Warum wir Bücher lesen

 

Ein guter Grund Bücher zu lesen

„Ohne Bücher wäre [der Mensch] eine Bestie.“ (DIE WELT) Jón Kalman Stefánsson, dem Autor des berührenden Island-Romans „Der Schmerz der Engel“ ist dies allein Grund genug, Bücher zu lesen. „Es gibt Bücher, die dich unterhalten. Und es gibt Bücher, die dich zweifeln machen, sie geben dir Hoffnung, sie erweitern die Welt und machen dich mit Abgründen bekannt. Auf diese Bücher kommt es an.“ Jón Kalman Stefánsson hat selbst so ein Buch geschrieben. „Der Schmerz der Engel“ ist ein Buch, das beim Lesen weh tut, das unter die Haut geht, Wunden aufreißt und uns zwingt, uns mit den Dingen auseinander zu setzen, die wir sonst gerne ausblenden. 

 

Und selbst zum Schluss verschafft der Autor uns keine Erleichterung, erteilt uns keine Absolution. Warum sollten wir also solche Bücher lesen? Warum sollten wir uns selbst diesen Schmerz zufügen? Auch das ist für Stefánsson wieder eine leichte Frage: „Bücher retten das Leben.“ In seinem Buch schreibt er: „Der Mensch stirbt, wenn man ihm sein Brot wegnimmt, und er verwelkt ohne seine Träume.“ Als Isländer weiß der Autor ganz genau wovon er spricht: Über Jahrtausende hinweg war die Insel vom Rest der Welt isoliert. Rohstoffe hatte man wenige; dafür aber große Literatur. Die Island-Sagas sind das beste Beispiel dafür, dass ein armes Volk reiche Literatur schaffen kann, Literatur, von der allein man meint, leben zu können wie von Wasser und Brot.

 

Diese beiden Bücher erläutern weiterführend, warum wir Bücher lesen und lieben:

 

Die ewige Sucht danach, Bücher zu lesen


Viele Menschen, die leidenschaftlich gern Bücher lesen, empfinden es ähnlich: Das Buch gehört zu ihrem Leben dazu, ist ein fester Bestandteil im Tagesablauf, fügt sich zwischen Frühstück und Abendbrot, zwischen Aufstehen und Schlafengehen. Kein Schritt aus dem Haus ohne Buch. Bücher befreien uns aus der Welt, in der wir täglich leben müssen, erlauben es uns, aus dem Alltag auszubrechen, den Trott zu verlassen. Wir können am Morgen in der U-Bahn sitzen und während wir unsere Bücher lesen, verlassen wir diese anonyme Stadt und vielleicht sogar unsere Zeit, nehmen ein neues Leben an, werden ein anderer Mensch, blühen auf und erschaffen Welten in unserem Kopf, die wir mit niemandem teilen müssen. Wenn wir Bücher lesen, dann träumen wir mit offenen Augen. Niemand gibt uns vor, wie die Welt aussieht, durch die unser Held reist.

 

Wer „Der Schmerz der Engel“ liest, hat seine ganz eigene Vorstellung von Mosfellsbær, wo ein Schneesturm tobt und sich ein kleiner Junge und ein hühnenhafter Postbote gegen die Urgewalten dieser Insel stemmen. In einer Zeit, in der diese Aufgabe in der Regel von Filmregisseuren übernommen wird, sprechen uns die Bücher selbst diese Schöpfungskraft zu. Und so sprechen die Menschen, die Bücher lieben, gerne davon, dass es für sie wie eine Sucht ist, Bücher zu lesen. Für ein Buch ist immer Platz in der Tasche – selbst wenn man dafür auf etwas anderes verzichten muss. E-Reader erleichtern das, doch wer seine Bücher liebt, der schwört auf das Knistern der Seiten, auf die wohltuende Schwere in den Händen, auf den schwachen Duft nach Druckerfarbe. Für diese Menschen sind Bücher Freunde. „Bücher sind die weisesten Greise, Bücher sind die tapfersten Männer, Bücher sind die mütterlichsten Frauen, Bücher sind die lieblichsten und zärtlichsten Mädchen. Wer sieben gute Bücher hat, braucht keinen Menschen mehr“, formulierte deshalb der deutsche Schriftsteller Börries Freiherr von Münchhausen einmal so treffend.

 

Bücher lesen und Bücher lieben


Frau legt sich zum Bücher lesen ins Buch

Bücher schreien danach, gelesen zu werden. So sagte schon Wilhelm Busch: „Ein Buch, wenn es so zugeklappt daliegt, ist ein gebundenes, schlafendes, harmloses Tierchen, welches keinem was zuleide tut. Wer es nicht aufweckt, den gähnt es nicht an. Wer ihm die Nase nicht gerade zwischen die Kiefern steckt, den beißt es auch nicht.“ Doch Bücher lesen ist nicht jedem in die Wiege gelegt. Zu einfach ist es, das Kind vor den Fernseher zu setzen und sich eine Minute Ruhe zu verschaffen. Kinder, die lesen, entwickeln Phantasie, sie fangen an, Fragen zu stellen, sie erleben etwas, was außerhalb der Reichweite ihrer Eltern geschieht. Das macht Eltern Angst, die selbst keine Bücher lesen. Die Kinder bereisen Orte, die ihren Eltern unbekannt sind, sie erleben Abenteuer, werden mit Gutem und Bösem konfrontiert, leiden und freuen sich mit ihren Helden, finden neue Vorbilder und entwickeln ganz nebenbei ein Gefühl für die Sprache, für Wörter und Sätze. Sie lernen, sich auszudrücken – und entwickeln nicht selten selbst eine Begeisterung für das Schreiben. Was können Eltern ihren Kindern besseres mitgeben als die Liebe dazu, Bücher zu lesen?

