Wenn Blasen platzen
Er bleibt ein schwarzer Tag in der Geschichte der globalen Finanzwirtschaft: der 15. September 2008. Es war der Tag, an dem die amerikanische Investment-Bank Lehman Brothers Inc. Insolvenz anmeldete und damit den lange ausstehenden Ausbruch der Subprime-Krise, der aktuellen Finanzkrise, herbeiführte. Schlagartig fielen Aktienkurse, Rohstoff- und Immobilienpreise sowie die Bewertungen von Hedge-Fonds und Private-Equity-Unternehmen ins Bodenlose. Die gesamte Welt stürzte sich in aussichtslos erscheinende Rettungsaktionen für Banken und Finanzmärkte, doch es half nichts: Auch Merrill Lynch, Goldman Sachs, Morgan Stanley und das weltweit größte Versicherungsunternehmen AIG mussten kurz darauf Insolvenz anmelden. Doch wie kam es zu diesem dramatischen Einsturz in der Finanzwelt?
Die Ursachen der Finanzkrise
Die Ursachen für die Finanzkrise sind sehr vielschichtig und gehen auf jahrelanges, risikofreudiges Fehlverhalten zurück. Alles begann mit einer Senkung des US-Leitzinses in Folge des Einbruchs des Aktienmarktes und der Anschläge vom 11. September 2001. Ziel dieser Aktion war es, die US-Konjunktur anzukurbeln. Und das Konzept ging auf: Die Arbeitslosigkeit sank, die Löhne stiegen und die Bürger waren bereit, mehr zu investieren. Immer mehr Menschen kauften Wohnungen und Häuser. Dieser Run auf den Immobilienmarkt trieb die Preise hoch. Viele Käufe wurden – ohne entsprechende Sicherheiten – auf Kredit getätigt.
Subprime-Kredite, Kredite an Verbraucher, deren Kreditwürdigkeit auf Grund eines geringen Einkommens eher fragwürdig ist, führten dazu, dass auch Niedrigverdiener sich bereitwillig dem Hausbau zuwandten. Niedrige Zinsen am Anfang, mit steigender Tendenz, machten es möglich. Und wer den Kredit nicht zurückzahlen konnte, verkaufte das Haus auf dem boomenden Markt oder überließ es der Bank. Auf diese Weise wurde lange Zeit mit Geld gehandelt, das es real nicht gab. Eine Immobilienblase entstand – und sie drohte, jeden Moment zu platzen!
Der Zusammenbruch des internationalen Finanzmarktes
Doch 2004 stagnierte die Konjunktur plötzlich. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechterte sich, Menschen verloren ihren Job und immer weniger von ihnen konnten die Kredite zurückzahlen. Damit nahm die Subprime-Krise ihren Lauf: Immer mehr Kredite fielen aus und aufgegebene Häuser überschwemmten den Immobilienmarkt, was wiederrum den Immobilienpreis drückte. Andere, in Verzug geratene Kreditinhaber konnten ihre Häuser immer schlechter verkaufen und so fielen auch ihre Kredite aus – ein Dominoeffekt!
Um sich selbst zu schützen, bündelten die Banken Kredite zu Kreditbündeln, die international gehandelt wurden. Der Weiterverkauf von Krediten ist eine gängige Praxis, jedoch mischten sich in die Kreditbündel immer mehr faule Subprime-Kredite. So übertrug sich das Kreditproblem auf den internationalen Finanzmarkt und verursachte einen regelrechten Flächenbrand. Die Banken begannen einander zu misstrauen, Anleger waren immer weniger bereit, zu investieren und beachtliches Kapital wurde zurückgezogen. Die Banken gerieten in Zahlungsschwierigkeiten und mussten – siehe Lehman Brothers – bald Insolvenz anmelden.
Die Folgen der Finanzkrise
In den USA führte der Zusammenbruch der großen Banken zu einem Einbruch des bis dahin starken Dollar. Grund dafür ist, dass ausländische Investoren schnellst möglich ihr Kapital abzogen. Zurückhaltender Konsum, steigende Arbeitslosenzahlen und eine Rezession der US-Ökonomie waren die Folge. Und auch in Deutschland bekamen wir die Auswirkungen der Subprime-Krise zu spüren. Daniel Gros und Sonja Sagemeister haben sich in „Nachkrisenzeit“ mit den Folgen beschäftigt und sich die Frage gestellt, wie es nun nach der Krise weitergehen soll. Auch Friedrich Merz und Wolfgang Clement sind der Frage „Was jetzt zu tun ist“ in ihrem gleichnamigen Buch nachgegangen. Hier finden Sie außerdem weitere spannende und informative Bücher zum Thema Finanzkrise und Weltwirtschaft.
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