Warum wir Trivialliteratur trotzdem lieben

 

Es hängt wohl ein bisschen davon ab, mit wem man spricht, doch der Begriff Trivialliteratur ist in der Regel negativ behaftet. Trivial, das ist etwas, das leicht ist, banal und abgegriffen. Man mag sogar dazu tendieren, trivial mit inhaltslos, hohl, oberflächlich und stumpfsinnig gleichzusetzen. Wer Trivialliteratur so definiert, der spricht ihr damit aber im Prinzip die Relevanz für die Literatur ab. Bücherfreunde müssten sich angewidert abwenden und verächtlich die Nase rümpfen, wenn ihnen ein Werk der Trivialliteratur unter die Nase kommt. Ein abwertendes Lächeln dürfte das Einzige sein, was sie sich dann noch abringen würden.

 

Undenkbar und schrecklich traurig: Eine Welt ohne Trivialliteratur


Überhaupt dürfte sich die Trivialliteratur nicht einmal trauen, den Wortbestandteil „Literatur“ in sich zu tragen, denn Literatur im engeren Sinne sind nur Texte, die bestimmten ästhetischen und künstlerischen Normen entsprechen, die also allgemein als „schön“ betrachtet werden können. Natürlich ist „schön“ ein absolut subjektiver Begriff und man könnte stundenlang darüber streiten, welche Werke dann überhaupt zur Literatur gezählt werden dürften und welche nicht. Die Verfechter dieser Definition führen hier an, dass ein Literat die Stilmittel und Spielarten des Schreibens beherrschen und sich ihrer bedienen können muss wie ein Maler seiner Farben und bestimmter Stile. In Texten der sogenannten Hochliteratur muss es außerdem verschiedene Bedeutungsebenen geben, die Spielraum für Interpretationen lassen. Über die ästhetische Diskussion hinaus stellt man an Literatur - im engsten Sinne des Wortes - den Anspruch, dass sie eine gesellschaftliche Relevanz hat, den gesellschaftlichen Diskurs bereichert und den Leser bildet.

 

 

Setzt man jedoch diesen Maßstab für Literatur an und würden Buchliebhaber alles meiden, was auch nur annährend in die Nähe der Trivialliteratur kommt, so wären unsere Buchläden beinahe leer. Dann müsste man unterscheiden in Buchhandlungen für Trivialliteratur und Buchhandlungen für Hochliteratur. In Erstere würden Bücherfreunde, die etwas auf sich halten, niemals einen Fuß setzen oder bestenfalls versteckt hinter hochgeschlagenem Kragen, und wer sich doch hineinstiehlt, müsste damit rechnen, beim Herauskommen mit verächtlichen Blicken gestraft zu werden. Ziemlich schnell würde es uns aber in den Buchläden für Hochliteratur zu langweilig werden. Wo sind sie denn dann, all die kleinen Geschichten, die das Leben schreibt? Wo sind die Bücher, die uns zum Lachen bringen, die manchmal herzzerreißend kitschig sind? Wo können wir unsere Fantasien ausleben, wenn Vampirromane, Erotik-, Liebes- und Frauenromane plötzlich auf dem Literaturindex stehen? Was ist mit den Fantasy-Reihen, Science-Fiction-Romanen und mit den Märchen? Wäre eine Welt ohne all diese Bücher nicht schrecklich traurig?

 

