Warum man Fantasy-Filme hasst oder liebt

 

Die Kino-Programme, das Fernsehen und die Videotheken sind voll davon: Fantasy-Filme erobern die Herzen der Zuschauer – und lassen die Kassen klingeln. „Percy Jackson – Diebe im Olymp“, „Hugo Cabret“, „Die Tribute von Panem“, „Der Hobbit“, „Harry Potter“ und „Twilight“ sind nur einige von vielen Fantasy-Verfilmungen, die in den letzten Jahren als absolute Blockbuster in die Kinos kamen. Weiter verwunderlich ist es nicht, denn dass es Filmemachern in den Fingern juckt, fantastische Welten auf die Leinwand zu bannen, ist ganz klar. Ein Fantasy-Film hat etwas von einer Spielwiese für alle Beteiligten. Das, was bislang nur in den Köpfen des Autors und des Lesers geschah, kommt jetzt plötzlich – inzwischen gestochen scharf in HFR und 3D – in die Kinos. An solchen Filmen können sich Regisseur, Schauspieler, Requisiteure, Special Effects-Experten und Musiker vollkommen austoben. Das einzige Limit ist die Fantasie!

 

Spielwiese Fantasy-Film: Nur die Fantasie setzt Grenzen

 

Doch bleibt dabei nicht der Leser auf der Strecke? Wer Fantasy-Romane liebt, der liebt sie doch vor allem deshalb, weil es keine Vorgaben dafür gibt, wie er sich die Dinge vorzustellen hat. Er kann seine Fantasie fliegen lassen und alles selbst einrichten und gestalten. Mit Realität muss das, was man beim Lesen im Kopf hat, überhaupt nichts gemeinsam haben. Fantasy-Filme aber sind immer ein Blick in den Kopf eines anderen. Jeder Drehbuchautor, jeder Regisseur, jeder Schauspieler agiert doch so, dass das Bild auf der Leinwand nachher dem Bild in seinem Kopf entspricht. Einen Fantasy-Film zu sehen, nach dem man das Buch gelesen hat, ist daher beinahe zwangsläufig wenigstens eine kleine Enttäuschung. „Das habe ich mir aber ganz anders vorgestellt“, denkt man dann und ärgert sich über die Besetzung, über die Wahl der Kulissen, über Schnitt, Musik und Kürzungen. Und das, obwohl man es eigentlich besser wusste. Man wusste schon, dass Fantasy-Filme niemals an die Buchvorlage herankommen können. Nicht, weil sie schlechter sind, sondern weil sie sich niemals mit dem decken können, was wir uns vorgestellt haben, denn diese Vorstellung gehörte ganz allein uns.

 

Wann also kann ein Fantasy-Film dann überhaupt noch begeistern? Vermutlich immer dann, wenn der Drehbuchautor aus dem Roman etwas Eigenständiges geschaffen hat, wenn er nicht nur überlegt hat, wie sich diese oder jene Szene filmisch darstellen lässt, sondern wenn er bereit – und frei genug – war, die Geschichte selbst zu erzählen. Leichter hat es da der, der erst den Film sieht und dann das Buch dazu liest. Fantasy-Filme können überaus inspirierend wirken, auf eine vollkommen andere Art als Fantasy-Romane. Sie entführen uns in eine fremde Welt, überwältigen uns mit Farbenpracht, mit Bildgewalt und epischer Musik, verführen uns mit Schauspielern, die uns faszinieren oder mit denen wir uns identifizieren können. Der Fantasy-Roman ist dann eine Möglichkeit, wieder und wieder in diese Welt zurückzukehren, eine kleine Stütze für die eigene Fantasie, wenn das Träumen allein nicht ausreicht. Idealerweise gibt es dann auch Fortsetzungen, denen wir entgegenfiebern, auf die wir uns haltlos freuen. Mit Fantasy-Filmen verhält es sich nämlich ähnlich wie mit den dazugehörigen Romanvorlagen. Selten ist ein Fantasy-Film ein einzelner Film. In der Regel gehört er zu einer Fantasy-Serie und noch häufiger handelt es sich bei dieser Serie um eine Trilogie. Die Dreifaltigkeit der Fantasy-Romane gilt eben auch für das Medium Film.

