Wenn Band 4 einer Trilogie erscheint: Der neue Bartimäus

 

Bartimäus 4: Der Ring des Salomo

Die Helden der bislang drei – nun vier – Bartimäus-Romane von Jonathan Stroud sind zwei Gestalten, die man wohl nicht als wahnsinnig liebenswürdig einstufen würde: der ehrgeizige, rücksichtslose Jungzauberer Nathanael und der überhebliche, sarkastische Dschinn Bartimäus. Man sollte meinen, dass die beiden einander aus dem Weg gehen würden, doch Nathanael braucht Bartimäus - immerhin ein Dschinn von großer Macht - um seine Ziele zu erreichen.

 

Und Bartimäus? Nachdem er Nathanaels Geburtsnamen erfahren hat, ist er seinem hochnäsigen Meister zwar nicht mehr auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, doch gegen seine Befehle kann er sich dennoch nicht wehren. Irgendwie scheinen sie einander aber auch ein wenig zu schätzen, immerhin schadet der 5.000 Jahre alte Dschinn seinem jungen Freund nicht in dem Maße, wie er es könnte.

 

Aneinander gebunden: Nathanael und Bartimäus 

 

Bartimäus‘ erster Auftrag bringt den Stein ins Rollen: Nach einer Demütigung durch den Zauberer Lovelace sendet Nathanael Bartimäus aus, um dessen "Amulett von Samarkand" einen magischen Gegenstand mit großer Macht, zu stehlen. Doch Nathanael weiß nicht, auf welch gefährliches Spiel er sich einlässt und schon stecken er und Bartimäus bis zum Hals in Ärger, der nicht nur Nathanaels mittelmäßigen Meister, sondern auch dessen liebenswürdige Frau, das Leben kostet. Mit Bartimäus‘ Hilfe will er den Tod seiner geliebten Pflegemutter rächen und das britische Weltreich vor einer grauenhaften Schreckensherrschaft durch Lovelace bewahren.

 

Nach getaner Arbeit trennen sich die beiden Helden – doch nicht für lange. Wähnte Bartimäus sich schon in Freiheit, wird er kurz darauf erneut von dem jungen Heißsporn gerufen. In „Das Auge des Golem“ hat Nathanael seine Ziele erreicht: Er arbeitet für die Regierung und kämpft in ihrem Auftrag gegen die Widerstandsbewegung der Menschen. Natürlich kann er diesen Kampf nicht ohne seinen mächtigen Dschinn bestehen und so sieht sich Bartimäus einmal mehr in der Knechtschaft des ehrgeizigen, unfreundlichen Jungen. Doch schon bald wird klar, dass Nathanael Bartimäus‘ Hilfe wirklich gebrauchen kann, denn hinter den Anschlägen stecken keine wütenden Menschen, sondern ein gefährlicher Golem, dem dringend Einhalt zu gebieten ist.

 

Das Ende der Bartimäus-Trilogie

 

Im dritten Band, „Die Pforte des Magiers“, kommt es zum Showdown. Nathanael ist inzwischen der jüngste Informationsminister der Geschichte. Das britische Reich aber droht langsam zu kippen: Nicht nur die Widerstandsbewegung der Menschen im eigenen Land macht den Zauberern  der Regierung zu schaffen, da gibt es auch noch eine unbekannte, dunkle Macht, die London bedroht. Einmal mehr ruft Nathanael Bartimäus in seine Dienste, um gegen die junge Kitty zu kämpfen, die nur ein Ziel hat: Dschinns und Menschen gegen die Zauberer zu vereinen und ihrer Herrschaft endlich ein Ende zu bereiten.

 

Am Ende von „Die Pforte des Magiers“ ist dem Leser eigentlich klar: Die Geschichte um Bartimäus und Nathanael ist zu Ende, endgültig und unwiederbringlich. Jonathan Stroud aber sieht das anders. Er will seinen grimmigen Dschinn nicht in der Versenkung verschwinden lassen, zumal sich dieser ohnehin nicht zum Schweigen bringen lassen würde – zu viele Geschichten hat der 5.000 Jahre alte Dämon noch zu erzählen. Und Stroud lässt ihn: In "Der Ring des Salomo" blickt Bartimäus zurück auf sein wechselvolles Leben in den vergangenen fünf Jahrtausenden. Und so kam es, dass Jonathan Stroud im Oktober 2010 in der Berliner Repräsentanz des Bertelsmann Verlages den vierten Band seiner „Bartimäus“-Trilogie präsentierte. Ein ungewöhnliches Ereignis, wie es nur dem Schöpfer des Dschinns einfallen konnte. Eigentlich ist es ein Ding der Unmöglichkeit, dass dieses Buch überhaupt vorgestellt wird – und doch stand es an jenem Tag dort und wurde von Millionen von Fans in der ganzen Welt mit Spannung erwartet. Hier, in diesem Raum, sollten nun die ersten Worte daraus vorgelesen werden.

 

Wie Bartimäus wurde, was er war: „Der Ring des Salomo“


Plötzlich das Trampeln vieler kleiner Füße und aufgeregte Kinderstimmen, die die Stille durchbrechen: Eine Schulklasse voller nervöser Neunjähriger stürmte in den Raum und stürzte sich auf die Plätze in den vorderen Reihen. In ihren Händen hielten die jungen Bartimäus-Fans kleine Zettel, auf denen sie sich Fragen an den Autor notiert hatten und vor lauter Vorfreude schienen sie gar nicht zu wissen, wohin damit.

