Sex-Ratgeber: Underfucked war gestern

 

Ein Paar mit Sex-Ratgeber lacht im BettSex ist überall und umgibt uns täglich. Die Medien sind voll damit – und eigentlich könnte man glauben, dass so etwas wie Sex-Ratgeber für uns längst seine Daseinsberechtigung verloren hätte. Womit wir täglich in allen erdenklichen Ausprägungen zu tun haben – verbal,  optisch und medial – das kann uns nicht fremd sein. Doch das sexuelle Urteil über unsere Gesellschaft ist längst gefallen und hat in dem viel zitierten Satz „oversexed and underfucked“ (Ariadne von Schirach) sein Fazit erreicht: Wir reden ständig über Sex – thematisieren ihn sogar hier auf einer Internetseite über Bücher, ohne das in irgendeiner Form bedenklich oder unpassend zu finden –  sind ständig mit ihm konfrontiert, nehmen ihn ja fast gar nicht mehr als solchen wahr. Aber Sex haben wir keinen. Oder wenigstens keinen guten. Keinen Sex, der es wert wäre, dass man eine Fernsehserie à la „Sex and the City“ darüber dreht. Das ist ein Unterschied. Wenn man sich einmal in der Woche (oder seltener) zum routinemäßigen Beischlaf zwingt – vielleicht auch weil wir in den Medien das Gefühl bekommen, wenigstens das sollte doch drin sein – dann hat das wirklich nichts mit gutem Sex zu tun.

 

Filmreiche Sinnlichkeit mit dem Sex-Ratgeber


Die Südwest Presse wusste im Februar 2013 zu berichten, dass 60 Prozent der Deutschen mit ihrem Sexualleben unzufrieden sind. Damals startete die MDR-Dokureihe „Make Love“, in der die Sexologin Ann-Marlene Henning die Bettdecken eines Pärchens lüftete und Deutschland erklärte, was guten Sex ausmacht. Denn den Bedarf nach Sex-Ratgebern gibt es anscheinend, aller Sexualisierung unserer Gesellschaft zum Trotz, doch noch. Und das nicht zu knapp. Gegenüber der Südwest Presse erklärte Ann-Marlene Henning: „Die Leute wissen so vieles nicht. Etwa über ihren eigenen Körper, oder wie Erregung funktioniert. Deshalb haben ganz, ganz viele Menschen unzufriedenstellenden Sex. Dagegen müssten sie etwas machen, aber das tun die wenigsten. Stattdessen haben sie weniger Sex oder behalten den schlechten, den sie bisher hatten. Das ist mustermäßig. Dies zu ändern ist erst mal anstrengend.“ Ein wirkliches Wunder ist das nicht: Im Fernsehen sehen wir in jeder Werbepause gut geformte, perfekt ausgeleuchtete Traumkörper, die sich sinnlich durch rote Seide wälzen, Nahaufnahmen von Schweißperlen die eine Gänsehaut auf dem makellosen Bauch hinterlassen, und sinnliche Lippen, die sich einander in Küssen entgegen recken. Wenn es dann zur Sache geht, dann erreichen beide Partner zur gleichen Zeit wild schreiend den Höhepunkt und brechen voller Glück und Befriedigung zusammen.

 

Die Realität dagegen ist meistens ernüchternd: Nur die wenigsten von uns haben einen Körper, der auch nur annähernd so formvollendet ist und dass beide Partner immer und jedes Mal gemeinsam den Höhepunkt erreichen, ist nun ganz sicher ein unerreichbarer Mythos. Wie soll man da nicht frustriert sein – und dann doch nur wieder das gewohnte Programm abspulen? Und: Wer würde zugeben, dass er nicht gut im Bett ist oder keinen guten Sex hat? Wer würde von sich selbst sagen, er hätte Nachholbedarf in Sachen Sex – und dann zum Sex-Ratgeber greifen, um etwas dagegen zu tun? Schlecht im Bett sein, ist für viele wie nicht schreiben können, wie nicht alleine essen zu können, ist unmännlich und unweiblich und in unserer Gesellschaft überhaupt etwas, wofür man sich schämen muss. Nur vergisst man dabei etwas: Essen können ist uns in der Regel angeboren und das Schreiben bringt man uns jahrelang in der Schule bei. Doch wer bringt uns Sex bei? Außer verklemmtem Aufklärungsunterricht in der Schule und dem, was man sich in der medialen Übersexung abschaut, gibt es für junge Menschen keine Möglichkeit, guten Sex zu erlernen. Auf sich selbst gestellt, experimentieren sie eine Weile und geben sich dann früher oder später mit dem zufrieden, was sie erreicht haben. Hat sich dann erst einmal eine gewisse Routine eingestellt, machen sich nur die wenigsten die Mühe, daran noch etwas zu ändern.

