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Han Kang

Han Kang ist eine Schriftstellerin aus Südkorea © Baek DahumDer Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Schon Han Kangs Vater Seung-won versuchte sich am erzählenden Schreiben, konnte mit seinen Romanen jedoch nie so richtig Fuß fassen. Han Kang (Jahrgang 1970) selbst konnte jedoch früh Erfolge verbuchen, was nicht zuletzt an ihrem einfachen Erzählstil liegt: Kein Wort und kein Schnörkel zuviel, die Metaphern mit ihren ohnehin abgelaufenen Verfallsdaten bleiben im Schrank. Die oftmals brachial-bizarre Handlung würde vielleicht an Franz Kafka erinnern, machte sie nicht den Sprung aus dem alptraumhaft-allegorisch-zeitlosen hinaus direkt in das Hier und Jetzt der gnadenlos realen Gegenwart.

Erst nach über 20 Jahren schriftstellerischer Tätigkeit dürfen deutsche Leser einen Blick auf ein erstes übersetztes Werk der Autorin werfen: „Die Vegetarierin“ machte zunächst im englischsprachigen Raum Furore und erschien 2016 auch in Deutschland. Man fragt sich schon: wieso erst jetzt, warum gerade dieses? Ganz unschuldig daran ist die unwiderstehlich-unvermeidlich hypnotische Entfaltung der Ereignisse mit ihren multiplen Katastrophen, die Sie in diesem Roman erwartet, sicher nicht. Dennoch muss man klar sehen, dass das Scheinwerferlicht hierzulande mehr zufällig auf nicht-englischsprachige internationale Autoren fällt, die ebenso zufällig Weltrang haben können.

„Die Vegetarierin“ ist in Südkorea bereits 2007 erschienen und erreichte Deutschland erst neun Jahre später: Han Kangs erstes in unserer Sprache publiziertes Werk, sieht man von „Die Früchte meiner Frau“ im Rahmen der dtv-Sammlung „Koreanische Erzählungen“ ab. Aber selbst in englischer Sprache sind, Stand 2016, nur drei ihrer Werke zu ergattern. Es fehlt eigentlich der Großteil ihres Oeuvres, darunter ihr Debütroman „Die Liebe eines Sträflings“ (1995), „Der schwarze Hirsch“ (1998), „Deine kalte Hand“ (2002), „Griechischunterricht“ (2011) oder die in Südkorea mit Preisen überhäufte und verfilmte Novelle „Baby Buddha“ (1999, Titel wurden hier nur grob übersetzt).

Nachdem Han Kang am 16. Mai 2016 für „Die Vegetarierin“ gemeinsam mit ihrer englischen Übersetzerin den angesehenen internationalen Literaturpreis Man Booker International Prize gewinnen konnte, ist jedoch alles offen. Weitere englische Übersetzungen dürften nun sehr schnell folgen, auf weitere deutsche können wir auf jeden Fall hoffen – zumindest doch auf die bereits englisch übersetzten Romane „Genesungszeit“ („Convalescence“, 2013) und „Menschliche Taten“ („Human Acts“, 2016), in welchem Han Kang das ureigene Trauma ihrer Familie verarbeitet – das Massaker in Gwangju 1980 bei der Revolte gegen die damalige Militärdiktatur. 

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