damit Unsicherheit, Angst und Stress zum Ausdruck bringen möchte.

 

Fühlt sich der Hund zum Beispiel durch Anstarren bedroht, legt er sich zunächst auf den Bauch und dreht demonstrativ den Kopf weg. Lässt das Bedrohungsgefühl nicht nach, dreht er sich auf den Rücken, zieht die Vorderläufe an und meidet den Blickkontakt zum vermeintlichen Angreifer. Diese Demutshaltung und passive Unterwerfung signalisiert dem Gegenüber, dass der Hund keinen Streit möchte. Beugt sich der Mensch dann in der fehlerhaften Annahme, der Hund wolle gestreichelt werden, auch noch über das Tier, kann es sich zusätzlich bedrängt fühlen. Der Hund wird dann ein Drohverhalten an den Tag legen, den Menschen anknurren oder ihn im schlimmsten Fall sogar beißen.

 

Überhaupt sollte man es vermeiden, den Hund zu bedrängen – sei es in Form engen Körperkontaktes oder durch Anstarren. Direkter Augenkontakt bedeutet in der Hundesprache eine Bedrohung. Sie kann vom Hund als Aufforderung zum Kampf missverstanden werden. Beschwichtigen Sie das Tier, indem Sie ihm eine Hand hinhalten, an der er schnüffeln kann. Weitere Beschwichtigungsgesten, die Sie auch dann anwenden können, wenn sich der Hund durch engen Körperkontakt verunsichert und verängstigt fühlt, sind zur Seite wegschauen und nicht lachen (also keine Zähne zeigen), blinzeln, schmatzen, gähnen, sich über den Mund lecken, sich langsam bewegen, den Hund nicht anfassen und ihn ignorieren. Außerdem nehmen Sie ihm die Angst, indem Sie sich klein machen und ihm – wie bereits erwähnt – die flache Hand zur Geruchsprobe hinhalten. Dies nennt man in der Hundeerziehung nicht umsonst die „Bettlerstellung“. Sie bieten dem Hund einen Friedensvertrag an.

 

Klassische Missverständnisse in der Hundeerziehung


Kinderleichte Hundeerziehung: Mädchen mit HundAuch Pföteln und Schwanzwedeln werden von Menschen häufig falsch interpretiert. Das Schwanzwedeln gilt allgemein als Ausdruck von Freude und Wunsch nach Aufmerksamkeit. Doch genauso gut kann der Hund damit Angst zum Ausdruck bringen oder vor einem Angriff warnen. Hierfür ist es wichtig, den gesamten Hund zu beobachten. In der Regel lässt sich die Stimmung des Tieres aber sehr gut an seiner Schwanzhaltung erkennen. Ist der Hund entspannt, hängt der Schwanz s-förmig gebogen nach unten. Rassetypisch kann diese Haltung variieren: Manche Hunde halten ihren Schwanz aufrecht, andere geringelt oder in Richtung des Kopfes gerichtet. Möchte der Hund imponieren, wird er den Schwanz hoch aufrichten und leicht hin und her bewegen. Wird der Schwanz abgesenkt und wedelt in einer niedrigen bis horizontalen Höhe, warnt der Hund vor einem drohenden Angriff. Wird die Route noch weiter abgesenkt und dann steif gewedelt, ist der Hund zumeist ängstlich-nervös mit aggressiven Tendenzen. Bei Angst, Unterlegenheit und Unterwerfung wird der Schwanz schließlich ruhig zwischen die Beine geklemmt oder mit leichtem Wedeln eng an den Bauch gepresst. All das unterscheidet sich deutlich vom freudigen schnellen Schwanzwedeln mit erhobener Route.

 

Machen Sie bei der Hundeerziehung auch nicht den Fehler, zu glauben, das Pföteln würde den Wunsch nach menschlichem Kontakt zum Ausdruck bringen. Im Gegensatz zum antrainierten Pföteln bedeutet das instinktive Pfoteheben eher Unsicherheit, Angst und Stress. Hier heißt es wieder, sich mit den Beschwichtigungsgesten in der Hundeerziehung behelfen: Wenden Sie den Blick ab, ignorieren Sie den Hund eine Zeit lang, gehen Sie ihm aus dem Weg, bis er sich beruhigt und entspannt hat. Gleiches gilt auch für einen bellenden Hund. Es heißt, Hunde, die bellen, würden nicht beißen, doch häufig ist das Bellen die letzte Warnung vor einem drohenden Angriff. Bleiben Sie deshalb am besten ruhig stehen, bedrängen Sie den Hund weder durch körperliche Nähe noch durch Blickkontakt oder Zureden. Jetzt könnte ihn alles provozieren. Verhalten Sie sich am besten ruhig und ignorieren Sie ihn, bis er erkennt, dass keine Gefahr von Ihnen ausgeht.

 

Erfolgversprechende Hundeerziehung: Tipps


Es gilt also in der Hundeerziehung und im richtigen Umgang mit Hunden, viele kleine Nuancen zu beachten. Darüber hinaus rät Martin Rütter vor allem zu Konsequenz. Und zwar von der ersten Sekunde an. Es bringe nichts, dem Hund am Morgen zu erlauben, auf der Couch zu sitzen, und es ihm abends zu verbieten, nachdem die Wohnung geputzt wurde. Der Hund versteht dann die Welt nicht mehr und seine Unsicherheit kann zu Problemen führen. Des Weiteren ist es Rütter ein Anliegen in der Hundeerziehung, die Menschen davor zu warnen, ihre Hunde allzu sehr zu vermenschlichen. Es sind noch immer Tiere und wer das vergisst, wird ihr Verhalten häufig falsch interpretieren und Probleme provozieren. Der dritte Fehler, vor dem er Hundehalter bewahren will, ist mangelnde Beschäftigung für den Hund. Es sollte sich also nur derjenige einen Hund anschaffen, der Zeit für ihn hat und sich auch tatsächlich mit ihm beschäftigen will. Hunde sind kluge Tiere und sollten entsprechend gefordert werden. Denn auch Langeweile kann langfristig zu Problemen zwischen Menschen und Hunden führen. Dann aber, wenn man all diese Tipps und Tricks in der Hundeerziehung berücksichtig hat, sind Hunde eine große Bereicherung, sagte Rütter in der HAZ. „Ich jedenfalls könnte mir ein Leben ohne Hund nicht vorstellen.“

 

Wenn Ihnen das genauso geht, haben wir hier Ratgeber für die Hundeerziehung und Hundehaltung für Sie zusammengestellt:

Hundefans legen wir außerdem diese Tierromane über den besten Freund des Menschen ans Herz:

DuMont Reiseverlag, Reiseführer, DuMont Reise, Kunst-Reiseführer

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