 

Jonathan Stroud mit seinen jungen FansDann betrat Jonathan Stroud selbst den Raum. Zuerst nahm man ihn gar nicht wahr, den hochgewachsenen Engländer mit dem kurzen, dunklen Haar. Er ist ein eher ruhiger Typ, lächelte sympathisch, schien aber auch ein wenig nervös zu sein. Doch ein erwartungsvolles Blitzen in seinen Augen verriet, dass sich das bald ändern würde.

 

Es war dann Bartimäus selbst, der in einem Video die Lesung begann: „Oh, ihr Unwürdige unter den Nichtswürdigen! Wie könnt ihr es wagen, mich zu stören? Mich, Bartimäus, den Dschinn aller Dschinns und sprachgewaltigen Erzähler meiner wahrhaft magischen Geschichte?“ Kein besonders freundlicher Empfang, doch es war nicht anders zu erwarten von dem 5.000 Jahre alten Dämon. Bescheidenheit und Freundlichkeit sind nicht gerade seine Stärke, wie die Leser der ersten drei Bände wissen. Und Bartimäus rührte auch sofort die Werbetrommel für „Der Ring des Salomo“, mit dem Hinweis, das Buch wäre sehr geeignet, um die Manieren etwas aufzupolieren: „Bildet mächtig!“, sagt er. 

 

Schnell kam der miesepetrige Dämon dann aber auf die Frage zu sprechen, die alle Anwesenden beschäftigte: „Bin ich nicht entschwunden? Und mein lästiger, pubertärer Gebieter aus den ersten drei Bänden – ist er nicht mausetot?“ In seiner unendlichen Liebenswürdigkeit lässt er sich jedoch schnell dazu herab, die Frage selbst zu beantworten und damit das Geheimnis zu lüften, worum es im eigentlich unmöglichen vierten Band gehen sollte:  „Ich teile euch Unwürdigen nun auch mein letztes Geheimnis mit: wie ich wurde, was ich war. Wo das geschah? An Königs Salomos Hof.“ Und dort beginnt die Geschichte. Schauplatz ist Jerusalem im Jahr 950, wo ein (natürlich komplett unwürdiger) Zauberer am Hofe Salomos den Dschinn Bartimäus beschwört. Doch Jonathan Stroud beließ es nicht nur bei einer bloßen Erklärung dieser Beschwörung: Er zeigte seinem jungen Publikum ganz genau, wie es geht: Zwei Kreise auf den Boden zeichnen, Pentagramme hinein, Kerzen arrangieren, magische Zeichen platzieren, Zauberformel murmeln und schon kann es losgehen. Natürlich kann nicht jeder beliebige Zauberer Bartimäus beschwören – Gott bewahre! Und wer es sich dennoch anmaßt, der muss mit dem Zorn des grummeligen Dämons rechnen. So auch zu Beginn des vierten Teils: Soeben erst hat der große Bartimäus einen Auftrag beendet; er will sich erholen und nicht im Auftrag des grausamen König Salomos Grabräuberei betreiben. Doch was bleibt ihm anderes übrig? Schließlich besitzt Salomo einen magischen Ring, den Ring des Salomo, der das ganze Land in Angst und Schrecken hält. Und so begibt Bartimäus sich in einen uralten, unter dem Wüstensand verborgenen Tempel, um eine prächtige Trophäe zu erbeuten. Dort muss er nicht nur mit Zombies kämpfen, nein, dort in den Tiefen erwartet ihn noch weitaus Schlimmeres…

 

Der miesepetrige Bartimäus und sein fröhlicher Schöpfer


Doch was das sein wird – darüber hielt uns Jonathan Stroud in Unwissenheit. Er lächelte schelmisch und wusste ganz genau, dass seine Fans es kaum erwarten konnten, das Buch zu verschlingen. Es könnte vielleicht das beste Buch sein, dass er je geschrieben hat, meinte er nachdenklich auf die Frage, welches seiner Bücher er am meisten mögen würde. Doch festlegen wollte er sich nicht, denn schließlich seien ihm alle seine Bände wie Kinder, von denen er keines bevorzugen wolle. Und natürlich sei nicht auszuschließen, dass „Der Ring des Salomo“ nicht der letzte Band um Bartimäus gewesen ist. Er habe da noch viele Ideen im Kopf, sagte er geheimnisvoll.

 

Zum Schluss erhielten die Kinder die Erlaubnis, die kunstvollen Zeichnungen Strouds mitzunehmen und mit ihm gemeinsam für Fotos zu posieren. Und wie er da so saß, zwischen den strahlenden Kindern, da hatte er so gar nichts gemein mit dem schlecht gelaunten Dämon, der ihn so berühmt machte und man muss ihn einfach mögen, diesen exzellenten Autor und Schöpfer phantastischer Abenteuer. 

 

Bei uns können Sie alle vier Bände über Bartimäus direkt bestellen:

 

Nach dem Ende der Bartimäus-Reihe wandte sich Jonathan Stroud übrigens einer weiteren Fantasy-Reihe für jugendliche und junggebliebene Leser zu: "Lockwood & Co":

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