Reiseberichte als Inspiration

 

Autor von Reiseberichten auf einem AbenteuerWenn jemand Reiseberichte liest, hat er dafür Gründe. Entweder er möchte sich über eine Region informieren, die er zu bereisen plant, oder er möchte eine literarische Reise unternehmen, die er im echten Leben niemals machen würde. In fast jedem von uns schlummert nämlich ein kleiner Abenteurer – auch wenn viele nicht die Zeit, den Mut oder das Geld haben, diesem Sehnen und Hungern nach Abenteuern tatsächlich nachzugeben. Einer Umfrage des Online-Reiseportals lastminute.de schieben 85% der Befragten schon seit Jahren einen unerfüllten Reisetraum vor sich her. Am Abend nach der Arbeit gemütlich auf der Couch sitzen und Reiseberichte lesen, kann diese Sehnsucht – wenigstens zeitweise – stillen. Auch wenn hier mit Nebenwirkungen zu rechnen ist: Wer viele Reiseberichte liest, wird über kurz oder lang vom Fernweh gepackt.

 

Wie Reiseberichte unser Fernweh wecken

 

Dabei sind es die außergewöhnlichen Reiseberichte, die uns fesseln. Bücher und Berichte, die von jenen 5% geschrieben wurden, die, laut lastminute.de, ihren Reiseträumen nachgegeben und die Ferne gesucht haben. Wer würde schon ein Buch über einen Urlaub am Ballermann oder über einen Strandurlaub auf den Kanaren lesen wollen? Auch ein Urlaub an der Ostsee scheint nicht unbedingt dazu geeignet zu sein, Stoff für einen spannenden Reisebericht zu liefern. Hape Kerkeling hat vorgemacht, wie es richtig geht: Reiseberichte, die die Leser begeistern, handeln von Touren, die sich nicht in einen zweiwöchigen All-Inklusive-Urlaub pressen lassen, erzählen nicht von Urlauben, die in komfortablen Hotels verbracht wurden, und sprechen nicht von Sehenswürdigkeiten, die in jedem beliebigen Reiseführer zu finden sind. Hape Kerkeling hat stattdessen die Wanderschuhe geschnürt und ist in 41 Tagen auf dem Jakobsweg von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostella gewandert. Die unglaubliche Resonanz, die sein Buch „Ich bin dann mal weg“, das er 5 Jahre später veröffentlichte, erfuhr, verhalf dem Genre der Reiseberichte zu einem ganz neuen Aufschwung. Seit „Götter, Gräber und Gelehrte“ (1949) hat sich kein deutsches Sachbuch mehr so gut verkauft.

 

Was aber wollten die Menschen lesen, die diesen Reisebericht kauften? War es das Ausbrechen aus dem Alltag, die Tatsache, dass Kerkeling etwas getan hat, was sich die meisten von uns nicht zutrauen würden, wofür wir genügend Ausreden parat hätten und von dem wir glauben würden, es nicht in unseren Alltag integrieren zu können? War es sogar die Sinnsuche, die Selbstfindung, die solch einer Pilgerreise innewohnt? Interessanter Weise ist die Selbstfindung inzwischen nämlich selbst zu einer Art Reiseziel geworden. Man reist in die Ferne, um sich selbst zu finden. Auf ausgetretenen Touristenpfaden geht das nicht. Dort, wo sich zahllose Urlauber dicht an dicht drängen und ihre Urlaubserinnerungen aus der Konserve serviert bekommen, lassen sich keine einmaligen, unvergesslichen Erfahrungen machen, die den Menschen sich selbst näher bringen. Solche Dinge erlebt man nur in extremen Situationen. Zum Beispiel dann, wenn man, wie Hape Kerkeling, einem uralten Pilgerweg folgt. Oder wenn man mit dem Fahrrad von China nach Deutschland fährt, wie Frank Rickus das in seinem Reisebericht „Ab durch die Mitte“ beschreibt, wenn man mit dem Motorrad 14 Monate lang 3 Kontinente durchquert, 26 Länder bereist und mehr als 47 Kilometer zurücklegt, so wie Frauke und Robert Kielstropp („Auf und davon – Auf Motorrädern durch Europa, Asien und Afrika“), oder wenn man, wie Wolfgang Büscher, die 2.500 Kilometer von Berlin nach Moskau wandert.  

 

Reiseberichte inspirieren und machen uns Mut

 

Autor von Reiseberichten auf einem GipfelIn Reiseberichten liest man von Menschen, die bis an ihre Grenzen und noch weiter gegangen sind, von Menschen, die wirklich etwas zu erzählen haben. Sie inspirieren uns und ringen uns unweigerlich Bewunderung ab. Da ist zum Beispiel Nicolas Vanier, der davon träumte, mit seiner Frau und seiner anderthalbjährigen Tochter die Schneewüste Kanadas auf dem Hundeschlitten zu durchqueren. In seinem Reisebericht „Das Schneekind“ lesen wir von diesem waghalsigen Unterfangen, von einem Abenteuer, das so weit ab unseres Alltags ist, dass die meisten von uns gar nicht glauben können, dass es tatsächlich stattgefunden hat. In „Auf der Fährte des Teufels“ folgen wir Tim Butcher auf seiner Reise in das schwarze Herz Afrikas, in den Kongo. Seine Wanderung führt ihn über 300 Kilometer durch eine Region, in die nie ein Tourist vordringt und in der es vor Gefahren und Abenteuern nur so wimmelt. Wer liest, was Butcher zwischen Freetown in Sierra Leone nach Monrovia in Liberia alles gesehen und erlebt hat, der weiß, dass die Zeiten der großen Abenteurer noch nicht vorbei sind und dass es auch heute noch genug Gelegenheiten gibt, Kleine-Jungen-Träume wahr werden zu lassen. Aus normalen Menschen werden auf solchen Touren Helden, Männer und Frauen, die über sich hinaus wachsen und die ihren eigenen Träumen folgen.

 

All das rufen uns Reiseberichte, wie diese, wieder in Erinnerung. Sie sagen uns, dass wir nicht dazu gezwungen sind, Tag ein, Tag aus stupide vor uns hin zu arbeiten und uns 50 Wochen im Jahr auf die zwei Wochen zu freuen, die wir in einem Ferienresort verbringen. Sie mahnen uns, unsere Träume nicht aufzugeben, und ermuntern uns, etwas Verrücktes zu tun, denn wir haben nur dieses eine Leben, in dem wir uns unsere Wünsche erfüllen können. Schon Aurelius Augustinius soll ja gesagt haben: „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Es sollte also nicht dabei bleiben, dass wir Reiseberichte lesen. Irgendwann sollten wir auch die Couch verlassen und selbst Dinge erleben, aus denen sich spannende Reiseberichte verfassen lassen.

 

Hier finden Sie tolle Reiseberichte, die Ihr nächstes Abenteuer inspirieren könnten:

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