 

Sex-Ratgeber: Übung macht endlich den Meister


Paar mit Sex-Ratgeber, das sich sehr nah istAnn-Marlene Henning weiß: „Ja, wenn man sich etwas Ungünstiges beigebracht hat, kann es anstrengend werden. Ich nenne das neuronale Anstrengung. Es geht ja um Muster. Das ist wie beim Sport, wo man die Anstrengung scheut und es eine Weile dauert, bis man merkt, dass das einem gut tut.“ Wie man diesen Lernprozess gestaltet, ist jedoch jedem selbst überlassen und dabei geht es natürlich vor allem um Spaß. Um Neugier, um die Lust daran, etwas Neues auszuprobieren, darum, zu erkunden, was der Andere wirklich mag und nicht immer wieder die gleichen, gewohnten Handlungsabläufe abzuspulen. Sex-Ratgeber helfen dabei. Sie machen viel Lust darauf, das Bett (oder jeden anderen Ort in der Wohnung) zu einem Ort der grenzenlosen Freiheit zu machen, an dem sich die Partner austoben können. Wer die eigene Scham überwindet, den Kopf frei bekommt, seine Problemzönchen vergisst und sich ganz dem Moment hingibt, der wird unvergessliche Augenblicke der Lust erleben. Die Angst, etwas falsch zu machen, muss hier niemand haben. Auch da sind sich Sex-Ratgeber einig: Beim Sex gibt es kein richtig und kein falsch. Es gibt nur Dinge, die einem gefallen und die einem nicht gefallen. Und welche Dinge das sind, das erfährt man nur, indem man sie ausprobiert und auch mal Neues wagt. An Inspirationen und Anregungen dafür mangelt es Sex-Ratgebern weiß Gott nicht.

 

Dass davon nicht alles gleichermaßen gefällt, ist auch ganz klar. Doch wer aus dem Erkunden ein Spiel macht, der wird ganz schnell neuen Spaß am Sex finden, der lernt, offen mit seinem Partner über Sex, Lust und Vergnügen zu sprechen, öffnet sich ihm und findet eine ganz neue Nähe – die auch ganz neue Höhenflüge zulässt. Intimität und Vertrauen sind Grundvoraussetzungen für guten Sex. Darin sind sich alle Sex-Ratgeber einig. Eine Portion Mut, ein gewisses Selbstvertrauen und vor allem Neugierde und Experimentierfreude machen den Cocktail dann komplett. Wenn Sie dann dem Sex in Ihrer Partnerschaft noch den Raum gewähren, den er in jedem anderen Teil Ihres Lebens auch hat, dann wird es eine runde Sache. Nehmen Sie sich Zeit dafür. Schieben Sie ihn nicht so einfach zwischen Termine und Verpflichtungen. Sorgen Sie für ein schönes Ambiente und sorgen Sie auch dafür, dass Sie sich selbst wohlfühlen. Dessous, schöne Bettwäsche, Kerzenlicht und das eine oder andere Accessoire machen aus der wöchentlichen Frust-Veranstaltung Momente der Sinnlichkeit, in denen Sie sich ausleben können. Guter Sex ist Sex, bei dem Sie sich fallen lassen und die Welt vergessen können.

 

Dass nicht jeder Tag so aussehen kann, ist natürlich auch jedem Autor von Sex-Ratgebern klar. Es wäre eine Illusion zu glauben, dass sich nicht auch hier irgendwann Routine und Alltag einschleichen, dass man nicht auch mal müde ist und wirklich keine Lust auf Sex hat. Doch jetzt wissen Sie ja, was Sie dagegen tun können und wie Sie es Ihrem Partner gegenüber ansprechen können, wenn Sie unzufrieden sind. Ihrem Sex-Ratgeber verdanken Sie dann endlich den sensationell guten Sex, den uns die Medien den ganzen Tag lang vor Augen halten. Underfucked war gestern.

 

Hier haben wir ausgewählte Sex-Ratgeber für Sie zusammengestellt:


Weitere Inspirationen finden Sie in unserer Auswahl an Erotikromanen:


P.s. Wenn der fehlende oder unbefriedigende Sex die Beziehung belastet, lohnt sich vielleicht auch ein Blick in unsere Beziehungsratgeber.

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