 

Studien beweisen, dass Menschen, die lesen, den nicht-lesenden Mitmenschen - immerhin 25% der Bevölkerung – gegenüber deutliche Vorteile haben. So sagte schon der englische Dichter Joseph Addison (1672 – 1719): „Lesen ist für den Geist das, was Gymnastik für den Körper ist.“ Durch die Anstrengung, sich auf den Text konzentrieren zu müssen, entwickelt sich das Gehirn weiter und gewöhnt sich daran, sich längere Zeit auf eine Tätigkeit zu fokussieren. Das kommt den Lesern dann in der Schule und im Berufsleben immer wieder zu Gute. Außerdem verbessern sich die Gedächtnisleistungen, denn der Leser muss bei einem Roman ständig viele Dinge gleichzeitig im Kopf behalten und sich an Vorangegangenes erinnern. Später – manchmal noch Jahre, nachdem man das Buch zugeklappt hat – erinnert man sich an einzelne Stellen aus dem Buch, an Erlebnisse, die nur im eigenen Kopf stattgefunden haben. Mit etwas Glück findet man auch jemanden, der das gleiche Buch gelesen hat. Menschen, die Bücher lesen, ziehen nicht unbedingt die Einsamkeit vor: Wer ein Buch gelesen hat, kann etwas erzählen und sich mit anderen Lesern austauschen. Und wer viel gelesen hat, findet zu vielen Themen Gesprächsstoff. Das stärkt das Selbstvertrauen und sorgt für mehr Offenheit im Umgang mit fremden Menschen.

 

Bücher als Therapie: Wie Lesen heilen kann

 

Buchtipp Lesen: Die größte Erfindung der MenschheitUnd noch einen Grund gibt es, Bücher zu lesen: Literatur heilt. Offenbar werden beim Lesen Teile des Gehirns – der bilaterale präfrontale Cortex, der an emotionalen Erfahrungen beteiligt ist – aktiviert, jener Teil des Gehirns, der dafür zuständig ist, Angst herunter zu regeln, Gefühle zu regulieren und zu dämpfen. Lesen beruhigt also und wirkt wie eine eigene Therapiesitzung. Das macht sich die sogenannte Bibliotherapie zunutze, die sich auf das Lesen stützt und die Kraft der gestaltenden Sprache und der Geschichte für die Heilung nutzt, wie die Kritikerin Andrea Gerk der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärte. Gerk hat das Buch „Lesen als Medizin. Die wundersame Wirkung der Literatur“ geschrieben und sich eingehend mit dem Thema beschäftigt.

 

Ob es sich dabei um ein Gedicht, einen Roman oder eine Liebesgeschichte handelt, spielt keine Rolle. „Es ist das Lesen und das, was beim Lesen oder beim Hören von Geschichten passiert, was den therapeutischen Prozess in Gang setzt.“ Gerk erklärt weiter: „Literatur wirkt individuell, das Heilende wird durch das Lesen selbst in Gang gebracht.“ Demnach ist der Buchhändler der Bibliotherapeut in Urform. Ein guter Buchhändler entwickelt ein Gespür dafür, welche Bücher der Betreffende lesen sollte, um Heilung zu erfahren. Ob man sich dabei für Wohlfühlliteratur und Frauenromane entscheidet, die schon lange mit positiven Wörtern und angenehmen Geschichten auf diesen Effekt spekulieren, oder ob man eher Bücher liest, die einen von den eingefahrenen Strukturen wegbringen und überraschen, ist dabei von Leser zu Leser unterschiedlich. Bücher können Befriedigung für Sehnsüchte sein, sie können aber auch Anlass sein, mit sich selbst ins Gespräch zu kommen. In beiden Fällen entfalten sich beim Bücher lesen heilende Kräfte.

 

Jón Kalman Stefansson wirft in „Der Schmerz der Engel“ die Frage auf, ob man, wenn man vor seinem brennenden Haus steht, die Bücher retten soll oder den Hund. Für alle Menschen, die für ihr Leben gerne Bücher lesen, wird dies keine einfache Entscheidung sein.

 

Übrigens: Wenn Sie Ihre Bücher schneller lesen wollen, empfehlen wir Ihnen "Schneller lesen - besser verstehen" von Wolfgang Schmitz.

 

Entdecken Sie Ihre Liebe zum Bücher lesen zum Beispiel mit diesen Bestsellern:

 

 

Unter unseren Top-Schmökern finden Sie sicher Bücher, an die Sie Ihr Herz verlieren können. Menschen, die Bücher lesen, sind eben Menschen, die Bücher lieben.

 

 

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