Warum wir auf Kalender hören sollten

 

Kalender PusteblumeUnser Leben ist geprägt von den unterschiedlichsten Zyklen: das Wechselspiel von Tag und Nacht, der ewige Reigen der Wochentage, das Zu- und Abnehmen des Mondes, die Wanderung der Sonne über den Horizont, der Wandel der Jahreszeiten, das Werden und Vergehen des Lebens. Schon in der Steinzeit waren sich die Menschen dessen bewusst und versuchten schon früh, das ewig Wiederkehrende festzuhalten und genau zu bestimmen. Die ersten Kalender haben nichts mit dem gemeinsam, was wir uns heute an die Wand hängen. Sie hatten eine rein praktische Funktion und dienten den frisch gebackenen Ackerbauern und Viehzüchtern der Steinzeit zur zeitlichen Koordination der Arbeitsschritte. Anhand ihrer Beobachtungen wussten sie, wann es Zeit war, den Boden vorzubereiten, zu säen und zu ernten. Dieses Wissen war absolut lebensnotwendig, hingen doch die Erträge eines ganzen Jahres davon ab, dass ihnen hierbei kein Fehler unterlief. Denn ein Ausfall der Ernte war in dieser Zeit ein Todesurteil für ganze Familien und Dörfer.

 

Bevor die Menschen anfingen, sesshaft zu werden, gab es die Notwendigkeit eines Kalenders überhaupt nicht. Die frühen Menschen lebten im Einklang mit der Natur und passten sich ihrem Rhythmus an. So wie Zugvögel wissen, wann es Zeit ist, in den Süden zu fliegen, so wussten auch die Menschen damals instinktiv, wann es Zeit war, das Lager an einem anderen Ort aufzuschlagen. Sie zogen dorthin, wo es Nahrung gab und ernährten sich von dem, was die Natur zu geben hatte. Die Sesshaftigkeit erforderte es jedoch von den frühen Siedlern, erfinderisch zu sein. Wenn man nicht zur Nahrungsquelle ziehen konnte, war es notwendig, dafür zu sorgen, dass es am jeweiligen Siedlungsplatz die Nahrung gab, die es zum Überleben brauchte. Der Mensch machte sich zum ersten Mal in seiner Geschichte die Natur Untertan. Der Kalender in seiner ureigensten Form entstand also aus der Notwendigkeit der Sesshaftigkeit heraus, die Prozesse der Natur bewusst zu nutzen. Zugleich war die Sesshaftigkeit die unbedingte Voraussetzung für die Entstehung der ersten frühen Kalender.

 

Wie der Kalender die Menschheitsgeschichte prägte

 

Stonehenge, der magische Steinkreis in England, ist ein gutes Beispiel dafür. Zwar ist bis heute nicht abschließend geklärt, ob Stonehenge tatsächlich als prähistorischer Kalender erbaut wurde, doch sicher ist, dass er die Möglichkeit zur Beobachtung der wiederkehrenden Prozesse bietet. Nicht wenige Forscher betrachten Stonehenge deshalb als Bemühung der sesshaft gewordenen Bevölkerung, die natürliche Jahreslänge und ausgewählte zyklisch wiederkehrende Himmelsereignisse, wie etwa die Tag-und-Nacht-Gleiche und die Sonnenwende, exakt zu bestimmen. Dies hatte einen praktischen Nutzen für die Ackerbauern der Umgebung, wurde aber sicher auch genutzt, um den Zeitpunkt für Kulthandlungen zu bestimmen. Der Mensch war der Natur hilflos ausgeliefert, doch durch Rituale, die sich zum Beispiel an der Sonne, dem Mond oder dem Stand der Sterne orientierten, hoffte man, die Naturgeister und Götter besänftigen zu können. Unsere heutigen Kalender sind ihnen darin nicht unähnlich, halten sie doch auch Feiertage fest, an denen zu bestimmten Heiligen gebetet werden soll.

