Shades of Grey und der Hype um Erotikromane

 

 

Traumbild aus einem ErotikromanDas Jahr 2012 war ein Wendepunkt für das Genre der Erotikromane: In Cafés und Fitnessstudios, beim Kaffeeklatsch oder Elternabend – überall unterhielten sich Frauen kichernd und mit leuchtenden Augen über „das Buch“. So nämlich wird E.L. James‘ Roman „Shades of Grey“ in den USA inzwischen nur noch genannt. Es war DAS Buch des Jahres und niemand muss zwei Mal nachfragen, wenn die Rede darauf kommt. Dabei ist das Buch literarisch gesehen eher ein Reinfall und sorgt für erbitterte Kontroversen. Die Kritiken auf Amazon reichen von begeisterten Jubelrufen und Euphorie, die zum Teil alle Grenzen des Nachvollziehbaren übersteigen, bis hin zu kritischen Analysen und Rezensionen, die vor Enttäuschung nur so strotzen. So sehr wie „Shades of Grey“ haben Erotikromane schon lange nicht mehr polarisiert – und noch nie waren sie so sehr Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Monate lang hielten sich der Roman und seine beiden Nachfolger auf den vorderen Plätzen der Bestseller-Listen bei Amazon und die öffentliche und mediale Diskussion über die Erotik-Romane wollte einfach nicht abreißen.

 

Einen etwa vergleichbaren Hype löste im Jahr 1954 der Roman „Geschichte der O“ der französischen Autorin Anne Desclos (alias Dominique Aury, alias Pauline Réage) aus. Der Erotikroman, in dem sich die submissive O, eine erfolgreiche Modefotografin aus Paris in einem abgeschiedenen Schloss – aus Liebe zu René – als perfekte Sub dem Willen von Männern ausliefert, wurde ein Skandal. Obwohl vielfach verschrien und sogar indexiert, wurde das Buch unter der Ladentheke zum Bestseller und ebnete den Weg für das Phänomen „Shades of Grey“. Zum ersten Mal in der Geschichte der anspruchsvollen Pornografie hatte eine Frau einen Erotikroman geschrieben, an dem auch Frauen Freude und Lust finden konnten. Was „Geschichte der O“ 1975, als „Die Geschichte der O“ verfilmt, für die 50er Jahre war, war „Lust an der Unterwerfung“ von Sina-Aline Geißler für die 90er Jahre. Das Buch, das den Untertitel „Frauen bekennen sich zum Masochismus“ trägt, ist die Lebensgeschichte der Autorin und ihr offenes, freimütiges und sehr leichtfüßiges Bekenntnis zum Masochismus. Geißler war damals erst 24 Jahre alt und sorgte schon für einen Eklat. Doch während „Geschichte der O“ noch verboten war, konnte man „Lust an der Unterwerfung“ bereits frei kaufen. „Shades of Grey“ wird heute sogar schon von Teenagern gelesen. Sagt das nun etwas über die Aufklärung in unserer Gesellschaft aus oder über unsere Abstumpfung gegenüber der Sexualität?

 

Erotikromane liegen voll im Trend

 

Der Erotikroman 'Shades of Grey'Es ist aber nichtsdestotrotz faszinierend, dass in unserer Welt, in der Sex und Erotik ein fester Bestandteil des Alltags sind, ein Roman über Fesselspielchen, Sado-Maso, Dominanz und Unterwerfung noch immer für so viel Aufregung und auch Empörung sorgen kann. Erotikromane sind längst ein fester Bestandteil jeder gut sortierten Buchhandlung, doch in der Regel bleiben die Romane dann auch einfach in dieser Abteilung, ohne dass jemand groß darüber spricht. Mit „Shades of Grey“ und weit über 40 Millionen verkaufen Exemplaren weltweit bricht aber nun eine neue Ära der Erotikromane an.

 

Dahinter steckt eine Marketing-Maschine, die bisher alles im Genre der Erotikromane da gewesene in den Schatten stellt. Hinzu kommt, dass gerade im eigentlich so prüden Amerika endlich mal eine Autorin gewagt hat, über etwas anderes zu schreiben als die ewig gleiche unschuldige Liebe à la Twilight. Doch eine Rezensentin bei Amazon bemerkt treffend: „Für Newcomer in Sachen Erotik-Literatur und manch provinzielle Amerikanerinnen mag das ja aufregend sein, aber wirklich etwas Neues ist es nicht“ (Catherine Tramell, 2. August 2012). Was in Amerika für Furore sorgt, ist in Deutschland eigentlich - spätestens seit „Feuchtgebiete“ – nichts mehr, worüber man nur hinter vorgehaltener Hand spricht. Das Verbotene allein kann es also nicht sein. Es muss mehr dahinter stecken, als man mit Marketing-Maschinen erreichen kann.