Mein Name ist Lieschen Müller und ich liebe Trivialliteratur


Die Trivialliteratur hat nicht nur einen festen Platz in den Buchhandlungen, sondern auch in unseren Herzen. Wie viele von uns würden denn auf die Frage nach dem Lieblingsbuch antworten: „Goethes ‚Faust‘“ oder „‘Buddenbrooks‘ von Thomas Mann“? „Twilight“ und „Harry Potter“ wären ebenso verpönt wie George R. Martins „Das Lied von Eis und Feuer“. Man dürfte Schwedenkrimis ebenso wenig lesen wie „Shades of Grey“, Psychothriller wären für den allgemeinen Literaturfreund verbotene Ware und an Dora Heldts unterhaltsame Frauenromane wäre auch nicht zu denken. Schriftsteller wie Kerstin Gier und Sebastian Fitzek dürften kein einziges Buch mehr verkaufen und die so beliebten Autobiografien, Erinnerungsbücher und Lebensgeschichten wären ebenfalls undenkbar. Auf das alles aber wollen wir einfach nicht verzichten. Diese Bücher sind es, die uns Lesefreunde ganze Nächte wach halten, die uns in der Bahn so fesseln, dass wir vergessen auszusteigen, wegen denen wir abends den Fernseher auslassen und auch mal Verabredungen absagen, wegen denen wir die größere Handtasche nehmen, um das Buch unterzubringen, und die uns nachts beim Einschlafen auf die Brust sinken. Kurz: Wir lieben Trivialliteratur! Und daran ist nichts verwerflich.

 

Alle Kunstdiskussionen und Definitionen nützen doch nichts, wenn wir uns zu Tode langweilen, wenn wir uns quälen müssen, das Buch einmal mehr aufzuschlagen, wenn uns nichts dazu treibt, die nächste Seite umzublättern, wenn wir nicht wissen wollen, wie es weiter geht, und brennen zu erfahren, wie das Buch endet. Wenn wir nichts fühlen, während wir lesen, oder erstarren in Anbetracht der Kunst, die vor uns in den Seiten liegt – wo bleibt dann das Lesevergnügen? Man kann Trivialliteratur nämlich auch anders definieren: Sie bedient den Geschmack der Masse, gefällt vielen, bereitet einer großen Zahl von Lesern Freude und befriedigt die Bedürfnisse der Bücherfreunde. Im Gegensatz zur Hochliteratur ist sie nicht Selbstzweck, ist sich nicht selbst genug, gibt sich nicht damit zufrieden, ein monumentales Kunstwerk für die Ewigkeit zu sein, das hinter einer Vitrine steht, einsam und isoliert. Trivialliteratur will geliebt werden, will auch mit ins Bett genommen und notfalls auch geknickt werden, will beim Lesen auch mal mit Schokolade bekleckert oder beim Mitfiebern am Frühstückstisch bekrümelt werden. Trivialliteratur ist mitten in unserem Leben, begleitet uns, erfreut uns und bietet uns Stoff, über den wir mit anderen Lesefreunden reden können. Wie oft entdeckt man Gemeinsamkeiten mit jemandem, der den gleichen Fantasy-Autor liebt, wie man selbst, und findet so jemanden, der zu einem passt? Wahrscheinlich öfter, als dass man am Ende einer anspruchsvollen Kunstdiskussion über die Klassiker der Weltliteratur eine Freundschaft (oder mehr) fürs Leben schließt. Sicher ist auch das nicht ausgeschlossen, doch fest damit rechnen sollte man nicht.

 

Trivialliteratur ist das, was gefällt. Und auf literaturtipps.de geht es um Bücher, die gefallen, Bücher, die glücklich machen und die Sie lieben können. Stöbern Sie auf der Suche nach solchen Büchern doch einmal durch unsere Toplisten.

 

Diese Bücher aus den verschiedenen Bereichen der Trivialliteratur empfehlen wir Ihnen:

 

Romantische Trivialliteratur: Liebesromane

Lustige Liebesromane

 

Historische Liebesromane

 

Phantastische Liebesromane

 

Erotische Liebesromane

 

Romantische Liebesromane

 

Spannende Trivialliteratur: Krimis

 

Alpenkrimis

 

Amerikanische Krimis

 

Britische Krimis

 

Dänische Krimis

 

Deutsche Krimis

 

Deutsche Regionalkrimis

 

Finnische Krimis

 

Isländische Krimis

 

Norwegische Krimis

 

Schwedenkrimis


Weitere Genres, die der Trivialliteratur zugerechnet werden können, sind zum Beispiel:

DuMont Reiseverlag, Reiseführer, DuMont Reise, Kunst-Reiseführer

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