 

Schon die frühen Kalender waren ein Erfolgskonzept und es ist nicht zuletzt ihnen zu verdanken, dass der Mensch zu dem wurde, was er heute ist. Das Wissen über die Zyklen in der Natur erlaubte es ihm, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben und die Nahrungsgrundlage für die Menschen zu sichern. Das wiederum verschaffte den Menschen die Möglichkeit, sich zu spezialisieren. Hatte das Jagen und Sammeln zuvor sämtliche Ressourcen der Menschen erfordert, konnten sie sich die Arbeit nun einteilen. Während einige für die Tiere sorgten, bestellten die Anderen die Felder, wieder andere stellten Werkzeuge her, verwerteten die Erzeugnisse weiter und schufen Neues. So entwickelte sich unsere Zivilisation. Eine Zivilisation, die der Natur weniger ausgeliefert war, als zuvor. Heute sind die Kalender zumeist das Einzige, was uns noch an den Zyklus der Jahreszeiten erinnert. Wir haben das Gefühl, vollkommen unabhängig von der Natur leben zu können. Unser Leben wandelt sich nicht mehr im Rhythmus der Jahreszeiten. Ja, wir ziehen warme Kleidung an, wenn der Kalender Dezember zeigt. Und ja, wir nehmen wahr, was draußen vor unserem Fenster geschieht, doch unser Leben verläuft abgesehen davon vollkommen gleichförmig.

 

Warum uns Kalender den Moment vergegenwärtigen

 

Kalender Wandel der Natur Apfel am BaumEgal, welcher Monat auf dem Kalender steht – wir können zu fast jeder Zeit jede Frucht bekommen, weil sie von irgendeinem anderen Ort der Welt zu uns gebracht wird. Wir ernähren uns schon längst nicht mehr von dem, was die Natur zum jeweiligen Zeitpunkt zu bieten hat, denn wir können sie so manipulieren, dass sie uns zu jeder Zeit alles bietet, was wir uns nur wünschen können. Doch dass das nicht gesund ist, haben Ärzte und Ernährungswissenschaftler schon vor langer Zeit entdeckt. Mit Slow Food ist ein Konzept entstanden, das diesem Trend entgegen wirkt und an eine saisonale, regionale Küche appelliert, die sich dem Wandel der Jahreszeiten anpasst. Denn auch wenn wir uns heute so fühlen, als wären wir den Menschen der Steinzeit haushoch überlegen, so hat sich doch unser Körper in den wenigen Jahrtausenden seither kaum verändert. Vor allem den viel zu schnellen Entwicklungen der letzten 300 Jahre kann er längst noch nicht Rechnung tragen. Dieser Körper verlangt noch immer danach, den Jahreszeiten entsprechend ernährt zu werden.

 

Doch stattdessen rasen wir durch die Tage, die sich durch praktisch nichts voneinander unterscheiden. Und nun scheint es, als wollten gerade die Kalender das ausgleichen, was durch ihr Zutun erst entstanden ist. Sie laden uns ein, innezuhalten, uns des Tages, des Monats, der Jahreszeit bewusst zu werden. Im Moment zu sein. Viele Kalender, die man heute kaufen kann, bezaubern uns mit schönen Fotos von Orten, nach denen wir uns sehnen. Oder sie gemahnen uns mit Zitaten und Gedanken zur Achtsamkeit. Achtsam sein, heißt, im Moment leben – in dem einzigen Moment, der zählt, im Jetzt. In unserer Welt scheint immer nur das Morgen wichtig zu sein, ständig denkt man voraus. Doch der Moment, in dem das Leben stattfindet, ist das Jetzt. Und das können Lebensfreude-Kalender gar nicht oft genug betonen. Auf ihre Art und Weise, halten sie uns im Moment, machen uns den gegenwärtigen Augenblick bewusst und fordern uns auf, dies auch immer wieder selbst zu tun. Landschaftsaufnahmen zeigen uns etwas, das vor allem den Städtern abhanden gekommen ist: Die Natur verändert sich mit den Jahreszeiten. Das hier geschieht im Moment jenseits deines Fensters in der Natur.

 

Haben uns also die Kalender eins die Notwendigkeit abgenommen, auf die Signale der Natur zu hören, tun sie heute das Gegenteil. Mach dir bewusst, was mit dir und um dich herum geschieht, sei im Jetzt, lass dich nicht ins Morgen hetzen. Jeder Tag hat 24 Stunden, jede Woche 7 Tage und jeder Monat etwa 30 davon. Und jeder einzelne Moment will gelebt – bewusst gelebt – werden. Das ist die Nachricht, die uns viele Kalender heute mit auf den Weg geben. Und wir sollten auf sie hören, denn es ist gut und gesund für uns.

 

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