 

Warum Erotikromane süchtig machen

 

Erotikromane – ähnlich wie Liebesromane – sind Tore in unsere tiefsten Sehnsüchte, in unsere inneren Abgründe, in das Begehren, das wir öffentlich niemals eingestehen würden. In einer Welt, in der wir nach außen hin immer perfekt funktionieren müssen und uns nur selten von anderen abheben dürfen, erlauben es Erotikromane, einmal die Maske fallen zu lassen und sich einzugestehen, dass es etwas in uns gibt, das nach dem hungert, was wir offiziell niemals zugeben würden. Als die Autoren E.L. James, die eigentlich Erika Leonard heißt, im September 2012 ihr Klassik-Album vorstellte, auf dem alle Tracks enthalten sind, die die Lustspiele in den Romanen untermalen, erklärte sie: „Es war allerdings eine Erleichterung, zu sehen, dass auch andere es mögen, und ich offenbar nicht so ganz furchtbar pervers bin.“ So muss es auch vielen ihrer Leser gehen. Manch einer mag schon vorab Erotik-Romane, wie „Geschichte der O“ oder „Lust an der Unterwerfung, gelesen haben – klammheimlich und ganz für sich allein. Doch mit „Shades of Grey“ werden die Erotikromane salonfähig, kann man sich offen zur Lektüre bekennen, kann man das, was man lange verborgen hat, endlich nach außen tragen, sich mitteilen, sich inspirieren und anregen lassen. Insofern wirkt der Roman wie ein Befreiungsschlag für die ganze Branche der Erotikromane – und für Millionen von Frauen, die gar nicht wussten, wie sehr sie sich danach sehnten.

 

Diese fünf Erotikromane hätte es - laut Kultur Spiegel - ohne Shades of Grey nie gegeben:


 

Die ganze Vielfalt der Erotikromane


Erotikroman Tanz des VerlangensDoch natürlich muss es nicht immer Soft-SM sein, wenn es um Erotikromane geht. So wie jeder in jedem Bereich des Lebens seine Vorlieben hat, so ergeht es auch den Lesern von erotischer Literatur. Der Eine kann sich an der Lust an der Unterwerfung erfreuen, der Andere träumt von starken Vampiren, die die Frauen in ihren Romanen mit überirdischer Lust beglücken, von Fantasy-Gestalten mit unbändiger Kraft und einer Ausstrahlung zum Niederknien.

 

Genau in diese Richtung gehen viele Erotik-Romane, die es in den Bestseller-Listen ebenfalls – beinahe unbemerkt – immer wieder nach oben schaffen. Die Black Dagger-Serie von J.R. Ward beispielsweise macht Frauenträume wahr. Dunkle Erotik trifft hier auf Fantasy und vermischt sich zu einem Cocktail, der süchtig macht. Auch Jeaniene Frost, Nalini Singh und Lara Adrian erlauben es sich und ihren Leserinnen in phantastischen Erotikromanen ihre geheimsten Sehnsüchte auszuleben und für die Dauer der Lektüre das zurückhaltende Ich abzustreifen.

 

Andere Erotikromane wiederum sind komplett unverhüllt und geben gar nicht erst vor, etwas anderes zu sein, als sie sind: ein Erotikroman eben. Und das - das beweisen die Verkaufszahlen - ist auch gut so.

 

Diese Erotikromane legen wir Ihnen ganz heiß ans Herz:

 

Sinnliche Erotikromane für Frauen

 

Hardcore Erotikromane für Frauen


 

Phantastische Erotikromane

 

Historische Erotikromane

 

Homosexuelle Erotikromane

 

Praktische Tipps rund um das Thema Sex finden Sie zum Beispiel in dem Sex-Ratgeber "Sex mit Nina" von Nina Hartley. Weitere Sex-Ratgeber finden Sie ebenfalls bei uns. Einen sehr interessanten Ansatz wählt zum Beispiel der Philosoph André Comte-Sponville in seinem Buch "Sex: Eine kleine Philosophie".

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