 

Warum viele Fantasy-Filme Leser enttäuschen müssen


Warum sich Peter Jackson dazu entschlossen hat, Tolkiens Roman „Der kleine Hobbit“ in drei Teilen zu verfilmen, wird vielen wohl immer ein Rätsel bleiben. Die Vermutung liegt nahe, dass der Filmverleih Warner Bros. einfach mehr Profit generieren wollte. Denn inhaltlich rechtfertigen lässt es sich kaum, dass das knapp 500 Seiten umfassende Werk auf drei Filme mit Überlänge gedehnt wird. Sicher freut man sich als Fan von „Herr der Ringe“ darüber, wieder in diese geliebte Welt eintauchen zu können, und Jackson erlaubt es seinen Zuschauern, in gemächlichem Rhythmus durch den Film zu wandern, sich umzuschauen, sich heimisch zu fühlen und die Idylle des Auenlandes zu genießen, bevor es dann auf die große Reise geht. Doch die Geschichte bietet kaum genug Stoff, um diese Länge auszufüllen. Nur wenig passiert im ersten Teil des Fantasy-Films. Das ist schade um die Geschichte und unweigerlich wünscht man sich, Peter Jackson hätte den Mut aufgebracht, die heilige Dreifaltigkeit zu durchbrechen und einen schönen, kompakten, in sich geschlossenen Fantasy-Film zu produzieren. Wirklich gelungen ist dies zum Beispiel mit Michael Endes Klassiker „Die unendliche Geschichte“. Natürlich nur dann, wenn man außer Acht lässt, dass auch hier irgendwann die Profitgier zuschlug und ein zweiter und ein dritter Film zurecht geschustert wurden, die beinahe auf der ganzen Linie enttäuschen mussten.

 

Es macht auch einen deutlichen Unterschied, ob die Fantasy-Filme mehrteilig sind, weil die Buchvorlage mehrteilig ist, oder ob ein einzelnes Buch bewusst in mehrere Filme zerstückelt wird. Das sieht man an „Der Herr der Ringe“ zum Beispiel ganz deutlich. Die Fülle und Komplexität der Handlung wäre in einem einzigen Film unmöglich unterzubringen gewesen. Lange galt das Buch deshalb als unverfilmbar. Alle drei Teile hatten deshalb ihre volle Daseinsberechtigung. Zwar war die Romanvorlage ursprünglich in sechs Bücher unterteilt, die alle in einem Band erschienen. Die Dreiteilung erfolgte aber nicht erst für die Verfilmung: Wegen der hohen Papierpreise im Nachkriegsengland entschied sich der Verleger Rayner Unwin – gegen den ausdrücklichen Willen Tolkiens – für eine Dreiteilung des Buches in die Bände „Die Gefährten“, „Die zwei Türme“ und „Die Rückkehr des Königs“. Bei seiner Verfilmung hat sich Peter Jackson an diese Dreiteilung gehalten.

 

Gelungene Fantasy-Filme, die auf Buchvorlagen basieren, waren in den letzten Jahren zum Beispiel (und ohne Anspruch auf Vollständigkeit) „Die Chroniken von Narnia“, „Eragon“, „Der goldene Kompass“, „Harry Potter“ und „Rubinrot“, der erste Teil einer Trilogie nach Romanen von Kerstin Gier. Außerdem durften sich Fans über folgende Fantasy-Filme freuen: „Chroniken der Unterwelt“, „Tarzan“ in 3D , „Die Tribute von Panem – Catching Fire“  und „Der Hobbit“.

 

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